Alternativen zur U35 sollen den ÖPNV effizienter machen
Alle Wege führen zur RUB
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Trägt die Hauptlast der RUB-Studierenden: Die berühmt-berüchtigte Linie U35. Foto: koi
Trägt die Hauptlast der RUB-Studierenden: Die berühmt-berüchtigte Linie U35.

In Zeiten doppelter Abiturjahrgänge und allgemein steigender Studierendenzahlen werden nicht nur Universitätsverwaltung, Hörsäle und Immobilienmarkt auf Kapazitätsproben gestellt: Auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) stellt sich auf zusätzliche Belastungen ein. Um der Entwicklung entgegenzusteuern, hat die Bogestra (Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG) als lokaler Anbieter des ÖPNV jetzt einen Sonderfahrplan herausgegeben. Dieser soll die NutzerInnen von U35 und Co auf mögliche Alternativen auf weniger beanspruchten Strecken hinweisen. Insgesamt umfasst das Kompendium der Linien, die an der RUB halten, neben der berühmtberüchtigten U35 neun Busstrecken.

Die meisten Studierenden und auch einige RUB-MitarbeiterInnen nutzen zur Anfahrt die seit 2011 so genannte „Campus-Linie“ U35. Unter den täglich 85.000 Fahrgästen machen die Studis einen hohen Anteil aus. Zwar wohnen auch „hinter der Uni“, also nahe der Haltestellen Lennershof und Hustadt, noch Studierende und UnimitarbeiterInnen – die überwiegende Masse der U35-FahrerInnen kommt aber aus Richtung Bochum Hauptbahnhof bzw. Zentrum in Richtung RUB. Die Linie startet am Herner „Schloss Strünkede“ nahe den Stadtgrenzen Recklinghausens und Hertens und ist damit das Fortbewegungsmittel der Wahl für die meisten Studierenden aus diesen drei Städten. Der Kreis Recklinghausen ist der bevölkerungsreichste Landkreis Deutschlands. Dennoch gibt es im ganzen Kreis keine Uni, weswegen sich viele Studis, die zu Hause wohnen bleiben wollen, für die RUB entscheiden. Wer aus – von der RUB gesehen – eher abgelegenen kreisangehörigen Städten wie Waltrop, Oer-Erkenschwick und Datteln pendelt, muss zwar teilweise Transit über Castrop- Rauxel oder Dortmund in Kauf nehmen, endet aber auf der verlässlich mehr als einstündigen Fahrt nahezu unweigerlich irgendwann und irgendwo wieder in der U35 – sehr wahrscheinlich am Herner Bahnhof, der ebenfalls auf der Strecke liegt. Diese Studierenden sind also ein wichtiger Teil der Gruppe, für die alle anderen auf Busse ausweichen sollen. Wer früh einsteigt, hat bessere Chancen auf einen Sitzplatz – diese Binsenweisheit wirkt spätestens am Bochumer Hauptbahnhof, der Ankommende unter anderem aus Dortmund und Wuppertal in die U35 transferiert, gar nicht mehr so abgeschmackt. Studierende aus der Recklinghäuser Diaspora werden so für ihren langen Anfahrtsweg mit tendenziell mehr als einem Umstieg ein wenig entschädigt.

Sitzplatzmangel und Verzögerungen

Schon lange sind findige Studis aus den zentraleren Teilen Bochums auf die Idee gekommen, eine oder mehrere Stationen entgegen der Zielrichtung zu fahren, um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Bereits vor dem Eintritt der doppelten Abiturjahrgänge war der Erfolg dieses Tricks aber zumindest an der Haltestelle Bochum Rathaus, eine Fahrtminute bzw. Haltestelle vorm Bahnhof, sehr ungewiss. Vielleicht werden verdutzte RecklinghäuserInnen bald stehfaule Bochum-Mitte-Studis schon am Herner Schloss Strünkede zur gemeinsamen, planmäßig 25-minütigen Fahrt antreffen. Ein schwacher Trost: Auch aus einigen Teilen Bochums ist die Anfahrt nicht kürzer.

