Unigeschäfte vor dem Aus
„Wir haben einen Schuss frei im Herbst, sonst ist es aus.“
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Joachim Schaten: Seit 1982 leitet er die Unibuchhandlung. Bild:stem
Joachim Schaten: Seit 1982 leitet er die Unibuchhandlung.

Schließung. Das Campusleben zeichnet sich auch durch die lokalen Geschäfte aus, die seit langer Zeit Studierende auf ihrem Weg begleiten – einige davon stehen nun vor dem Aussterben. 

Die Unilandschaft könnte bald sehr anders aussehen. Denn viele der kleinen Unternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten den studentischen Bedarf decken, stehen kurz vor der Schließung. „Wir haben einen Plan, dass wir auf jeden Fall das Jahr zu Ende kriegen. Danach bräuchten wir ein Signal und entscheiden dann,“ erklärt Joachim Schaten, Inhaber der Universitätsbuchhandlung Schaten. Seit 1982 führt er die Buchhandlung, die im vergangen März ihr hundertjähriges Bestehen markierte.
Auch das Campus-Center vor den Gebäuden der G-Reihe steht vor einer ungewissen Zukunft, bestätigt Peter Stobbe, Leiter des Uni-Buchladens und Inhaber des Campus-Centers. Ob es weitergehe, „das steht in den Sternen. Es kommt darauf an, wie sich das zum Wintersemester entwickelt. Ich weiß es nicht. Im Moment sehe ich schwarz,“ so Stobbe.
Beide Kleinunternehmer schauen mit Erwartung und Sorge auf das kommende Wintersemester. Denn eigentlich könnte der Umsatzanstieg zum Start des Semesters eine wichtige Erholung von den vergangenen Monaten bedeuten. Doch nachdem sich die Leitung der Ruhr-Universität dafür entschied, das kommende Semester zu einem Hybridsemester – eine Mischung aus Online- und Präsenzlehre – zu gestalten, sanken die Aussichten auf einen guten Ausgang für die Geschäfte. 

Geschäfte wie die Unibuchhandlungen Schaten und der Buchladen im Campus-Center verzeichnen zum Semesterstart ihre stärksten Umsätze. „Das ist so wie in anderen Branchen: Die warten auf Weihnachten. Das ist für uns Oktober,“ sagt Joachim Schaten. Die Zeit zum Anfang des Semesters, in der Studierende Bücher für ihre Seminare oder sonstige Literatur kaufen und in der noch ein stärkerer Betrieb ist als bereits Wochen später, dient den Geschäften um die Uni herum dazu, wichtige Fettpolster anzusetzen. Denn die starken Umsätze in den Monaten April und Oktober finanzieren für gewöhnlich die schwachen Monate mit. Doch gewöhnlich ist in diesem Jahr nur wenig. Da die Corona-Pandemie am heftigsten im April zuschlug und die Universität sich für ein Onlinesemester entschied, hat sich dies vernichtend auf die Umsätze ausgewirkt. So sagt Joachim Schaten: „In dem Monat haben wir alleine über 80 Prozent Umsatz eingebüßt, in dem Folgemonat auch nochmal 50 Prozent,“ verglichen zum Vorjahr. Zwar konnte sich die Buchhandlung zu Anfang der Pandemie unbürokratische Soforthilfen in Höhe von 9.000 Euro sichern, um Fixkosten zu decken, doch diese waren schnell verbraucht. Für weitere Hilfen konnte sich die Buchhandlung nicht qualifizieren. Mittlerweile haben sich die Umsätze zwar auf ein Minus von rund 20 Prozent normalisiert, doch dies entspricht nur den ohnehin niedrigen Sommerumsätzen, die das Geschäft nicht langfristig tragen können. „Wir haben einen Schuss frei im Herbst, sonst ist es aus“, so Schaten über die erwarteten Umsätze im Oktober. 

