Immer mehr Minderjährige bei der Bundeswehr
Bigotterie in deutschen Uniformen
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Kindersoldaten und minderjährige Freiwillige: Der Unterschied besteht, die Fragwürdigkeit bleibt. Bild: kac
Kindersoldaten und minderjährige Freiwillige: Der Unterschied besteht, die Fragwürdigkeit bleibt.

Kommentar. Bei der Bundeswehr wurden im vergangenen Jahr 2.128 Menschen unter 18 Jahren an der Waffe ausgebildet. Nach Definition der UNICEF handelt es sich hierbei um Kindersoldaten. Die Bundesregierung verliert ihre Glaubwürdigkeit.

Gewiss klafft eine unüberwindbare Lücke zwischen kleinen Kindern, die in Sri Lanka, Kolumbien oder im Kongo an die Waffen und zum Morden gezwungen werden und 17-jährigen Deutschen, die sich freiwillig für eine sogenannte Karriere bei der Bundeswehr melden. Doch laut Definition der sogenannten „Pariser Prinzipien“ von UNO und UNICEF aus dem Jahre 2007 sind Kindersoldaten „alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden“. Der Vorwurf, die Bundeswehr sei somit Ausbilderin von Kindersoldaten, weisen offizielle Stellen von sich, auch die bürgerlich-konservative Presse, wie zum Beispiel die FAZ, springt für die deutschen Streitkräfte in die Bresche. Von Kindersoldaten dürfe man nicht sprechen, das sei verharmlosend.
Ohne Frage muss unterschieden werden zwischen unfreiwilligen KombattantInnen in bewaffneten Konflikten und Menschen, die sich freiwillig für eine Berufs- und SoldatInnenausbildung bei der Bundeswehr entscheiden. Doch trotzdem muss mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass auch dies, eine Anwerbung und Rekrutierung von minderjährigen Personen, eine moralisch zumindest fragwürdige Vorgehensweise darstellt. 

 von der Leyen ohne  Glaubwürdigkeit

Es erstaunt, dass die Öffnung der Bundeswehr für Minderjährige unter der Aufsicht der ehemaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen geschieht. In ihrer Amtszeit im Familienministerium war die siebenfache Mutter Verfechterin des Verkaufsverbots gewaltdarstellender Videospiele, diese setzten die Hemmungen herab, auf Menschen zu schießen. Obwohl diese platonische Denkweise selbst in Fachkreisen als überholt gilt, stellt sich die Frage, warum von der Leyen nun Personen unter 18 Jahren an echten Waffen ausbilden lässt, sie das Töten lehren will. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass der aktive Dienst an der Waffe abseits der Ausbildung erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres erlaubt bleibt.

Nachwuchssorgen  zählen nicht

Dass der Bundeswehr die RekrutInnen fernbleiben, sollte in Zeiten des anhaltenden Friedens in Europa kein Grund sein, gezielt Minderjährige anzuwerben. Ein stehendes Heer von über 170.000 SoldatInnen mitten in Europa ist im
21. Jahrhundert ein antiquiertes Relikt vergangener Epochen. Der Verteidigungsfall ist fast 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht mehr zu erwarten und dass von deutschem Boden ein weiterer europäischer Krieg ausgehen sollte, bleibt der Welt hoffentlich erspart.
Für die überschaubare Zahl an globalen Einsätzen in sogenannten Friedensmissionen oder der Entwicklungshilfe reicht die Truppenstärke allemal. Weder für das Tragen von Sandsäcken am
Elbufer noch für das angebliche Brunnenbauen auf dem afrikanischen Kontinent werden für das Töten von Menschen ausgebildete SoldatInnen benötigt. Der Einwand, dass die Bundeswehr mit der freien Wirtschaft und der Polizei um SchulabgängerInnen konkurriere, letztere sogar auch an der Waffe ausbildeten, ist ebenfalls kein glaubwürdiges Argument, denn selbst bei der Polizei geht es – alle berechtigte Kritik an diesem Organ außen vor gelassen – um etwas anderes als das Töten von Menschen.

:Justinian L. Mantoan