Studienratgeber „Elitestudent“ hilft, sich durchzusetzen
Besser als der Pöbel
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Soziales Engagement: Humboldt für Idealbildung. Foto: mar
Soziales Engagement: Humboldt für Idealbildung.

Pünktlich zu Beginn des Akademischen Jahres 2012/13 erschien der Ratgeber „Elitestudent – Wie werde ich besser als der Durchschnitt?“ von Michael Schmitz und rechtzeitig zu Beginn der Geschenke-Such-Zeit schaut sich die :bsz an, ob es sich lohnt, dieses ‚elitäre Werk‘ der ambitionierten Studentin oder dem ambitionierten Studenten unter den Weihnachtsbaum zu legen.

Die Sache mit der Elite ist gerade in Bochum eine schwierige Sache. Auf der einen Seite steht das Rektorat, das die RUB gerne in den Kreis einiger weniger Elite-Universitäten aufgenommen sehen möchte, auf der anderen Seite steht eine kritische Studierendenschaft, die in gerade diesem Vorhaben nicht nur die Verschwendung von Geldern und Kapazitäten sieht, sondern insgesamt einen Verrat an der Idee eines egalitären Bildungssystems. „Jede Elite-Uni führt zur Benachteiligung aller anderen Universitäten“, kann man auf Stickern an Türgriffen und Wänden der RUB lesen. Michael Schmitz hat nichts mit Bochum und einer solchen Einstellung zu tun. Unter dem Titel „Elitestudent – Wie werde ich besser als der Durchschnitt?“ veröffentlichte der Trainer für „angehende Fach- und Führungskräfte“ einen Ratgeber für das Überleben in der karriereorientierten Leistungsgesellschaft, die man anscheinend schon an der Universität vorfindet.

Gütesiegel „Elite“

Im Vorwort klärt der Träger eines Master of Science in International Management über seine Titelwahl auf: „Mag der Begriff ‚Elite‘ unter Studenten früher vielleicht verpönt gewesen sein, stellt sich die Sache heute ganz anders dar. Das Schlagwort ‚Elite‘ ist nun ein positiv besetztes Label, und wenn es auf die Leistungsfähigkeit bezogen wird, ein Qualitätsbeweis.“ Möglicherweise ist „Elite“ unter Management-Studierenden noch nie verpönt gewesen, so wie es unter allen kritisch Denkenden auch heute immer noch nicht „positiv besetzt“ ist.
Zum Titel liefert der Autor noch eine Erklärung: „Elitestudentinnen sind ebenso häufig wie die männliche Version“, allerdings wird auf die weibliche Bezeichnung verzichtet, „um das Buch gut lesbar zu halten“.
Von dieser anfechtbaren Gender-Entscheidung abgesehen gelingt es Schmitz, möglichst viele Studierende anzusprechen. Seine Ratschläge für besseres Lernen illustriert er stets mit praxisnahen Beispielen aus allen Fachbereichen. Ob nun MedizinstudentIn mit beträchtlichem Arbeitspensum, BWL-StudentIn mit hohen Zielen oder aber auch Philosophie-StudentIn mit viel Interesse und Ambition – niemand wird vernachlässigt. Überraschend ist jedoch, dass StudentInnen der Geisteswissenschaften nicht die übliche Zielgruppe für solche Ratgeber sind.

Alle sind angesprochen

Tatsächlich aber können auch diese von dem Ratgeber profitieren. Da sich das Buch an Studierende aller Fachrichtungen wendet, beziehen sich seine Ratschläge eher auf generelle Lerntechniken und die sogenannten Soft Skills. Die Einführung in Lerntechniken und -strategien ist psychologisch untermauert und plausibel erklärt, die folgenden Kapitel heißen „Lesen“, „Schreiben“, „Präsentieren“. Darauf liest man auch etwas zu Teamarbeit, Verhandlungstechnik und Zeitmanagement. In den Kapiteln wird nachvollziehbar argumentiert, der Ratgeber ist anschaulich und gut zu lesen.
Immer wieder aber kommt das dem Untertitel inhärente Motiv zum Vorschein: „Besser als der Durchschnitt.“ Zwar schafft Schmitz es, den Begriff des Elitestudierenden so auszulegen, dass er nicht abwertend den Nicht-Elitestudenten gegenüber wirkt (so ist ein Elitestudierender einfach nur fleißig und fähig), aber die Motivation für ein erfolgreiches Studium meint der Autor nicht aus persönlichem Nutzen und Selbstverwirklichung ziehen zu müssen, sondern aus dem direkten Vergleich mit den anderen – aus dem Konkurrenzkampf. So rät Schmitz, sich neben dem Studium sozial oder politisch zu engagieren oder Sport zu treiben. Dies aber nicht um der Sache willen, sondern weil es sich besser im Lebenslauf macht. Im sechsten Kapitel „Netzwerken und Image“ werden dann auch persönliche Kontakte nach Nutzen für die Zukunft abgewogen.
Dabei ist das Studium doch gerade die Zeit, die vielleicht die meisten Möglichkeiten bietet, sich auszuprobieren und zu verwirklichen. Die Jagd auf Credit Points, der Bachelortunnelblick und die Abwägung jeder Aktivität nach Kosten und Nutzen für die Zukunft machen diese Zeit alles andere als interessant und erinnerungswürdig.
„Elitestudent“ gibt viele kostbare Tipps, wie man sein Studium erfolgreich absolvieren kann. Leider erweckt das Buch dabei den Anschein, dass es keine Zeit gibt, auch Spaß daran zu haben.

Michael Schmitz: „Elitestudent – Wie werde ich besser als der Durchschnitt?“ Publicis Publishing, 19,90 Euro.
 

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