UnPerfekthaus sieht sich gezwungen zu schließen
Absage wegen möglicher Eskalation
Foto: Dirk Ingo Franke, Wikimedia Comments, CCBY 3.0
Offener Dialog oder Rechtspopulismus: Das UnPerfekthaus spaltet die Lager. Foto: Dirk Ingo Franke, Wikimedia Comments, CCBY 3.0
Offener Dialog oder Rechtspopulismus: Das UnPerfekthaus spaltet die Lager.

Am Freitag, dem 22. Januar 2016, konnte das Essener UnPerfekthaus aufgrund von möglichen Auseinandersetzungen zwischen linken DemonstrantInnen und Nazis die Erstveranstaltung einer Bürgerwehr nicht abhalten und musste am späten Nachmittag zum ersten Mal in  seiner Geschichte die Tore schließen.

Die Gründung einer Essener Bürgerwehr und ihr geplantes erstes Treffen im UnPerfekthaus sorgte letzte Woche für viel Zündstoff. Linke machten im Internet gegen die Gründungsbewegung sowie den Betreiber der Gaststätte mobil. Wegen einer Demonstration der linken Initiative „Essen stellt sich quer“ vor dem UnPerfekthaus sah sich Reinhard Wiesemann, Inhaber des Etablissements, am Freitag nicht in der Lage, Gästen sowie MitarbeiterInnen Sicherheit garantieren zu können und machte seinen Laden zu; die Bürgerwehr-Initiatoren hatten ihr Treffen ohnehin bereits abgesagt.    

Für Wiesemann ist die Schließung eine „Niederlage der Demokratie“, hervorgerufen durch Links- sowie Rechtsradikale. Im Vorfeld hatte er versucht, einen Dialog herzustellen und für die Bürgerwehr zu werben, da sich seiner Meinung nach unter deren Mitgliedern nicht nur Neonazis, sondern auch normale Bürger befänden, deren Ängste und Sorgen ernst zu nehmen seien.

Die Idee einer Bürgerwehr funktioniere in anderen Ländern auch und sei im Vorfeld nichts, was direkt mit Rechtsradikalismus oder Faschismus in Zusammenhang gebracht werden dürfe. Weiterhin findet er es sehr schade, dass es offenbar unmöglich sei „gesittete Gespräche unter Menschen zu führen, die friedlich über ihre Meinungen streiten“.

:Eugen Libkin