Zwischen den Fronten
Am Ende der Seidenstraße
Bild: lewy
Trafen RUB und Duisburg-Essen aus heiterem Himmel: chinesische Sanktionen.

Kommentar. China wehrt sich gegen EU-Sanktionen und trifft dabei unter anderem die Unis in Bochum, Duisburg und Essen.

China hat die EU und damit auch Deutschland mit Sanktionen belegt. Das Geschrei war zumindest in den ersten Tagen groß, gerade auch hier im Ruhrgebiet, wo es gute Kontakte zur Volksrepublik gibt. So endet mit dem Trans-Eurasia-Express die Neue Seidenstraße in Duisburg und die Pläne von Schwarz-Gelb 2017 bis 2019, in NRW die Studiengebühren wieder einzuführen, sollen nicht zuletzt mit Blick auf die vielen an der Uni Duisburg-Essen eingeschriebenen Chines:innen gekippt worden sein. Nun aber hat Beijing ausgerechnet auch die Ruhrunis Bochum und Duisburg-Essen sowie das von der Essener Stiftung Mercator finanzierte Mercator Institute for China Studies (MERICS) mit sanktioniert. Das MERICS gilt als größter europäischer Think Tank in Bezug auf China und richtet unter anderem mit dem Verteidigungsministerium die „Trierer China-Gespräche“ aus. Zudem besteht eine Partnerschaft zu den Ostasien-Fakultäten der beiden Ruhrgebietsuniversitäten, womit sich der Kreis schließt.
Den Sanktionen Chinas gingen solche der EU gegen China voraus. China reagiert hart, weil es mit neuem Selbstbewusstsein agiert. Das bevölkerungsreichste Land der Welt schreitet nach über 150 Jahren Kolonialismus und Rückständigkeit stolz voran, vor allem technologisch, und tritt auf der Weltbühne mit neuer, zunehmender Selbstsicherheit auf, die im Westen bewundert und zugleich gefürchtet wird. Dazu gehört mittlerweile auch, dass Sanktionen des Westens mehrfach vergolten werden. So jammern FAZ und WAZ, dass die Sanktionsliste Chinas dreimal so lang sei wie die der EU. Zudem treffe es Institutionen, die gar nicht „überkritisch“ seien. Zugleich heißt es, China wolle damit kritische Stimmen mundtot machen … Es bleibt die Feststellung, dass Sanktionen oft nicht fair sind. Vielen Friedensforscher:innen gelten sie als Auftakt zum Krieg. Häufig treffen sie zudem Unschuldige. Wer im Iran im letzten Jahr an Corona erkrankt ist und keine medizinische Behandlung erhalten hat, kann ein Liedchen davon singen. Genauso wie die Menschen in Venezuela oder Kuba. Oder die 250.000 Kinder im Irak, die in den Neunzigerjahren durch UNO-Sanktionen in den Hunger- und Krankheitstod getrieben wurden.

:Leon Wystrychowski