Zusätzlich zum befürchteten Ansturm ist mittelfristig weiterhin mit „Verzögerungen im Betriebsablauf “ zu rechnen: Derzeit wird aus Bahnhofsrichtung kommend vor der RUB eine neue U35-Haltestelle gebaut. In Zukunft soll der Stopp „Gesundheitscampus“ eben jenen, ebenfalls im Bau befindlichen und etwas abgelegenen Komplex an den Rest des Universitätsgeländes und das restliche ÖPNV-Netz anbinden. Wie die Versorgung mit Bussen strukturiert wird und ob auch hier zusätzliche Kapazitäten notwendig sind, ist im Sonderfahrplan noch nicht aufgeführt. Stattdessen finden sich dort aber detaillierte Informationen zu den neun RUB-relevanten Buslinien. Aus diesen geht hervor, dass unter anderem die Bahnhöfe in Witten und Bochum-Langendreer echte Knotenpunkte sind.

Direkt – aber nicht immer

Wer zum Beispiel aus Hagen kommt, kann vom Wittener Hauptbahnhof an aus drei Busverbindungen wählen. Natürlich gilt das auch für WittenerInnen und andere, die nahe genug an der Haltestelle wohnen. Ebenfalls aus drei Verbindungen kann wählen, wer am Bahnhof Langendreer ein- oder umsteigt. Oftmals sind die NutzerInnen des Angebots RUB-Studierende aus Dortmund, die sich so den Umstieg in die U35 am Bochumer Hauptbahnhof ersparen. Aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit hat die Bogestra gelobt, die Anschlusssicherheit durch technische Systeme und geschicktere Fahrplanung zu verbessern.

Doch es muss ja ohnehin nicht immer ein Umstieg sein: Wuppertaler FrühaufsteherInnen können sich sogar vom dortigen Hauptbahnhof per Direktbus bis fast in den Hörsaal kutschieren lassen – los geht’s allerdings nur um 6.29 Uhr. Wer aus dem an der Bochumer Stadtgrenze gelegenen Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund anreist, kann sich in der Linie 370 sogar über eine Direktverbindung zum Campus freuen. Wegkommen ist allerdings schwieriger: Wer Seminare oder (zu dieser Zeit durchaus übliche) Kolloquien belegt, die nach 19.03 Uhr enden, muss sich nach einer anderen Verbindung umsehen. Um diese Uhrzeit schlängelt sich der letzte Bus der Linie durch die Schranke unter dem westlichen Teil des Verwaltungskomplexes, der neben der :bsz-Redaktion unter anderem das Kulturcafé beherbergt. Apropos: Wer vorhat, mit dem Bus zur Uni und von dort wieder zurück oder woandershin zu fahren, sollte sich vorher mit den Standorten der Haltestellen vertraut machen. Neben der erwähnten campusinternen Station verkehren die Busse auch auf dem Straßenlevel des Unicenters.

Zu guter Letzt sollen natürlich nicht nur die ÖPNV-Alternativen, sondern auch die Alternativen zum ÖPNV nicht unerwähnt bleiben: Während selbst zusätzliche Parkplätze der jährlich wachsenden Blechlawine in den Katakomben des Campus wohl eher nicht Herr werden dürften, drängen sich für campusnah wohnende Studierende und MitarbeiterInnen der RUB zwei umweltschonende Alternativen nahezu auf: Zum einen ist die Uni von einigen Domizilen bequem fußläufig, von noch mehr trotz gewissen Längen und Steigungen auf der Strecke aber durchaus mit dem Rad zu bewältigen. Wie auch immer man aber an der Uni ankommt: Eine Patentlösung für volle Seminare und Hörsäle haben bisher weder die Bogestra noch die Universitätsverwaltung präsentieren können.