Kommentar: RUB bekennt Farbe fehlen die Studis
Am Ende kommen die Hippies

Hat Woody Allen doch Recht? In „Manhattan“ geht es in einer fellinesken Szene um Nazi-Umtriebe in der Stadt. Neulich habe es eine beißende Satire darüber in der Times gegeben, so sein Gegenüber. Der Neurotiker erwidert: „Eine Satire darüber ist gut, aber Knüppel und Baseball-Schläger sind eindeutig besser.“

Quasi umgekehrt verhielt es sich an der Ruhr-Uni. Die Keilerei zwischen Autonomen und einem Juraprofessor polarisierte die Studierendenschaft darüber, wie man mit der Anwesenheit des (an der Uni braven) Nazis Michael Brück umgehen soll. Zu einseitig reagierte daraufhin die Uni-Leitung: Die LinksextremistInnen wurden mit den Nazis gleichgesetzt, eine differenzierte Betrachtung blieb aus. Stattdessen nahmen Rektorat und Uni-Verwaltung in Absprache mit StudierendenvertreterInnen die Sache selbst in der Hand: Mit der Kampagne „RUB bekennt Farbe“ sollte Brück zwar nicht rausgeworfen werden, dafür aber ein Bewusstsein für (Rechts-)Extremismus an der Uni geschaffen werden. Statt von Studierenden wurden zu stark von oben Veranstaltungen initiiert, mit Begriffen wie Vielfalt und Offenheit gespielt – nach dem Motto: Ich sehe was, was Du nicht siehst, lieber Nazi, und das ist bunt. So kann Entnazifizierung in den Hörsälen laufen. Allerdings blieb die Wirkung aus: Meist war die TeilnehmerInnenzahl Studierender erschreckend gering. Das hat viele Ursachen: Die Veranstaltungen finden zu ungünstigen Zeiten statt. Wenn die Uni-Leitung es ernst mit einem Diskurs gemeint hat, hätte sie dann nicht für die „RUB-bekennt-Farbe“-Termine Befreiungen von der Anwesenheitspflicht aussprechen können, um genug Studierende zu den Veranstaltungen zu locken? Das Projekt steht auf der Kippe; ohne Beteiligung der Gruppen, die man als linksextremistisch ausgegrenzt hat, wird man die Studierenden nicht erreichen. Nun werden jedoch  kreative Maßnahmen gefordert. Aber keine Satiren. Wandmalereien, Luftballons und lustige T-Shirts sollen her. Damit schlägt die Stunde der Hippies. Nicht dass sie im Dezember wieder im Schatten der bösen Weihnachtsmänner stehen.