„Ich war Hitlerjunge Salomon“: Zeitzeuge Sally Perel berichtet an der RUB
Als Jude unter Nazis
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Mahnende Worte an die Jugend: Sally Perel erzählt von seinem Leben und warnt vor einer Wiederholung der Geschichte.	Foto: ksz
Mahnende Worte an die Jugend: Sally Perel erzählt von seinem Leben und warnt vor einer Wiederholung der Geschichte.
„Ihr seid jetzt auch Zeitzeugen“, ruft Sally Perel und wirkt dabei ernst. Indem er seine Geschichte erzählt, will er aufklären, warnen, vorbeugen. „Nun seid ihr gewappnet“, sagt der 91-Jährige am vergangenen Montag im HZO zu hunderten Studierenden. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt.
 
Der israelische Autor ist 14 Jahre alt, als der zweite Weltkrieg ausbricht. Schon früh war ihm die Gefahr klar, in der er sich als Jude in Deutschland befindet. Als er von seinen Eltern getrennt wird, ruft seine Mutter ihm zu: „Du sollst leben!“. Er erkennt darin einen Befehl und tut alles, um diesen zu erfüllen. So wird er Teil der national-sozialistischen Bewegung. Als Mitglied der Hitlerjugend erlebt er Propaganda und Radikalisierung hautnah. Mit Stolz habe er die Hakenkreuze an seiner Uniform getragen. „Ich habe mich nicht als Hitlerjunge verkleidet. Ich war einer“, stellt er fest. Und schafft es so, seinen Glauben über viele Jahre zu verbergen. Er überlebte während seine Eltern in den Warschauer Ghettos starben. 
 
1990 schreibt er seine bewegende Geschichte in einem Buch nieder. „Ich war Hitlerjunge Salomon“ wird verfilmt und weltbekannt. Seit Jahren reist Perel durch die Welt und berichtet. Von furchtbaren Erfahrungen, persönlichen Schicksalsschlägen und davon, wie er es schaffte den letzten Wunsch seiner Mutter zu erfüllen. 

Mahnende Worte

„Solange mich Menschen fragen, werde ich darüber berichten“, erklärt der Autor. Und sie fragen. „Oft“, so schildert Perel, „spreche er vor SchülerInnen und StudentInnen. Meine Worte kommen von Herzen und landen hoffentlich bei denen, die von der braunen Szene abgefangen wurden“, erklärt er seine Motivation. Denn gerade die Jugend sei leicht beeinflussbar und formbar, das habe er selbst erlebt. „Ich als ehemaliger Hitlerjunge behaupte hier: wir wurden zum Hass erzogen.“ Immer wieder sagt er das, sodass es sich den ZuhörerInnen   einprägt. Man müsse aus der Geschichte lernen, um zu wissen, wie man sich in der Gegenwart richtig verhält.

Gebanntes Publikum

Man muss den Film nicht gesehen haben, das Buch nicht kennen. Wer Sally Perel auch nur ein paar Minuten lang zuhört, bekommt eine Vorstellungen von dem, was er erlebt hat. Vermutlich ist dies der Grund, weshalb der ehemalige Hitlerjunge auch heute noch Säle füllt und Menschen zum Zuhören bewegt. Lange hören die Studierende auch an der RUB zu. Es gibt Momente, in denen in ihren Gesichtern Entsetzen zu lesen ist. Natürlich wisse man aus den Büchern, wozu das Nazi-Regime einst führte. Einzelschicksale lernt man aber im Geschichtskurs seltener kennen. Und noch viel seltener wird man von dem Erzähler mit an die Front genommen. 
 
Nach derselben Zeit, die jedeR ProfessorIn für gewöhnlich mit sturem Vortrag verbringt, erwachten die ZuhörerInnen am Montag aus einer Art Reise in die Vergangenheit, aus einer Spannung, die Vorlesungen nicht hervorzurufen vermögen. Es folgte ein tosender Applaus, aus dem schließlich minutenlange stehende Ovationen wurden. Den erhielt Perel für eine gelungene Veranstaltung einerseits. Andererseits aber auch als Anerkennung für seinen Mut damals, sein Engagement heute und seine Tapferkeit, uns davon zu erzählen.   
 
:Katrin Skaznik
 
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