Das neue „ZDF Magazin Royale“
Böhmermann ist zurück
Bild: hakl
Witzig oder informativ? Die Show versucht sich an dem schwierigen Spagat.

Fernsehen. Fast ein ganzes Jahr nach dem Abschied des „Neo Magazin Royale“ startete der Satiriker nun seine neue Late-Night-Show. 

Die Namensgebung und das optische Design der neuen Show „ZDF Magazin Royale“ legen den Zuschauenden auf den ersten Blick nah, dass sich im Vergleich zu ihrem erfolgreichen Vorgänger nicht viel geändert hat. Die auffallendste Änderung ist zunächst der neue Sendeplatz, der vom Spartensender ZDF Neo ins Hauptprogramm des ZDF befördert wurde. Dort ist die Show jetzt immer freitags um 23 Uhr direkt nach der thematisch ähnlich ausgerichteten heute-show zu sehen und wurde von ehemals 45 auf 30 Minuten gekürzt. Doch was hat der Skandal-Veteran Jan Böhmermann thematisch noch zu bieten? 

Am 6. November wurde die erste Ausgabe gezeigt und konnte eine starke Einschaltquote einfahren. Dabei arbeitete die Sendung vor allem – wie könnte es auch anders sein – die vergangenen Monate der Pandemie auf. Verschwörungstheorien und Telegram waren das primäre Ziel, doch bevor man zur Fernbedienung greifen konnte, weil einem die Wendler und Xavier Naidoo-Witze ohnehin schon aus den Ohren raushängen, nimmt Böhmermanns Monolog eine angenehme Wendung. Nach der obligatorischen Bloßstellung von Querdenker:innen kam nicht wieder einmal der erwartete Apell, vernünftig und still zu bleiben, um nicht als Verschwörungs-Trottel dazustehen. Stattdessen machte der Moderator darauf aufmerksam, dass genaueres Hinschauen und Hinterfragen der Obrigkeit durchaus eine Tugend ist, wenn man an den richtigen Stellen ansetzt. Durch Corona fand eine starke Polarisierung in der Gesellschaft statt, die dafür sorgte, dass es so aussah, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten sich zu verhalten: entweder man hört brav und ohne jeden Zweifel auf die Regierungsanweisungen oder man macht das volle Verschwörungsprogramm mit und zweifelt sich die Seele aus dem Leib. Bill Gates ist entweder ein blutsaugender Bösewicht, der die Weltherrschaft an sich reißen will oder ein selbstloser Wohltäter. Doch zuallererst ist er eins: furchtbar reich. 

Der wachsende Reichtum der Wenigen, der auch während der Pandemie keinen Halt machte, ist zwar allgemein bekannt, aber nicht genug als Problem erkannt. Dass Amazon-Gründer Jeff Bezos im August zum ersten Menschen in der Geschichte wurde, dessen Vermögen mehr als 200 Milliarden Dollar betrug, während seine Mitarbeiter weiterhin unter oft furchtbaren Bedingungen schlecht bezahlt arbeiten mussten, sorgt nicht für genug Empörung, weil der Respekt vor dem Reichtum immer noch sehr groß ist. Schließlich bedeutet Geld auch immer Macht, die jedoch nicht immer so bekannt ist, wie die von Bezos und Gates. Böhmermann nennt viele Beispiele von deutschen Milliardären, die ihre finanzielle Macht nutzen, um eigene politische Interessen durchzusetzen. Das klingt nach absolutem Potenzial für Verschwörungstheorien mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: sie sind wahr und noch dazu bei genauerer Recherche, die für diese Sendung einwandfrei war, öffentlich einsehbar. Es herrscht auch schon ohne Kinderblut trinkende Politiker:innen genug Ungerechtigkeit in der Welt. 

Böhmermann frequentiert diese Informationen mit mal mehr mal weniger sitzenden Punch Lines, um das Publikum bei der Stange zu halten. Dieses Infotainment mag nicht so investigativ und seriös sein wie manch andere Medien, aber es genießt eine breite Zuschauer:innenschaft, die nur durch eine derartige Auseinandersetzung aufrecht erhalten und für diese Themen interessiert werden kann. Denn wenn Böhmermann eines kann, dann ist es Aufmerksamkeit zu erregen.   

                      :Henry Klur

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