Erlebnisbericht: Die Höhen und Tiefen der fünften Schreibnacht
Auf, auf zum fröhlichen Schreiben!
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Fragen und Probleme? Die SchreibtutorInnen helfen Euch gerne weiter! Foto: lux
Fragen und Probleme? Die SchreibtutorInnen helfen Euch gerne weiter!

5. März 2015. Schreibnacht. Circa 170 Studierende treffen sich im Universitätsforum um den Kampf gegen die aufgeschobenen Hausarbeiten aufzunehmen. Elf Stunden Zeit. Wer wird gewinnen?

18 Uhr. Das Abenteuer beginnt: Die angehenden Schreiberlinge  treffen sich zum Auftakt im Schreibcafé. Die Teilnehmerzahl hat sich gegenüber der ersten Schreibnacht fast verdreifacht, auch wenn nicht alle die ganze Nacht bleiben und einige erst im Laufe des Abends eintrudeln. Die MitarbeiterInnen und TutorInnen des Schreibzentrums sowie MitarbeiterInnen der Unibibliothek stellen sich dem Ansturm. Glücklicherweise sind viele auch „nur“ zum Schreiben hier und die Beratenden können so auch allen Hilfesuchenden gerecht werden.

20 Uhr. Rachel, 23, sitzt am ersten Satz ihrer Hausarbeit – und das seit ungefähr drei Jahren. Die Studentin der Wirtschaft und Politik Ostasiens schiebt das Abgabedatum der ungeliebten Pflicht-Hausarbeit seit Februar 2012 vor sich hin. „Größtenteils fehlt mir einfach die Motivation, mich mit einem Thema auseinanderzusetzen, für das ich mich nur am Rande interessiere. Dass ich überhaupt die Möglichkeit hatte, den Abgabetermin rauszuzögern hat dabei auch eine große Rolle gespielt“, sagt die Bachelorstudentin. Jetzt, im 7. Semester, steht nur noch diese eine Arbeit zwischen ihr und der Anmeldung der letzten Prüfungsleistung – und damit ihrem Abschluss. Beratung zur Themenfindung und Gliederung hat sie sich bei den SchreibtutorInnen bereits im Vorfeld geholt und erklärt optimistisch: „Heute sollte schon die Hälfte fertig werden... Oder realistischer, wenigstens ein Viertel. Das sollte schon zu schaffen sein.“ Schließlich ist es eine dieser Hausarbeiten, die wir alle so lieben: wird nicht in die Endnote eingerechnet, gehört zu einem Pflichtseminar mit nur mäßig interessantem Thema und muss einfach nur bestanden werden. Motivation im Keller. Zeit, für die erste sportlich-entspannende Aktivität des Abends: Qi-Gong, oder: Stretching für Fortgeschrittene.

21 Uhr. Im Schreib- und Sprechraum unterstützen sich vier Jura-Studentinnen tatkräftig bei ihren Hausarbeiten. Mit viel Elan arbeiten sie an ihren inhaltlich ähnlichen Projekten und tauschen sich über Formatierungs- und Formulierungstipps sowie Literatur und Vorlesungsmitschriften aus. Gerade für solche gemeinsamen Schreibprojekte bietet die Schreibnacht einen idealen Rahmen. Aber auch in den stillen Schreibräumen wird fleißig gewerkelt und jede Steckdose ausgenutzt.

Jetzt bloß nicht schwächeln!

23 Uhr. Die Ersten geben auf. Die MitarbeiterInnen der UB beenden ihre Beratung zu Literaturrecherche, Fernleihe und Co. Bei Rachel dagegen läuft es „erstaunlich gut“: Zweieinhalb Seiten sind schon geschafft, die Angst vor dem leeren Blatt lange überwunden. Auch wenn die Quellen teilweise noch verifiziert werden müssen, der Rohtext steht. Zwischendurch hält sie die Motivation mit Kaffee hoch und stärkt sich wie die anderen Schreiberlinge auch am leckeren  –  und überraschenderweise tatsächlich größtenteils veganen – Buffet. Beim gemeinsamen Warten auf heißes Wasser treffen auch die Einzelkämpfer der Nacht aufeinander und tauschen sich über Schreibprozesse und Schreibfortschritt aus. Ob Bachelorarbeit, Doktorarbeit oder die nächste Woche fällige erste Hausarbeit – Stärkung brauchen alle Schreibenden.

Mitternacht. Es wird langsam ruhiger. Viele haben aufgegeben oder ihr Pensum schon frühzeitig erreicht. Zufriedenheit bei einer Studentin, die ihre Hausarbeit endlich abgeschlossen hat. Auch von den SchreibtutorInnen hält nur etwa die Hälfte noch die Stellung – allerdings waren einige von ihnen auch schon seit dem frühen Vormittag mit den Vorbereitungen beschäftigt. 

