Rikscha-Sharing und Stromerzeugung per Drahtesel sollen Mobilitätskonzept abrunden
AStA erfindet das Rad neu
Darstellung: joop
Hier könnte schon bald der Strom für das Studierendenhaus produziert werden: Der AStA plant ein Pedalkraftwerk. Darstellung: joop
Hier könnte schon bald der Strom für das Studierendenhaus produziert werden: Der AStA plant ein Pedalkraftwerk.

Leihfahrräder, Car-Sharing, VRR-Verhandlungen – wenn es um die Mobilität der Studierenden geht, scheut der AStA der Ruhr-Uni Bochum weder Kosten noch Mühen. Der neueste Coup ist ein Verleihdienst für Fahrrad-Rikschas. Auch ein Pedalkraftwerk steht zur Debatte.

Es sind große Pläne, die der AStA dem Studierendenparlament in der letzten Sitzung vorlegte. Die Mobilität der Studierenden soll demnach einen zusätzlichen Schub erhalten: Es geht dabei um Fahrrad-Rikschas. Die Zusammenarbeit mit metropolradruhr sei eine Erfolgsgeschichte, heißt es auf dem ­AStA-Flur. Das Angebot werde stark genutzt, sodass die Leihräder zu Stoßzeiten gar nicht ausreichten. Dort wolle man ansetzen.

„Angebote ausbauen und gleichzeitig diversifizieren, das ist der Schlüssel eines modernen Mobilitätskonzepts“, sagt Jan Heinrich, AStA-Finanzer und auch aktiv im Referat für Infrastruktur und Ökologie. Er zitiert aus einer Werbebroschüre von RikShaReRuhr, pikanterweise ein mit metropolradruhr konkurrierendes Start-Up, das die Rikscha-Idee an den AStA herangetragen haben soll. Der AStA hält dies indes für unproblematisch. „Wir kooperieren schließlich auch mit einem anderen Car-Sharing-Partner als das Akafö. Konkurrenz belebt das Geschäft“, so Heinrich.

Ressourcenschonende Fahrrad­gemeinschaften

Obwohl die Bochumer Radwege laut ­RikShaReRuhr schon stark ausgelastet seien, führt das Unternehmen gerade das als Argument pro Rikscha ins Feld. „Auch mit dem Rad sind Fahrgemeinschaften einfach ökonomischer und ökologischer als der Individualverkehr“, so eine Sprecherin des Rikscha-Sharing-Anbieters. Ressourcenschonend sei­en die Rikschas besonders für die MitfahrerInnen auf dem Rücksitz. „Sie können sich natürlich abwechseln oder – vielleicht gegen ein kleines Trinkgeld – auch nur eine Person strampeln lassen.“

VielstramplerInnen sollten auf diese Weise aber nicht in Konkurrenz zu herkömmlichen Taxen treten, warnt der AStA. Mit der Uni werde derzeit überlegt, ob Studierende, die ihre KommilitonInnen häufig in den Rikschas herumkutschieren, anders honoriert werden könnten. „Eine Gutschreibung von Creditpoints ist denkbar, ebenso aber der Erwerb eines Zusatzzertifikats, das sie beruflich weiterqualifiziert, quasi als Vorstufe zum Taxischein“, erläutert Moritz Fastabend, der im Hochschulpolitik-Referat für den Optionalbereich zuständig ist.

Energetische Autarkie

Trotz des Projekts mit der Konkurrenz will der AStA auch die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Leihfahrrad-Partner vorantreiben; es ist nicht weniger als eine energiepolitische Revolution. So erörtert das StuPa derzeit Pläne für ein pedalbetriebenes Kraftwerk. Die metropolräder stünden schließlich während der Vorlesungszeiten viele Stunden ungenutzt herum, so die ­AStA-Vorlage.

„Natürlich müssten dafür die Verleihstationen umgerüstet werden“, so ein metropolradruhr-Sprecher. „Schließlich ist ein Fahrrad kein Heimtrainer.“ Noch erforsche das Unternehmen unterschiedliche Halterungen für die Leihräder. Diese sollten den Drahteseln die gleiche Stabilität wie ein Indoor Bike verleihen, zugleich aber eine verlustarme Stromabnahme gewährleisten. Um auch die Kosten gering zu halten, ist erst einmal eine Pilot-Station in Planung. Der AStA favorisiert dabei die überdachte Station vor dem KulturCafé.

„Wenn wir den Strom fürs Studierendenhaus selbst erzeugen, können wir Einiges an Kosten sparen“, rechnet AStA-Finanzreferent Heinrich vor. Die Mehrausgaben beim Semesterticket könnten so zum Teil ausgeglichen werden. „Davon profitieren alle Studierenden, ob sie nun selbst strampeln oder nicht.“ Der Sozialbeitrag erhöhe sich dann dank der Einsparungen nur geringfügig.

Während die Oppositionslisten noch skeptisch sind, hat der AStA im Hochschulsport schon potentielle Verbündete für das Projekt gewonnen. Dort hofft man auf Synergieeffekte im Fitnessbereich. „Im Kraftraum an der Markstraße haben wir momentan nur ein einziges Indoor Bike“, klagt Hochschulsportchefin Ines Lenze. „Wenn sich die Radstationen umrüsten ließen, könnten wir sogar Spinning-Kurse anbieten, was bisher leider unmöglich ist.“

:Johannes Opfermann