„Pogrom91“: Webdoku schlägt Brücke von Hoyerswerda bis heute
25 Jahre und was gelernt?
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Sprachen mit ZeitzeugInnen: Matthias (l.) und Jan, die Initiatoren von „Pogrom91“. Foto: lor
Sprachen mit ZeitzeugInnen: Matthias (l.) und Jan, die Initiatoren von „Pogrom91“.

Die Bilder sind bekannt: Brennende Häuser, Schreie, Jubel der Zuschauenden – Szenen, die sich vor 25 Jahren im sächsischen Hoyerswerda ereigneten, als Rechte ein Geflüchtetenheim und eine Unterkunft für Vertragsarbeitende angriffen. Die im Bahnhof Langendreer vergangene Woche vorgestellte Initiative „Pogrom91“ arbeitet die Ereignisse auf und sucht nach Parallelen zu heute.

Es wurde in ihrer Jugend nie thematisiert, erzählen die beiden Männer an diesem Freitagabend vor 15 Personen im Bahnhof Langendreer – nach und nach fanden Jan und Matthias aus dem sächsischen Hoyerswerda heraus, was 1991 in ihrem Heimatort geschehen war. In der Woche vom 17. bis zum 23. September griffen bis zu 500 Menschen mit Steinen, Molotowcocktails und Flaschen eine Geflüchtetenunterkunft und eine Unterkunft für Vertragsarbeitende an. Menschenmengen bejubelten diese Angriffe. Die Polizei bekam die Lage nicht in den Griff und entschied am Ende, die Angegriffenen mit Bussen aus der Stadt zu bringen. Bis heute ist Hoyerswerda ein Synonym für den Sieg der Rechten über die Staatsgewalt und führte zu einer starken Radikalisierung der Neonazis in Sachsen und bundesweit – zur „Generation Hoyerswerda“ zählt beispielsweise die NSU.

Filmische Auseinandersetzung

Die Dokumentation, die unter Mitarbeit der Out-of-Focus-Filmproduktion entstanden ist, wurde während des Vortrags stückweise gezeigt und mit Informationen unterfüttert, die sich zum Teil mit den heutigen Ereignissen wie Bautzen oder Pegida beschäftigen. In Hinblick auf die übergeordnete Frage, ob zwischen 1991 und 2016 eine Kontinuität festzustellen ist, hielten die Referenten fest, dass Geflüchtete oftmals immer noch nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft betrachtet werden und Fälle wie die NSU beweisen, dass der Staat bei Rechtsextremismusfällen teilweise versagt. Doch es gibt Hoffnung: Anders als in den 90ern gibt es eine Gesellschaft, die Konzepte gegen Rassismus vorweisen kann und unter dem Motto „Refugees Welcome“ auch Widerstand gegen Rechtsextremismus leistet. 

:Andrea Lorenz