Prügeleien und innere Zerrissenheit
Alternative für Niemand

Politik. Vor ein paar Wochen soll es zu einer Schlägerei auf einer Wahlversammlung in Herne gekommen sein. Was wie nur eine von vielen Streitereien in der AfD wirkt, zeigt auch die aktuelle Zerrissenheit innerhalb dieser Partei.

Ein Video kursiert auf Twitter, wie sich zwei ältere weiße Männer in Anzügen schubsen, bis einer von ihnen auf den Boden fällt. Wirklich verletzt scheint niemand zu sein, bis auf das eigene Ego. Immer häufiger kommen solche Schlagzeilen von einer Partei, die sich sonst immer als eine Einheit gegen das geläufige System inszeniert. Doch seit einiger Zeit bröckelt das Bild. Nicht nur die Reaktionen auf die derzeitige Pandemie sind im besten Fall unangemessen oder grenzen an Verschwörungstheorien. Durch die Auflösung des so genannten „rechten Flügels“ versuchte sich die Parteiführung von ihren rechtsextremen Mitgliedern zu trennen, was jedoch nicht ganz so gut funktionierte wie erwartet. Andreas Kalbitz wurde von der Partei zwar ausgeschlossen, ohne Kampfansage verlief dies aber nicht. Es wird von Verrat gesprochen. Björn Höcke möchte den Kampf gegen die Parteispitze aufnehmen, die selbst Kalbitz nur mit einer knappen Mehrheit rauswählte. Auch die Mitglieder, die sich um diesen Politiker scharen, bestehen weiterhin und sind Mitglieder einer rechtsextremen Gruppierung – zumindest unterstützten sie eine Person, die offiziell als rechtsextrem eingestuft wurde. Die AfD bleibt also rechts. Die Versuche der Mäßigung, um neue Wählerschaften zu organisieren scheitern und das Problem unangebrachter Einzelaussagen von Mitgliedern, füttern verschiedenste Kontroversen. 

Die Auseinandersetzungen im Großen ziehen sich auch ins Kleine. Der einzige rote Faden der Partei scheint nach rechts zu verlaufen und selbst da wirkt sie uneinig. Ob nun gemäßigt rechts oder rechtsextrem, die Unterschiede sind kaum bemerkbar und äußern sich in unangebrachten Kabalen aber auch Schlägereien. Was für viele wie ein wirres Tohuwabohu erscheint, lässt sich auf einen inneren machtpolitischen Kampf rechter Stränge zurückführen. Eine Partei, die das Tabu rechten Gedankenguts in Deutschland brach und nun versucht Fuß zu fassen. Dass das in keiner Weise witzig, sondern im besten Fall nur besorgniserregend im schlimmsten Fall gefährlich für demokratische Kräfte ist, sollte selbstverständlich sein. So kann ein Video einer Schlägerei auf einer Wahlveranstaltung der AfD für viele belustigend wirken, jedoch sollte man nie vergessen, welche symbolischen Kräfte zurzeit innerhalb der Partei gegeneinander kämpfen. Auch sollte man nicht vergessen, dass die AfD lange nicht mehr nur eine Randerscheinung steigender Politikverdrossenheit ist und somit ein Kampf rechter Kräfte innerhalb der Partei auch die weitere Verharmlosung rechten Gedankenguts bedeutet.

Wie es mit der AfD in Zukunft weitergehen wird sollte also weiterhin genau beobachtet werden. Wer denkt, dass der Ausschluss einzelner Personen aus der Partei dazu führen wird, dass ein generelles Problem mit rechtsextremem Gedankengut innerhalb der Partei dadurch gelöst wird, liegt falsch. Die Streitereien auf kleiner Ebene geben einen Einblick in den immer größer werdenden Konflikt, der mit dieser Partei einhergeht. So ist es auch zweifelhaft Videos von sich schubsenden Parteimitgliedern als Witz zu verharmlosen, sondern vielmehr sollte man der Ursache solcher Konflikte nachgehen und überlegen wie groß die rechte Szene innerhalb der AfD tatsächlich ist.

:Gerit Höller