Interkultureller Trainer
Alles außer Kellnern: Die :bsz-Studijob-Reihe: Auf nach Japan
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Felix Mohr: Der 27-jährige erlebt so einiges als interkultureller Trainer. Foto: kac
Felix Mohr: Der 27-jährige erlebt so einiges als interkultureller Trainer.

Andere Länder, andere Sitten – das heißt, dass sich Menschen vielleicht vorbereiten sollten, wenn sie einen längeren Aufenthalt in einem fernen Land planen. Dies tat auch der 27-jährige Felix Mohr, der Wirtschaft und Politik Ostasiens an der RUB studiert.

Schon während seiner Schulzeit ist Felix viel gereist, unter anderem nahm er auch an einem Austausch nach Frankreich und nach Japan teil. Nach dem Abitur hat Felix erst mal die Ferne gesucht. So entschied er sich dazu seinen Zivildienst in Japan zu absolvieren und war ein ganzes Jahr auf der anderen Hälfte der Erdkugel.

Als er zurück in Deutschland war, wurde er wenig später gefragt, ob er nicht Lust hätte, auch als Interkultureller Trainer zu arbeiten. Dort könne Felix neue KandidatInnen auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten. „Da sagte ich natürlich nicht Nein“, erzählt der 27-jährige.

Was sind Deine Aufgaben?

Felix bereitet mit den anderen TrainerInnen Personen für ihre interkulturellen Begegnungen vor, egal ob für das In- oder Ausland. „Ich bin spezialisiert in der Vorbereitung junger Menschen, die ein FSJ in Japan machen“, erklärt er. Dabei werden die TeilnehmerInnen für ihre eigene Kultur de- und für die japanische sensibilisiert. „Meine Philosophie ist es, dass die Personen sich nicht wie Roboter verhalten und sich klischeebedingt bewegen.“ Des Weiteren möchte Felix das Zielland so zeigen, wie es wirklich ist und nicht, wie es die TeilnehmerInnen sehen.

Näher gebracht wird in dem Vorbereitungskurs unter anderem die Popkultur; Musik, Comics und TV werden breit thematisiert. Mit dem Eisberg-Modell werden den TeilnehmerInnen Stereotype gezeig.

Um diese Verhaltensregeln zu verstehen und zu lernen, wie man sich in Konfliktsituationen verhalten soll, veranstalten die TrainerInnen Rollenspiele. „Die Leute sollen nicht gleich einen Kulturschock bekommen. Die kommen im September an und sollen ein ganzes Jahr dort bleiben. Am schwierigsten ist es für die Teilnehmer, die Weihnachtszeit zu überstehen“, erklärt der 27-jährige. 

Im März gibt es dann einen Zwischenkurs in Hiroshima; dort treffen die TeilnehmerInnen ihre TrainerInnen und auch Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, die die Atombombe überlebt haben. Hiroshima fungiert als Bindeglied zwischen Deutschland und Japan.

Am Ende des Austauschjahres gibt es, wieder in Deutschland, ein Endseminar in welchen TeilnehmerInnen wieder auf das Leben in ihrer Heimat vorbereitet werden.

Ist Dir etwas Außergewöhnliches passiert?

2011 war Felix wieder bei einem Zwischenseminar. Mit den TeilnehmerInnen war er auf dem Weg zu einer Tempelinsel in der Nähe von Hiroshima. Andauernd erhielten  er und seine Mitreisenden Nachrichten per Handy, ob es ihnen gut ginge. Grund: Die am 11. März 2011 geschehene Nuklearkatastrophe in Fukushima, von der die Reisenden noch nichts mitbekommen haben. „Wir waren alle entgeistert, als wir das erfuhren. Alle wurden panisch. Wir Trainer mussten entscheiden, wie wir weitermachen“, erinnert sich Felix. Sie beschlossen gemeinsam schnell nach Deutschland zurück fliegen.

 

:Katharina Cygan