Für weitere Lösungsansätze gab es bereits Gespräche zwischen dem Rektorat und Joachim Schaten, in denen Rektor Prof. Axel Schölmerich und Dr. Erda Lapp, die Direktorin der Universitätsbibliothek, ihre Hilfsbereitschaft signalisierten. So will die Universitätsbibliothek künftig Bestellungen über die Unibuchhandlung Schaten abwickeln. Die Umsätze, die dadurch bisher generiert wurden, sind jedoch nicht entscheidend für den Fortbestand der Buchhandlung. Wichtiger wäre es, wenn auch die Bereichsbibliotheken nachziehen würden. Auch dies befindet sich derzeit in Gesprächen, geleitet durch Dr. Lapp. Hilfen und Kooperationen für weitere Geschäfte seitens der Universität sind derzeit jedoch nicht geplant, bestätigte Pressesprecher Jens Wylkop auf Anfrage.
Mehr noch als bei anderen Hochschulen sind die universitätsnahen Geschäfte vom Betrieb der RUB und insbesondere von den Einkäufen von Studierenden abhängig. Denn aufgrund der besonderen Lage der Uni weit ab vom Stadtkern, finden neben Studierenden nur wenige andere Menschen ihren Weg in die Läden. Erschwert wird dies durch die einzige zentrale ÖPNV-Verkehrsachse in Form der U35. Diese Geographie wiegt doppelt; denn nicht nur eliminiert die Entfernung zur Innenstadt das Fußgänger:innengeschäft durch viele nicht-Studis, gleichzeitig ist die Verkehrssituation ein Grund für die Entscheidung des Rektorats, das kommende Semester zu einem Hybridsemester zu machen, wodurch die fortwährenden Probleme der Läden nahe der Uni nur begrenzt verringert werden. Denn nicht zuletzt wurde die Entscheidung zur Gestaltung des Wintersemesters unter Berücksichtigung von Superspreading-Events in den vollgepackten Wagons der U35 gefällt. 

Peter Stobbe: Nachdem die Mensa renoviert wurde, baute er das Campus-Center auf.     Das Campus-Center hat eine lange Geschichte hinter sich: Nachdem einige der Geschäfte ursprünglich im Mensafoyer angesiedelt waren, zogen sie nach der Mensasanierung vor etwa 15 Jahren samt der Einrichtung bestehend aus Holzleisten, Rollläden und Inventar in die Aluhalle, die Stobbe gemeinsam mit einem ehemaligen Geschäftspartner möglichst kostengünstig bauen ließ. Mittlerweile ist das gerne als „Pferdestall“ bezeichnete Campus-Center und die darin befindlichen Geschäfte zum Kultobjekt unter Studierenden geworden. Auch Peter Stobbe sieht seine Aufgabe darin, Teil der Uni und des Lebens der Studierenden zu sein: „Wir haben einen Pachtvertrag mit der Uni. Da steht drin: ‚Der Mieter verpflichtet sich, jederzeit auf die Belange der Ruhr-Universität Rücksicht zu nehmen.‘ Das ist für mich ein Satz, den ich in den letzten 15 Jahren sehr ernst genommen hab.“ Deshalb nutzt er seinen Laden, um Studierenden Bücher günstig anzubieten, Kontakte zwischen Kund:innen zu knüpfen und einen Mehrwert für das Campusleben zu schaffen. 

Joachim Schaten hofft für die kommenden Monate auf Aufmerksamkeit: „Es ist im Moment noch so, dass wir ganz häufig bei den Leuten merken, dass sie noch gar nicht die Idee haben, dass es ein Problem gebe. ‚Schaten gab es immer, Schaten gibt‘s seit 40 Jahren, die werden nächstes Jahr immer noch da sein.‘ Dieser Schalter im Kopf ist nicht umgelegt. Und eigentlich ist das noch das Einzige, das uns vielleicht hilft. Dass die Leute merken: ‚Oh Gott, da ist ja was. Da können wir vielleicht doch mal für ein halbes Jahr unser Einkaufverhalten umstellen.‘ Es geht halt ohne Umsatz nicht.“ 

                      :Stefan Moll

 

 

Der Weitererhalt der Unibuchhandlung Schaten und des Campus-Centers sowie weiterer kleiner Läden auf und in Nähe des Campus hängt zu großen Teilen von Einkäufen ab. Wenn Ihr die Geschäfte unterstützten wollt, könnt Ihr entweder vor Ort vorbeischauen oder diese auch online erreichen. 

Die Unibuchhandlung Schaten bietet auf schaten.buchhandlung.de ihren Shop an.  

Auch der Uni-Buchladen im Campus-Center bietet Online-Bestellungen an. Zu erreichen ist dieser unter 
uni-buchladen@freenet.de oder per Telefon unter 0234/706040. 

Weitere Angebote des Campus-Center, wie den CD+Plattenladen oder den Handy-Shop sowie derzeitige Öffnungszeiten findet Ihr auf campus-center.de

 

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