Kommentar: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß
Ach, wie schön ist Verantwortungslosigkeit!

Wir brauchen es zunehmend, wie die Luft zum Atmen – freies WLAN überall und zu jeder Zeit. Die Stadt Bochum plant nun, das tiefe digitale Luftholen allen PassantInnen in der Innenstadt zu ermöglichen (siehe Seite 3 oben). Digitale Junkies dürften also erleichtert aufatmen. Auf in die Kortumstraße, Smartphones raus, einwählen – lossurfen! Was dabei genau passiert, interessiert uns nicht. Hauptsache, es läuft. Verantwortlich sind schließlich andere.

Darf ich vorstellen? Das sind sie, die Digital Natives von heute. Wir, die Generation, die mit Computern, Internet und dem allzeit verfügbaren Netzwerk groß geworden ist. Wir, die ein neues Handy  aus der Verpackung holen und es zumeist intuitiv bedienen können. Wir, die keine zerknitterten Papierstadtpläne mehr lesen, aber dafür die ausgefallensten Funktionen von Google Maps nutzen können.

Digitale Versiertheit schön und gut – doch was ist mit digitaler Bildung und Verantwortung? Die scheinen genauso nonexistent zu sein wie die Funkwellen, die unsere Atemluft im Geheimen durchströmen. „Sollen die mal machen, ich kenne mich damit sowieso nicht aus“, denken sich manche. „Hauptsache, ich habe Internet, was interessiert mich der Rest?“, meinen wiederum andere. So diffundiert das Verantwortungsbewusstsein genauso schnell, wie sich Datenpakete durch das Hochgeschwindigkeitsnetz bewegen.

Raus aus der digitalen Unmündigkeit!

Ein Beispiel für das Desinteresse und die Unwissenheit darüber, was hinter all den digitalen Türen und Toren steckt, spielt sich direkt vor unserer Nase ab. Der IT-Beirat der RUB bietet Studierenden die Möglichkeit, sich aktiv in campusrelevante Fragen rund um Webmail, WLAN und Websites einzubringen (siehe Seite 2 unten) – doch kaum einer weiß davon oder fühlt sich angesprochen.

Wir müssen ja keine TechnikexpertInnen sein oder gleich eigene Rechner zusammenschustern. Aber sollten wir, die wir uns unseres eigenen Verstandes bedienen können, nicht auch ganz selbstverständlich die Welt, in der wir uns bewegen, hinterfragen – auch wenn diese zunehmend digital ist?

Schließlich sind es unsere Daten, mit denen da gehandelt und gefeilscht wird. Es ist häufig auch unser Geld, das in den Ausbau der entsprechenden technischen Ausstattung investiert wird. Und es ist eben auch unser Leben, das sich immer stärker in die virtuelle Welt verlagert.

Desinteresse – angesagt und viel zu bequem

Dennoch scheinen viele dem Credo „was ich nicht sehe, um das brauche ich mich ja nicht zu kümmern“ anzuhängen. Doch gerade die unsichtbare Natur des Digitalen gebietet zur Vorsicht und birgt Risiken – denn allein evolutionär gesehen sind wir Menschen auf das unmittelbar Greifbare fixiert und können mit Abstraktem nur nach reichlicher Übung gut umgehen.

Aber vielleicht müssen wir ja einmal richtig auf die Schnauze fallen, um unsere Einstellung zu ändern. Bis dahin gilt weiterhin: Hauptsache, es läuft – was interessiert mich der Rest?!

:Melinda Baranyai