Die Ursprünge des internationalen Weltfrauentages
1910 in Kopenhagen
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Vor 111 Jahren wurde in Deutschland, Dänemark, Österreich, in der Schweiz und in den USA der internationale Weltfrauentag eingeführt. Seine Geschichte beginnt noch ein Jahr früher.  

Der internationale Weltfrauentag liegt in den Arbeiterinnenbewegungen des späten 19. Und frühen 20. Jahrhunderts begründet, wobei nicht gänzlich geklärt ist, wann und wie die Idee für einen ‚Frauenkampftag‘ entstanden ist. Grundsätzlich setzten sich die Arbeiterinnen aber dafür einen, einen Tag zugewiesen zu bekommen, an dem sich Frauen auf internationaler Ebene für Gleichberechtigung, bessere Löhne sowie Arbeitsbedingungen und das Frauenwahlrecht einsetzen. Eine zentrale Schlüsselfigur bei der Initiation des internationalen Weltfrauentages ist die deutsche sozialistisch-kommunistische Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin. Sie forderte bereits am 19. Juli 1889 auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen, einer Organisation sozialistischer Arbeiterparteien: 

„Wir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt, und von einem dem männlichen gleichen Unterricht – obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur natürlich und gerecht ist – noch von der Gewährung politischer Rechte. Die Länder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne ökonomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“  

Am 27. August 1910 schlug Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, welcher erstmals im Folgejahr am 19. März in vier europäischen Ländern – die obigen – und den USA veranstaltet wurde. Damals war das Hauptanliegen das aktive sowie passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Million Frauen beteiligten sich an den Demonstrationen. 1912 schlossen sich unter anderem Frankreich, Schweden und die Niederlande an, 1913 folgte Russland. Ab dem Jahr 1921 wird der 8. März auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau zum jährlichen Frauentag erklärt – um die Streiks der Bewohnerinnen der armen Stadtviertel in Petrograd, welche einen Auslöser der Februarrevolution in Russland darstellten und am 8. März (nach dem julianischen Kalender in Russland am 23. Februar) einsetzten, zu ehren. 1975 erhoben die Vereinten Nationen den 8. März zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. Seit 2019 ist der Internationale Frauentag in Berlin ein gesetzlicher Feiertag, sowie weltweit in insgesamt 26 Ländern, wie beispielsweise in Nordkorea, Vietnam, Nepal, Russland und in der Ukraine. Jährlich steht der Weltfrauentag außerdem unter einem bestimmten Motto. In diesem Jahr nennt es sich „Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen“, das die Rolle der Frau bei der Bekämpfung des Klimawandels thematisiert.  

 :Rebecca Voeste