:bsz-Interview mit dem Unterstützungskreis Politikverbot – Teil 3
„Zu einem ‚Aktiv-unpolitisch-Sein‘ übergehen“
Karikatur: kac
Wenn der Frosch nicht merkt, dass das Wasser zu heiß wird, läuft’s gut: Ähnlich funktioniert auch die Entpolitisierung der Uni.	Karikatur:  kac
Wenn der Frosch nicht merkt, dass das Wasser zu heiß wird, läuft’s gut: Ähnlich funktioniert auch die Entpolitisierung der Uni.

Finale der Utopie: Die :bsz sprach noch einmal mit Jens und Tim über den Weg zu einer entpolitisierten Uni, Party-Verbote und die letzten gallischen Dörfer.

:bsz Ihr wollt das totale Politikverbot durchsetzen – aber durch Allianzen mit politischen Institutionen? Ist das nicht sehr widersprüchlich?

Jens: Eigentlich müsste man noch ein bisschen weiter gehen, nämlich, dass Politik nicht nur verboten wird, sondern es auch in den Köpfen ankommt, also die totale Entpolitisierung des Campus.

Tim: Ein Verbot von heute auf morgen würde sicherlich Widerstände hervorrufen und dann haben wir wieder eine politische Bewegung, das ist ja … das will ja dann niemand.

Das heißt, entscheidend ist ein langsamer Prozess …

Jens: Es geht da ja auch um Party- und Grillverbote; das hat sich so langsam gesteigert, also früher gab es Partys in den Gebäuden oder Hörsälen und dann wurde es ein langsamer Prozess und deshalb ist der Widerstand ja auch so gering geblieben. Es gibt ein wunderbares Beispiel: Wenn man das Wasser, in dem ein Frosch sitzt, langsam erhitzt, merkt er das nicht; wenn das Wasser sofort heiß wird, merkt er das. Und genau so wollen wir auch vorgehen: Immer nur so kleine Verbote, um dann so langsam die letzten Leute, die wirklich hardcore-politisch aktiv sind, vorzunehmen, dass sie auch keine Macht mehr haben, Widerstand zu leisten.

Ehrlich gesagt, finde ich viele Studierende schon sehr unpolitisch. Hat sich Eure Utopie nicht schon erübrigt?

Tim: Natürlich würde jetzt so manch ein 68er, wenn er sich die heutige Studierendengeneration anguckt, schon sagen, dass das recht unpolitisch ist; oder auch die ganze Bildungsprotest- oder Studiengebührenbewegung gibt es ja nicht mehr. Bei dem Vergleich ist schon viel erreicht, aber man darf ja nichts überstürzen.

Es ist noch nicht genug: Es können ja politische Gruppen aktiv sein. Warum nicht mal damit anfangen, politische Gruppen aktiv zu stören, das wäre ja auch was: Aus dem passiven Unpolitisch-Sein zu einem Aktiv-unpolitisch-Sein überzugehen.

Aber wie groß ist denn noch die Gefahr, die von studentischer Politik ausgeht?

Tim: Es gibt auch immer noch die gallischen Dörfer, auch wenn der Großteil schon gefallen ist, gibt es sie immer noch.

Jens: Es kann ja nicht sein, dass Cafeten, dass andere Orte missbraucht werden, um sich da politisch auszutauschen, die Uni ist ja nicht da, damit sich die Leute da treffen und sich über Politik unterhalten, sondern, damit sie studieren. Und gerade das ist noch nicht vollständig erreicht. Es gibt ja noch politische Gruppen. Die Studierenden sind noch nicht so aktiv dagegen, wie wir uns das wünschen würden.

Trotzdem sind Uni-Verwaltung, Dezernat V – alles Institutionen, mit denen Ihr zusammenarbeiten wollt – doch genauso politisch!

Jens: Also, wo Du vielleicht hinaus willst, das ist natürlich eine schwierige Frage und wenn man es so definiert, wäre ja alles politisch …

… ist es das nicht?

Jens: Wenn Du sagst, dass alles politisch ist, läuft es darauf hinaus, dass alle Institutionen politischen Charakter haben. Ich würde mir mal Gedanken darüber machen, auf was für ein Weltbild das hinausläuft. Das hieße dann ja auch, dass der Staat und die Wirtschaft politische Interessen vertreten und nicht neutrale Institutionen sind und dann findet nachher eine Auseinandersetzung mit diesen Kräften statt. Das würde ich nicht wollen, das macht das Leben schwierig und mehr werde ich dazu nicht sagen.

Das Interview führte

:Benjamin Thrilling

Teil 1 des Interviews: „Mit den explizit politischen Gruppen anfangen“

Teil 2 des Interviews: „Eine Anti-Politik-Patrouille aufstellen“