MEER PLASTIK WENIGER FISCH I – Durch industrielle Fangmethoden sind bis 2050 die Ozeane leergefischt
Bald gähnende Leere im Meere?
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Da ist etwas ins Netz gegangen: Und zwar 400 Tonnen(!) Ma­krelen (und andere Meeresbewohner). Foto:Wikimedia Commons
Da ist etwas ins Netz gegangen: Und zwar 400 Tonnen(!) Ma­krelen (und andere Meeresbewohner).

Der Sushi-Boom, nicht nur in Deutschland, dürfte einigen Anteil daran haben: Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten steigt seit Jahren. Sie wird befriedigt mit einer Jahresproduktion von knapp 145.000 Tonnen. Die Folgen sind so absehbar wie erschreckend: Wenn es mit der Überfischung wie bisher weitergeht und auch die Politik weiterhin die Ratschläge der Wissenschaft in den Wind schießt, gibt es laut der Naturschutzorganisation WWF in 40 Jahren keine Fische mehr im Meer.

Rund 60 Prozent der Fischbestände in den Meeren stehen kurz davor, überfischt zu werden. Weitere 30 Prozent haben die Schwelle nach Angaben des WWF bereits überschritten, in den europäischen Gewässern sind es sogar 47 Prozent; dass sich die Populationen in absehbarer Zeit erholen werden, ist unwahrscheinlich.
Wie viel von welchem Fisch jährlich gefangen werden darf, legt die EU für ihre Flotte fest. Dabei wird sie vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) beraten. Doch scheint die Stimme der Fischereilobby in Brüssel lauter zu sein als die der Wissenschaft. So liegen die von der EU festgelegten Quoten laut WWF im Schnitt 41 Prozent über dem vom ICES geforderten Wert.

EU für eine drei Mal schnellere Ausrottung!

Ein erschreckendes Beispiel ist der Blauflossenthunfisch: Der ICES forderte eine Höchstfangmenge von 10.000 Tonnen, damit der Fisch nicht ausstirbt. Die EU legte 29.500 Tonnen fest. Gefangen wurden tatsächlich 61.000 Tonnen im Jahr – mehr als das Sechsfache dessen, was erlaubt wäre, um die Population zu retten!
Naturschutzverbände fordern daher schon seit Jahren sofortige Maßnahmen. Die Ursachen für die entvölkerten Ozeane sind mit größerem maritimen Appetit allein allerdings nicht zu beantworten. Tatsächlich gestaltet sich die Lage ziemlich komplex, lässt sich aber mit einem Begriff zusammenfassen, den der geläufige, oben erwähnte Ausdruck „Jahresproduktion“ bereits andeutet: die Industrialisierung der Fischerei.

Illegaler Fischfang ist schwer zu kontrollieren. Doch wer denkt, dass die Politik somit nichts gegen die Überfischung tun kann, irrt. Die steckt da nämlich bis zum Hals mit drin.

An einem Tag so viel wie 50 Boote in einem Jahr

Ob alter Seebär in der Lübecker Bucht oder der Fischer mit seinem Ein-Mann-Boot an der westafrikanischen Küste: Beide kommen gegen die Konkurrenz der großen Hightechschiffe nicht an. Die sogenannten Super- und Megatrawler (oder „Fischerei-Monster“, wie Greenpeace sie nennt), können mit ihren kilometerlangen Netzen 350 Tonnen Fisch am Tag fangen.

Das Youtube-Video „Stoppt die Überfischung“ der Initiative Ocean2012EU veranschaulicht die Ausmaße der Schleppnetze: In ihnen fänden 13 Jumbo-Jets Platz. So kann in einem Rutsch ein ganzes Fisch-„Volk“ ausgerottet werden.

Leider nicht nur der gewünschte Fisch. Ein Drittel der gefangenen Fischmasse, so schätzt der WWF, ist „Beifang“. Damit sind alle MeeresbewohnerInnen gemeint, die gar nicht zum gewünschten Fang gehören. Somit landen Delphine, Rochen, Haie und Schildkröten tot oder verletzt wieder im Meer.

:Marek Firlej

:bsz-Info

Was kann ich als KonsumentIn dagegen tun?

In erster Linie: Fisch bewusst und vernünftig genießen. Du als KonsumentIn hast die Macht, der Industrie zu zeigen, dass der Raubbau am Meer nicht geduldet ist.

Deshalb kaufe keinen Fisch aus gefährdeten Beständen oder aus nicht nachhaltigen Aquakulturen. Welche Arten Du bedenkenlos auf den Teller packen kannst, sagen Dir die Einkaufsführer der Umweltorganisationen Greenpeace und WWF (gibt es auch als Apps für Smartphones, damit man schon im Laden direkt überprüfen kann, was man kaufen sollte).

Denn auch wenn sich die Politik der Fischereilobby beugt, muss die Ausbeute zurückgehen, wenn die Nachfrage nicht da ist.

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