Das Flüchtlingsprojekt Mini Decki verteilt selbstgenähte Decken
Am Ende ein Kinderlächeln
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So macht man auch Kinder in der Schule glücklich: Nach der Verteilaktion der Decken waren alle restlos zufrieden. Foto: bent
So macht man auch Kinder in der Schule glücklich: Nach der Verteilaktion der Decken waren alle restlos zufrieden.

Geborgenheit verschenken: Beim ehrenamtlichen Projekt Mini Decki werden Decken für Flüchtlingskinder genäht und verteilt. Wir waren bei der ersten Verteilaktion in Bochum-Langendreer und sprachen mit Claudia und Lina, die sich dafür engagieren.

Ein Kind scheint Claudia vergessen zu haben, als es im Türrahmen vor ihr steht. „Du hast doch schon eine Decke bekommen. Oder nicht?“, fragt Claudia. Nur leise und schüchtern antwortet das Mädchen. Es ist eng und laut – so viel Begeisterung herrscht hier, wo man sonst Hausaufgabenbetreuung betreibt, eigentlich nie. Um sie zu verstehen, beugt sich Claudia nach vorne: „Eine Puppe willst Du noch? Um sie darin zudecken zu können, nicht?“ Das Mädchen nickt. Dann bekommt sie die Puppe und strahlt vor Freude.

Nicht nur für die gelernte Sozialpädagogin sind diese glücklichen Kinderaugen die größte Bestätigung ihrer Verteilaktion – auch wenn es in den Räumlichkeiten in Langendreer, wo sonst Flüchtlingskinder für die Schule büffeln, noch viel Gedränge gibt. „Ich habe es so chaotisch erwartet“, gesteht sie, „Nachher, wenn wir gehen, haben aber hoffentlich alle eine Decke.“

Die Verteilaktion von selbst genähten Decken und Puppen für Flüchtlingskinder hat die Bochumerin selbst initiiert, als sie von der Idee aus der Schweiz hörte. „Ich kann eigentlich nicht nähen und dachte, tolle Aktion, aber da kannst du nicht helfen. Ich kann aber gut organisieren.“ Mittlerweile helfen um die 50 Menschen: „Es nähen Jugendliche mit, aber auch Frauen, die 80 sind“, so Claudia. Viele fertigen die Decken zu Hause an, gelegentlich gibt es aber auch Treffen zum gemeinsamen Produzieren.

Symbol für Geborgenheit

Auch die Studentin Lina Nagel war schnell an dem Projekt interessiert. „Es war schon so, dass ich mir gedacht habe, man müsse da was für Flüchtlinge machen. Was dahinter steckt, ist ja nicht nur die Idee, nicht nur Decken, sondern auch Geborgenheit zu geben.“ Zusammen mit ihrer Mutter hat sie dann auch die ersten Decken genäht. So tragen sie auch an diesem Abend ein paar volle Säcke  in die Schule in Langendreer.

Da ist der Unterricht gerade vorbei, und als sie sich durch die engen Flure drängen, kommen ihnen die ersten neugierigen Kinderaugen entgegen. Für Lina, die in Witten Ethik und Organisation studiert, der vielleicht schönste Moment ihres Engagements: „Das Verteilen ist die coolste Sache dabei, weil es einfach so schön ist, wenn sich die Kinder so freuen.“

Auch für Claudia geht es dabei um mehr als nur ums Verteilen: „Die Decke an sich hat ja auch eine Bedeutung – man kann sich zurückziehen, zudecken, bekommt damit Wärme – es setzt ein Zeichen.“ Mit der ersten Verteilaktion ist sie daher am Ende auch restlos zufrieden. An diesem Dezemberabend haben nun alle eine Decke bekommen – genauso auch eine Puppe. Im neuen Jahr geht es gleich weiter. Etliche Decken seien noch bei ihr im Keller gelagert.

:Benjamin Trilling

Infobox

JedeR kann sich an dem Projekt beteiligen – sei es durch Unterstützung durch Nähen und Verteilen oder durch Spenden. Denn finanziert wird alles durch Geld- und Sachspenden.

Weitere Informationen unter: info@minidecki.de