2 Jahre nach George Floyd
Acht Minuten sechsundvierzig
Bild: bena
Schwarze Kacheln: Das Symbobild für perfomativen Aktivismus.

2 Jahre und rund 1300 Ermordungen der Polizei später und alles scheint wie vor 2 Jahren. Ja wir wirken woker, aber ist das wirklich so? George Floyds Tod war eine Art Weckruf für den weltweiten systematischen Rassismus gegenüber Schwarzen, aber hat sich die Welt wirklich geändert? Sind wir nun im Levelendgame der Wokeness angekommen? Ich meine entschlossen: Nein!

Na, wisst ihr noch, warum ihr ‘ne schwarze Kachel in eurem Instagram-Profil habt? Ja, genau performative activism. Anders lässt es sich nicht erklären, warum in kürzester Zeit weiße Männer gezielt Attentate auf Schwarze und People of Color geplant oder wie in Bufallo auch brutal durchgeführt haben.
Ja, ich weiß - einige denken sich jetzt, aber es hat sich doch viel verändert, vor allem in Deutschland. Wir haben doch alle das Buch von Alice Hasters gelesen und Tupoka Ogette gefeiert. Beim Eurovision Song Contest ist doch sogar ein halb ,,Schwarzer“ aufgetreten. Ich freue mich immer wieder sagen zu können performative woke zu sein bringt nichts, wenn man nur an der Oberfläche kratzt. Vielleicht fragt ihr euch auch, warum ich nicht über die USA schreibe, wenn ich das tun würde, müsste ich rund 1300 Schwarze Menschen aufzählen, die allein durch Polizeigewalt getötet wurden. Die Dunkelziffer dieser Statistik soll noch höher sein. Aber ich bleibe in Deutschland, weil Anti-Schwarzer-Rassismus auch ein „We-Problem“ ist, dass wir gerne in die USA schieben. Der Afrozensus zeigte uns, auf wie vielen Ebenen Schwarzes Leben in Deutschland, diskriminiert und eingeschränkt wird. Ich behaupte kühn, dass vielen Menschen bis zu den Black Lives Matter Protesten gar nicht klar war, wie viel Schwarzes Leben in Deutschland überhaupt präsent ist. Na ja, mittlerweile haben wir in Film und Fernsehen mindestens einToken, das zeigt, ja Deutschland ist auch Schwarz. Aber ist das wirklich so? Viele Schwarze Menschen, die wir in den Medien sehen sind Light-Skinned oder Mixed. Eben der kleinste gemeinsame Nenner für Hildegard, Bernd und Kevin. Das wirkt nicht so „bedrohend“. Das ist ein Problem, denn unsere Dark-Skinned Geschwister scheinen unsichtbar. Ja, ich gehöre zu dieser privilegierten Gruppe, aber ich spreche es an. Warum? Ganz einfach: Das Narrativ des Schwarzdeutschen-Menschen wird nicht frei von uns erzählt. Während auf TikTok die armen weißen Kids das N-wort sagen und meinen sie würden Schwarze Menschen sofort versklaven, wenn es wieder möglich wäre, diskutieren auf Twitter Weiße darüber, was sie Schwarze schon immer mal fragen wollten. Basic Shit, die man googeln könnte, aber es macht viel mehr Spaß, mit Worten Menschen zu degradieren, weil es eben so schön ist. Aber bloß nicht aufregen! „Ihr werdet doch hier nicht erschossen oder so.“ Danke, nein danke. Habt ihr gelesen, dass ein schwarzes Kind gestorben ist, weil die Mutter als hysterisch abgestempelt worden ist. Valerie war 7 Jahre und hatte Schmerzen, aber wurde nicht ernst genommen. In Hamburg dachte die Polizei, dass ein Schwarzer Altenpfleger ein Drogendealer gewesen ist und sprangen auf ihn zu, während er auf sein E-Bike wollte. Ja, so schlimm haben Schwarze Menschen es in Deutschland doch nicht. Alles eine Frage der Perspektive. Abschließend möchte ich aber doch noch in die Staaten schauen. Ja, George Floyd ist eine Art Held geworden. Hat eine Statue bekommen, ein Gesetz wurde nach ihm benannt, die Tochter war im Weißen Haus, Prominente singen für ihn und oder äußern sich. Aber das wirkt alles nach einer Art Symbolism. „Schaut her, wir haben was gemacht und sein Opfer war nicht umsonst.“ Während ich diese Worte schreibe, bekomme ich Gänsehaut. Denn ich weiß, am Ende ist es ihnen egal. Sie haben für sich Gutes getan und ihre Hände in Unschuld gewaschen. Und das ist gut so. 
Denn Alice Hasters oder Tupoka Ogette sollten nur der Anfang und nicht das Ende einer Reise sein, aber für Viele reicht das schon. Und nicht vergessen! Nur weil Mensch ‘nen entfernten Bekannten hat, der Schwarz ist, erlaubt es einem nicht, diesen mit anderen zu vergleichen, eine nette Anekdote aus nem „Afrikaurlaub“ zu erzählen oder ihr wisst schon – das was ihr Schwarzen eben so sagt. Denn ich möchte anmerken, um jemanden rassistisch zu diskriminieren, MUSS Mensch nicht erst sterben, damit es akzeptiert wird.            

        :Abena Appiah