HIV-Prophylaxe in Tablettenform
Adiós und Tschau zu HIV?
Symbolbild: ken
Einmal snacken, alles safe? PrEP ersetzt kein Kondom! Symbolbild: ken
Einmal snacken, alles safe? PrEP ersetzt kein Kondom!

Pharmazeutik. In Deutschland startet Ende des Monats ein Projekt, das Tabletten, die das Risiko einer HIV-Infektionen senken, deutlich günstiger anbietet als bisher. PrEP – Prä-Expositions-Prophylaxe – kann ein Weg sein, um Neuinfektionen mit HI-Viren zu verhindern.

Truvada heißt die kleine Pille, mit der vor einer Infektion mit HIV geschützt werden kann. Bis 2005 wurde das Medikament eingesetzt, um die Ausbreitung der HI-Viren im Körper einzudämmen. Seit 2016 ist das Präparat auch für die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) zugelassen. Das heißt, es kann auch ohne vorliegende Infektion eingenommen werden, um einer Erkrankung vorzubeugen. 

Anfang August dieses Jahres lief das Patent für das Kombinationspräparat bestehend aus Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin aus. Nun darf die Wirkstoffkombination als Generikum angeboten werden. Der Preis ist dadurch gesunken, von 820 auf 600 Euro monatlich. Dennoch ein ziemlich hoher Preis, wenn man bedenkt, dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. 

Jetzt wagen einige wenige Apotheken in Deutschland den preislichen Schritt in den zweistelligen Bereich. In sieben Apotheken (darunter Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin) soll das PrEP von Hexal zu 51 Euro für 28 Tabletten verkauft werden. Der Kölner Apotheker Erik Tenberken gab dies auf der Jahrestagung der niedergelassenen HIV-Schwerpunktärzte in Deutschland bekannt.

Trickserei für die Gesundheit

Möglich gemacht wird der Preissprung durch einen kleinen Trick. Tenberken will das Medikament zum Vorzugspreis vom Generikahersteller Hexal kaufen und in Blister umverpacken. Dadurch entsteht ein Präparat, dass zur Prophylaxe zugelassen ist. Der Verkauf für das Therapiemedikament bleibt davon aber unberührt. So wird die drastische Preissenkung möglich.

Durch den niedrigeren Preis sollen die Neuinfektionen sinken. Auf der Jahrestagung wurde ebenfalls eine Studie vorgestellt, laut der diese um rund 9.000 sinken könnten (bis 2030). KritikerInnen befürchten, dass durch die PrEP mehr Infektionen aufkommen könnten, da womöglich auf andere Wege, sich vor Krankheiten zu schützen, verzichtet wird.

Im Juni dieses Jahres wurden PrEPs in einigen Wirkstoffkombinationen von der Weltgesundheitsorganisation WHO in die Liste der „Unentbehrlichen Medikamente“ aufgenommen.

HIV – die „Schwulenkrankheit“?

In Deutschland lebten Ende 2015 fast 85.000 Menschen mit HIV. Eine Infektion mit der Erkrankung ist grundsätzlich für jedeN möglich. Nach einer Studie des Robert Koch Institutes sind die größte Risikogruppe Männer, die Sex mit Männern haben, (zusammengefasst als MSM) mit einem Infektionsrisiko von 69 Prozent. Die zweitwahrscheinlichste Gefahr für Männer, sich anzustecken sind danach die intravenösen Drogenkonsumenten (IVD), die sich über das Teilen von Nadeln infizieren können. Bei heterosexuellen Frauen ist das Infektionsrisiko am höchsten (45 Prozent), ebenfalls gefolgt von den IVD. Männer zwischen 20 und 29 und Frauen zwischen 30 und 39 infizieren sich am häufigsten. Die Zahl der HIV-Infektionen ist seit 2006 weitestgehend stabil. Der neue Bericht des Robert Koch Institutes für das Jahr 2016 soll diesen Herbst veröffentlicht werden. 

Mehr Infos zu HIV und AIDS findet Ihr auf aidshilfe-bochum.de

:Kendra Smielowski