„Lampedusa“ im Schauspielhaus in Bochum
„Warum sind die bloß so scheiße freundlich?“
Foto: Diana Küster
Stefano zwischen Himmel und Hölle: Ist die Migrationswelle nicht eine große Chance für das alte Europa? Foto: Diana Küster
Stefano zwischen Himmel und Hölle: Ist die Migrationswelle nicht eine große Chance für das alte Europa?

Anders Lustgartens Stück „Lampedusa“ wurde jetzt in der Inszenierung von Olaf Kröck im Schauspielhaus Bochum erstmalig in deutscher Sprache aufgeführt. Ein emotionaler und hochpolitischer Abend.

Lampedusa – Trauminsel für europäische UrlauberInnen, Ziel für Geflüchtete aus Tunesien, Libyen und anderen nordafrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer dem Krieg und der Hoffnungslosigkeit entfliehen. Dass viele diesen steilen Weg mit überfüllten Booten nicht überleben, thematisiert der junge britische Autor Anders Lustgarten, teils unbequem und mit starker Globalisierungskritik. 

Die Bühne: ein riesengroßer Wäschehaufen in einem Wasserbecken. Mittendrin die beiden Hauptakteure Stefano und Denise.  

Stefano fischt keine Fische mehr, sondern Leichen

„Warum sind die bloß so scheiße freundlich?“ wundert sich Stefano, ehemaliger Fischer und jetzt als Leicheneinsammler für die italienischen Behörden am Hafen aktiv, als er über die ankommenden Geflüchteten berichtet. 

Er steht an vorderster Front und erlebt als einer der ersten, was die aktuelle Krise mit sich bringt: Gestrandete tote Kinder und Familien, aber eben auch die kleinen Erfolgsgeschichten. Er selbst hat im korrupten und von Arbeitslosigkeit geprägten Italien eine ungewisse Zukunft vor sich. „Warum kommen die eigentlich hierhin?“

Denise treibt Schulden ein, um ihre eigenen zu bezahlen

Auf der anderen Seite spricht die junge chinesisch-britische Studentin Denise, die für einen Kredithai in Leeds die Schulden von SozialhilfeempfängerInnen eintreibt, um damit ihren Studienkredit und ihre Miete zu bezahlen. Konfrontiert mit der enttäuschten Gesellschaft und ständigen Beleidigungen im neo-liberalen und rassistischen Großbritannien ausgesetzt, findet sie am Ende Frieden durch die Güte einer hilfsbereiten Migrantin. Und die BesucherInnen müssen sich bei diesem emotionalen Stück am Ende die ein oder andere Träne verdrücken.

 

 

:Tim Schwermer