Die fünf wichtigsten Schwellenländer gründen eine eigene Bank
Another BRICS in the wall
Quelle: Flickr, GovernmentZA (CC-BY-ND v2.0)
Die BRICS-Köpfe: (von links) Wladimir Putin (Russland), Narendra Modi (Indien), Dilma Rousseff (Brasilien), Xi Jinping (China) und Jacob Zuma (Südafrika). Quelle: Flickr, GovernmentZA (CC-BY-ND v2.0)
Die BRICS-Köpfe: (von links) Wladimir Putin (Russland), Narendra Modi (Indien), Dilma Rousseff (Brasilien), Xi Jinping (China) und Jacob Zuma (Südafrika).

Die Fußball-WM, die neue Verschärfung des Nahost-Konflikts und die anhaltenden Unruhen in der Ukraine – in den letzten Wochen gab es einige Ereignisse, welche die Medienlandschaft dominierten. Dabei gerät zwangsläufig einiges in Vergessenheit. Umso überraschter reagierte die Welt, als vor einigen Tagen die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) verkündeten, ein Pendant zur Weltbank gründen zu wollen. Dabei war dieses Projekt im Vorfeld von langer Hand geplant worden.

Die Bilder der deutschen Nationalelf, die am Ende einer langen und von den Medien intensiv begleiteten Fußball-WM den Pokal in den Himmel über Rio de Janeiro reckte, gingen um die Welt. Was gleichzeitig im etwa 2500 Kilometer vom Maracana-Stadion entfernt liegenden Fortaleza passierte, fand in den Medien nur wenig Erwähnung. Die Regierungschefs der BRICS-Staaten trafen sich in Brasilien zum insgesamt sechsten Gipfeltreffen, bei dem die fünf Nationen, die im Fachjargon der WirtschaftsexpertInnen als die fünf wichtigsten „aufstrebenden Märkte“ bezeichnet werden (hierzu zählen meist Märkte, die über mehrere Jahre hinweg jährlich einen Konjunkturaufschwung von mehr als zwei Prozent zu verzeichnen haben) ihre wirtschaftliche Arbeit koordienieren. Gemeinsam stellen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika fast die Hälfte der Weltbevölkerung – etwa 3,5 Milliarden Menschen. Damit diese fünf Länder unabhängiger agieren können, gründen die BRICS-Staaten nun ihr eigenes Gegenstück zur Weltbank.

Neue Bank als Zeichen der Unabhängigkeit

Am 15. Juli, dem ersten Tag des BRICS-Gipfels in Fortaleza, gaben die Regierungschefs der fünf Staaten, Dilma Rousseff (Brasilien), Wladimir Putin (Russland), Narendra Modi (Indien), Xi Jinping (China) und Jacob Zuma (Südafrika), bekannt, dass das neue Geldinstitut mit dem Namen „Neue Entwicklungsbank“ seinen Sitz in Chinas Finanzmetropole Shanghai haben wird. Der erste Chef der neuen Bank soll hingegen einE InderIn werden, ein weiteres Hauptquartier der Bank soll in Südafrika errichtet werden. Dort war im vergangenen Jahr auf dem Gipfel der BRICS-Staaten die Gründung der Bank beschlossen worden. Wladimir Putin betonte explizit, dass die „Neue Entwicklungsbank“ ein Gegengewicht zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) darstellen soll.  Dabei soll die neue Bank ähnlich wie die Weltbank arbeiten. „Die Entwicklungsbank hat eine Struktur, die die Weltbank kopiert, sie ergänzt die Aktivitäten der Weltbank“, gibt Brasiliens Außenminister José Alfredo Lima in einer Erklärung seines Ministeriums zu. Seine Präsidentin Dilma Rousseff betont, dass eine solche Bank notwendig geworden sei, um den BRICS-Staaten „finanzielle Sicherheit zu gewährleisten“. Darüber hinaus soll die neue Bank auch dazu dienen, Projekte in den Schwellenländern, etwa zur Verbesserung der Infrastruktur, zu finanzieren. Dabei möchte man nicht mehr vom Dollar abhängig sein, betonte Vladimir Putin auf der Pressekonferenz des BRICS-Gipfels. „Unsere fünf Staaten gehören zu den größten der Welt und können sich in der Mitte des 21. Jahrhunderts nicht damit zufrieden geben, von irgendjemandem abhängig zu sein.“ Dennoch ist der Dollar die Hauptwährung der „Neuen Entwicklungsbank“: Mit einem Startkapital von 100 Milliarden Dollar soll die Bank ihren Betrieb aufnehmen. Knapp vierzig Prozent davon werden von China eingezahlt, die anderen vier Länder teilen sich den Rest. Die Finanzierung von Entwicklungsprojekten soll künftig auch anderen Ländern offen stehen, allerdings sollen die BRICS-Staaten auch in Zukunft einen Anteil von mindestens 55 Prozent an der Bank halten.