1 Uhr. Durchhängen verboten. Rachel ist zufrieden, die ersten drei Kapitel sind zu Papier gebracht; nach einer Pause soll es aber weitergehen. Wir begeben uns zum wachwerden auf einen Spaziergang durch das nächtliche Unigelände. Den Ausblick von der Mensarückseite bei Nacht muss man mindestens einmal gesehen haben. Nachdem der Kopf an der frischen Luft wieder frei geworden ist (und die Lebensgeister mit leicht verspäteter Mitternachtssuppe und Kaffee wieder geweckt sind) geht es dann wieder frisch ans Werk: „Der Nachtspaziergang hat sehr geholfen, um nochmal neuen Elan zu kriegen“, so Rachel.

Ein Wort geht noch, ein Wort geht noch rein…

2 Uhr. Online-Check: Was machen die anderen Universitäten an denen parallel auch Schreibnächte stattfinden? Die einen hatten nur einen langen Abend geplant und haben so bereits vor Mitternacht die Schreibsäle geschlossen während die anderen bis zum Sektfrühstück um 6:30 durchpowern. Da sind wir mit einem geplanten Ende von 5 Uhr schon gut dabei. Immerhin haben vereinzelt Schreiberlinge angekündigt, den freien Raum auch danach noch zu nutzen: Bis 8 Uhr stehen die Räumlichkeiten theoretisch zur Verfügung und bis dahin sollten – nein, müssen – auch die letzten neun Seiten der Hausarbeit fertig sein. Na dann viel Erfolg!

3 Uhr. Schreibtisch-Yoga. Eine Handvoll wackerer StudentInnen versucht, neuen Schwung in die müden Knochen zu bringen. Andere sitzen konzentriert bis lethargisch an ihrem Schreibprojekt oder haben schon die Flinte ins Korn geworfen. Langsam wird es schwer, noch konzentriert zu arbeiten. „Um 4.44 Uhr geht die erste Bahn – so lange muss ich noch durchhalten“ wird zum Motto.

3.30 Uhr. Wir sind jetzt noch ca. 40 -  45 Standfeste. Die ersten Räume sind verlassen. Jetzt geht es an die Reserven... „Ich bin fertig für heute – danke, es war hilfreich!“, so das Abschlussresümee eines Schreiberlings.

4 Uhr. Auf zur letzten Runde. Es wird hart... Draußen zwitschern die Vögel, drinnen schreiben wir. Rachel ist fertig, sie hat ihr realistisches Ziel erreicht – ein Viertel der Hausarbeit ist geschafft: „Man muss auch akzeptieren können, dass irgendwann die Grenze erreicht ist... Spätestens, wenn man die einfachsten Sätze nicht mehr lesen kann.“ So wirklich fit scheint keiner mehr zu sein. Mittlerweile hat sich Enthusiasmus in Kampfeswillen verwandelt. Dennoch scheint die Schreibnacht für so manch einen produktiver gewesen zu sein als die vorhergehende Schreibwoche: Einfach, weil es ein langer Block am Stück ist und man sich durchbeißen muss– nicht über mehrere Tage verteilt sondern in einer Marathoneinheit mit direkt greifbarer Deadline.

5 Uhr morgens. Wir haben fertig. Buchstäblich. Mir verdrehen sich die Buchstaben beim Tippen und die Gespräche drehen sich mehr um alles andere als ums konstruktive Schreiben. Die Ausnahme: „Und, wie lief‘s bei dir?“ Rachels Resümee: „Ich fand‘s super, ich würde es auch jederzeit wieder machen – kann es nur weiterempfehlen!“  In diesem Sinne dann: Vielen Dank an die unermüdlichen MitarbeiterInnen und TutorInnen des Schreibzentrums!

 

INFOS

Schreibzentrum und Schreibcafé:

Fünf Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und 14 SchreibtutorInnen begleiten Studierende, Promovierende, Lehrende und Forschende. Sie helfen gerne bei Fragen und Problemen zu Schreiben und wissenschaftlichen Texten. Im Schreibcafé stehen die Zeichen auf Schreiben und Austausch mit Gleichgesinnten – zusätzlich wird Peer-Beratung angeboten. Weitere Informationen: www.sz.ruhr-uni-bochum.de

Workshops und Lehrveranstaltungen:

Wie geht das nochmal mit dem Zitieren? Was ist eigentlich Citavi? Antworten auf diese und viele weitere Fragen in den Workshops oder den in Kooperation mit dem Optionalbereich stattfindenden Lehrveranstaltungen.

Gemeinsam Schreiben:

Events wie die Schreibnacht und die Schreibwoche bringen Schreiberlinge aller Fakultäten regelmäßig zusammen. Die nächste Schreibwoche findet statt vom 27. bis 31.  Juli, jeweils von 10 bis 16 Uhr. Gemeinsam schreiben, sich über das Schreibprojekt austauschen und motivieren geht sonst auch in den regelmäßig stattfindenden Schreibgruppen.

 

 

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