Computerspielfeministin Anita Sarkeesian zeigt, wie schwach sie argumentiert
„Sworcery“: Das Spiel, dem Mit-Glied egal ist
Illustration: deviantart.com, AXL99
Eine Fantasyheldin, die mehr trägt als einen Kettenbikini: Dieses Fanbild zu „Sword & Sworcery“ zeigt, wie das Spiel ohne dieses unlogische Klischee auskommt. Illustration: deviantart.com, AXL99
Eine Fantasyheldin, die mehr trägt als einen Kettenbikini: Dieses Fanbild zu „Sword & Sworcery“ zeigt, wie das Spiel ohne dieses unlogische Klischee auskommt.

Die feministische Medienkritikerin Anita Sarkeesian klagte bis dato mit ihrer Youtube-Videoreihe „Tropes vs Women in Video Games“ mit ganz sichtbar erhobenem Zeigefinger, der auch mal zur aggressiven Moralkeule mutierte, Sexismus in Computerspielen an. Nun will sie es auch mit einem guten Beispiel versuchen und stellte am 31. März den ersten positiven Charakter vor: Die Skythin aus „Sword and Sworcery“.

Das Spiel ist eine Indie-Produktion von 2011 für iPad und andere Systeme. Hinter dem sperrigen Titel „Superbrothers: Sword & Sworcery EP“ verbirgt sich ein 2D-Abenteuer. Die Grafik ist indie-typisches Pseudo-8-Bit, die aber genauso wie der Titel klassische Abenteuerspiele vergangener Gamesären leicht ironisch aufnimmt. Genauso wie das zu bestehende Abenteuer, die Suche nach dem mächtigen Artefakt Trigon, auf die Zelda-Reihe anspielt. Mit dem Unterschied, dass der Held bei „Sworcery“ weiblich ist.

Der Strich in der Landschaft ist eine Frau

Das freilich wird auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Die Figuren sind einfach und stilisiert. Zudem heißt die Heldin (das Spiel ist auf englisch) einfach „The Scythian“, was einen männlichen wie auch einen weiblichen Vertreter des antiken NomadInnenvolkes bezeichnen kann. Texte im Spiel benutzen allerdings weibliche Pronomen wie „she“ und „her“. Einige SpielerInnen sollen lange überzeugt gewesen sein, dass The Scythian ein Mann ist, erzählt Anita Sarkeesian im neuesten Video ihres Youtubekanals „Feminist Frequency“.

„‚Sword & Sworcery‘ gibt uns eine weibliche Hauptfigur und ermutigt uns, sie vor allem als Helden zu sehen, einen Helden, der zufälligerweise eine Frau ist“, fasst die Feministin zusammen. Die Figur hat keine spezifisch weiblichen Züge und als Kriegerin kann sie mit Schwert und Schild umgehen. „Ihr Leben hat einen intrinsischen Wert.“ Das heißt: Wenn sie stirbt, stirbt sie als Heldin, nicht als Köder oder Schmuckwerk. Sie ist nicht wie die Jungfrauen in Nöten, die Sarkeesian in den ersten Folgen ihrer Videoreihe als sexistisches Topos kritisierte.

Diskurs ja, Sarkeesian nein

Nun gibt es endlich ein Spiel, das nicht wie die Kanadierin immer wieder betont, „den status quo von Videospielen als männlich dominiertem Raum“ erhält. Und doch ist dieses Video das kürzeste aus der „Tropes vs Women“-Reihe.

Dinge anschwärzen ist stets einfacher, als Lob zu verteilen. Aber bei einem Crowdfunding-Budget von 150.000 Dollar für die Video­reihe ein siebenminütiges Video mit einer Binsenweisheit als Analyse zu veröffentlichen, ist fast schon dreist (nachdem sechs fast halbstündige Videos auf Rollenbilder in Spielen eingedroschen haben). Erst der Shitstorm und die Drohungen, die die Feministin nach den ersten Folgen ihrer Reihe erreichten, verschafften ihr eine Aufmerksamkeit, die sie nicht verdient. Zumindest nicht, wenn man die Argumentation ihrer Videos als Maßstab nimmt. Einige wenige Idioten zogen so die ganze wichtige Diskussion in den Dreck. Sexismus in Computerspielen ist ein wichtiges Thema. „Sword & Sworcery“ zeigt, wie man damit umgeht.

:Marek Firlej
 

Autor(in):