Kritik an bestehenden Institutionen

Scharfe Kritik von Seiten der BRICS-Staaten gab es auch für den Internationalen Währungsfonds (IWF), den Wladimir Putin vor allem als ein Machtinstrument der USA sieht. Unter den 188 Mitgliedsstaaten haben die USA mit 18,6 Prozent den größten Stimmanteil im IWF – und als einziger Staat ein Vetorecht bei Abstimmungen. Die BRICS-Staaten fühlen sich im IWF schon länger nicht mehr genügend repräsentiert, die jährlichen Gipfeltreffen der fünf Nationen fanden in den Medien bisher wenig Erwähnung, weshalb die Allianz ein Gesicht bekommen soll. Institutionelle Repräsentanz statt einmal jährlich stattfindender Treffen – die BRICS-Staaten wollen wahrgenommen werden.

Nach G8-Ausschluss: Russland orientiert sich neu

Vor allem Wladimir Putin, der mit seinen Aussagen über die Funktion der „Neuen Entwicklungsbank“ scharf gegen die USA schoss, kommt diese Bank sehr gelegen: Russland wurde im März 2014 wegen seines Verhaltens in der Krim-Krise die Mitgliedschaft in der Gruppe der G8, der acht größten Wirtschaftsnationen der Welt, entzogen, weshalb die russische Regierung sich wirtschaftlich stärker an China orientiert und mit der neuen Bank nun versucht, einen Gegenpol zur Weltbank und zum IWF aufzubauen.

Beim IWF wird die Nachricht von der neuen Allianz der Schwellenländer mit Besorgnis aufgenommen: In einer offiziellen Erklärung bot IWF-Chefin Christine Lagarde den BRICS-Staaten eine Kooperation an. Es wirkt fast wie ein Versuch, die Kontrolle über fünf der wichtigsten Schwellenländer wiederzuerlangen.

Datstellung: ck

Was sind BRICS-Staaten?

Als BRICS werden zusammengefasst die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bezeichnet. Bis zum Beitritt Südafrikas 2011 war die Gruppe entsprechend als BRIC bekannt.

Alle diese fünf Länder zeichnen sich durch ein besonders hohes Wirtschaftswachstum von jährlich etwa fünf bis zehn Prozent aus. Zum Vergleich: In der EU sind es rund zwei Prozent. Außerdem leben etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung in diesen Staaten, die Binnenmärkte expandieren. Zudem verfügen sie über viele natürliche Ressourcen wie Holz in Brasilien und Russland oder Bodenschätze in China. Daher koordinieren sie, ähnlich wie die G8, bei jährlichen Gipfeltreffen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das erste Treffen dieser Art fand 2009 im russischen Jekaterinburg statt, zuletzt während der FIFA-WM in Brasilien. Darüber hinaus sprechen sich die BRICS für eine Reform von internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank und dem IWF aus, die während ihrer schleppenden Vergabe von Krediten an Entwicklungsländer in die Kritik geraten sind.

Vergleichbare Organisationen

Nicht nur die BRICS-Staaten arbeiten länderübergreifend zusammen, um wirtschaftliche Verbesserungen in den Mitgliedsländern zu erzielen.  Im südostasiatischen Raum existiert etwa die ASEAN (Association of South East Asian Nations), der zehn Länder, unter anderem Thailand, Laos und Malaysia angehören. Diese Organisation wurde bereits 1967 gegründet und widmet sich nicht nur wirtschaftlichen Fragen, sondern auch Fragen der politischen Stabilität und kulturellen Zusammenarbeit. Dabei ist die EU das Vorbild. In Amerika dagegen wurde mit der NAFTA („North American Free Trade Agreement“) ein Wirtschaftsverband gegründet, dem die USA, Kanada und Mexiko angehören. Mit diesem zwischenstaatlichen Vertrag wurde zwischen den drei Ländern eine Freihandelszone geschaffen. Eine solche existiert auch in Afrika unter dem Namen Gemeinsamer Markt für das östliche und südliche Afrika. Mittlerweile gehören ihr 20 Staaten an. Unter dem Namen MERCOSUR (Abkürzung für Mercado Común del Sur, gemeinsamer Markt des Südens) haben sich Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezula zusammengeschlossen, um gemeinsam im südamerikanischen
 Raum einen Binnenmarkt zu errichten.

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