Ein Deutscher wollte in Syrien etwas gegen den IS ausrichten
Aus Humanismus in den Krieg
Cover: riva Verlag
Mit den kurdischen YPG kämpfte Christian Haller sieben Monate lang gegen den IS. Cover: riva Verlag
Mit den kurdischen YPG kämpfte Christian Haller sieben Monate lang gegen den IS.

Christian Haller hatte in Deutschland ein normales, geregeltes Leben, mit gutem Job und fester Beziehung. Dennoch reiste er im November 2014 nach Syrien, um auf kurdischer Seite gegen den Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Nach sieben Monaten kehrte er ernüchtert zurück. Inzwischen hat Haller über seine Beweggründe und Erfahrungen ein Buch geschrieben, das interessante Einblicke in diesen Krieg gewährt.

Den heute 30-Jährigen ließen Medienberichte über die Gräueltaten des IS einfach nicht mehr los. Haller wollte daher selbst aktiv etwas gegen diese Terrororganisation tun. Zugleich trieb ihn der Wunsch, aus der gesellschaftlichen Normalität auszubrechen. Ohne militärische Ausbildung oder passende Sprachkenntnisse reiste er also nach Nordsyrien und schloss sich dort den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) an.

Warten statt Kämpfen

Bei den YPG erhielt der Deutsche zwecks Anonymität direkt den Kampfnamen Agit, welcher „Held“ bedeutet, obwohl Haller sich selbst nie als solchen gesehen hat. Die „Ausbildung“ vor Ort bestand seinerzeit nur aus einer eintägigen Übung an der Waffe. Allerdings werden ausländische Freiwillige von den YPG generell als zu schützende Gäste betrachtet und möglichst für weniger gefährliche, defensive Aufgaben eingesetzt.

Die allermeiste Zeit in Syrien verbrachte Haller nicht im Kampf, sondern mit dem Warten in Stellungen und Lagern. Dabei waren vor allem der Mangel an Versorgungsgütern und Hygiene das Problem. Von den anderen Freiwilligen aus westlichen Ländern entpuppten sich viele rasch als untaugliche Selbstdarsteller. Mit den kurdischen KämpferInnen gab es dagegen größtenteils positive Erfahrungen, wie auch mit der Zivilbevölkerung.

Heimkehr ins Nichts

Christian Haller hatte mit dem Kämpfen und der Gefahr an sich kein größeres Problem. Dennoch waren sieben Monate zermürbender Kriegsalltag schließlich genug für ihn und er kehrte psychisch erschöpft nach Deutschland zurück, wo er keine Existenz und keinen Besitz mehr hatte. Die Beziehung zu seiner Freundin war wegen des Kriegsabenteuers längst zerbrochen, ebenso wie der Kontakt zum Großteil seiner Familie. Einen Teil der Einnahmen dieses lesenswerten Buches will Haller zukünftig nutzen, um in Syrien persönlich humanitäre Hilfe zu leisten.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

Christian Haller:

„Sie nannten mich »Held«. Wie ich als Deutscher in Syrien gegen den Islamischen Staat kämpfte“

riva Verlag

208 Seiten

17,99 Euro

 

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