Was war und wird sein?
2021 oder 2022? Das ist hier die Frage!
Bild: Hans Jürgen Landes
Symbolbild

Was hat uns im letzten Jahr im Theater zum Lachen und Weinen gebracht und auf was können wir uns im nächsten Jahr freuen? Das könnte unter anderem das WESTWIND-Festival sein.  

Im vergangenen Jahr haben vielleicht manche von Euch von Ihrer Theater-Flat Gebrauch gemacht. Dann hätte sich der Weg ins Schauspielhaus dieses Jahr wahrscheinlich gelohnt. Was gab es durch die vierte Wand zu sehen? Die zweite Jahreshälfte, in der ich mich alle Nase lang schick gemacht habe, um dem Theater visionär beizuwohnen, bot so manchen Leckerbissen für Herz und Aug’ und Ohr.  
Zum einen gab es Noise. Das Rauschen der Menge. Ein Ein-Frau-Stück mit Gina Haller auf der Bühne. Wie der Name verrät, wird viel mit Soundeffekten gearbeitet, die teilweise nicht mal ordentlich lokalisierbar waren. Obwohl nur eine Person auf der Bühne zu finden war, gab es selten eine Bühne, die so ausgefüllt gewirkt hat. Das Stück behandelt Geräuschkulissen, die von den chilenischen Aufständen in Santiago geprägt wurden. Das bekommt man gut durch die verwirrenden und sich überlappenden Sounds sowie den Lichteffekten ans Herz gelegt. Es ging nicht zwangsweise um das Verständnis jeder einzelnen Szene, sondern in meinen Augen um das Verständnis der Wirkung auf einen. Was macht die Soundkulisse mit einem?  

Daneben gab es auch beeindruckende Werke wie Die Unendliche Geschichte. Es ist DAS Familienstück des Jahres. Das liegt auch daran, dass viele Schulvorstellungen gegeben wurden. In denen, so Leute aus dem Ensemble, sind die Kinder total begeistert waren und lustige Zwischenrufe machten, die den einen oder eine schon mal aus dem Konzept bringen können. Außerdem bietet das Stück an manchen Stellen immer wieder Platz für Improvisationen, was jede Vorstellung einzigartig macht. Die Musik dazu wird live von einem einzigen Mann namens Jimmi Hueting gespielt. Die ganze Kombination aus liebevollen Kostümen, berauschender Musik und der fantastischen Leistung der Schauspieler:innen macht das Werk nur sehenswert.
Zuletzt noch ein Wort zu Das Neue Leben, welches auch noch im neuen Jahr zu sehen ist. Es ist facettenreich, was unter anderem an dem gevierteilten Hauptcharakter liegt. Dieser wird also gleichzeitig von vier Schauspieler:innen in Szene gesetzt. Diese Art der Inszenierung von Dante Alighieris Göttlicher Komödie bietet viel Raum für innere Monologe, die den Zwiespalt eines Menschen in dieser Situation wundervoll wiedergibt. Dazu kommen – im Gegensatz zu der altertümlichen Lektüre – durch das mechanisch funktionierende Klavier neue Elemente ins Spiel, zu denen neumodische Musik gesungen wird. Dennoch ist es keineswegs ein Musical. Es gibt nur ab und an einen Song zum Besten.   
Das Theaterjahr 2021 hatte viele schöne Sachen zu bieten und wir alle können uns auf ein weiteres Jahr freuen, in dem viele besondere Stücke aufgeführt werden. Aber es gibt nicht nur klassisch ein Stück zu sehen, denn es wartet schauspielerisch noch mehr auf uns als das. Zum Beispiel das 38. Westwind Festival, welches vom Jungen Schauspielhaus ausgetragen wird. Nach 30 Jahren ist Bochum wieder als Gastgeber zu erwarten. Es gibt zehn Inszenierungen und aus Nordrhein-Westfalen und den internationalen Gastspielen. Außerdem gibt es intensive Nachgespräche und Diskussionen nach so mancher Aufführung. Örtlich wird es im Theaterrevier beherbergt.         

  :Lukas  Simon Quentin