Zwei indonesische Autorinnen thematisieren in ihren Werken Schrecken und Schönheit ihrer Landesgeschichte
„Man wird nicht einfach über Nacht demokratisch“
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Traditionelle Rhythmen: Indonesische Tänzerinnen begrüßen das Publikum auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: bk
Traditionelle Rhythmen: Indonesische Tänzerinnen begrüßen das Publikum auf der Frankfurter Buchmesse.
Mit wohlriechenden Gewürzen, traditionell gekleideten TänzerInnen und dem Schattentheater – einer Kunst, für die das Land berühmt ist – stellte sich die diesjährige Gastnation Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse vor. Natürlich stand vor allem die Literatur des Landes im Mittelpunkt, die sich erst seit einigen Jahren mit den bisher verdrängten Kapiteln der indonesischen Geschichte befasst. Dass es dort einiges aufzuarbeiten gibt, verraten die Autorinnen Leila Chudori und Laksmi Pamuntjak. 
 
„Was 1965 in unserem Land geschehen ist, darf sich nie wiederholen!“ – mit diesem Appell wendet sich Autorin Laksmi Pamuntjak an die BesucherInnen im indonesischen Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse. In jenem Jahr wurden unter dem Regime des Diktators Suharto SympathisantInnen der Kommunistischen Partei zu Tausenden in Straflager deportiert und brutal ermordet. Die offiziellen Schätzungen über die Opferzahl dieses Massakers gehen weit auseinander – manche sprechen von 100.000 Toten, manche gar von einer Million. 

Zensur und Straflager

Laksmi Pamuntjak hat diese Zeit selbst nicht erlebt, ihre Auswirkungen aber dennoch gespürt: Auch nach dem Massaker waren unter der Suharto-Diktatur Zensur und Verhaftungen üblich. „An der Universität und im Bekanntenkreis hatte ich Freunde, die verhaftet wurden, weil sie etwa verbotene Bücher verbreitet hatten“, erinnert sich die Autorin. Ein ähnliches Schicksal widerfährt dem Ehemann der Protagonistin ihres Romans „Alle Farben Rot.“
 
Mehr als nur ein Geschmack: In vielen der vorgestellten indonesischen Romane spielen Gewürze eine Rolle.   	                   Foto: bkAuch ihre Kollegin Leila Chudori, die neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin für die indonesische Zeitung „Tempo“ schreibt, tut alles, damit das Massaker von 1965 nicht in Vergessenheit gerät. „Wir veröffentlichen jeden September eine Sonderausgabe mit Interviews mit den Angehörigen der Opfer“, erzählt sie: „Einige wollen sich auch gar nicht zurückerinnern.“ Ihre Kollegin ergänzt, dass derzeit niemand wisse, wie eine konkrete Entschädigung der Opfer aussehen könnte. „Von einer offiziellen Entschuldigung des Präsidenten hat im Endeffekt ja auch niemand etwas. Da muss schon eine Art Menschengerichtshof die Verbrechen der Vergangenheit aufarbeiten.“

Der Kampf für Demokratie geht weiter

Dennoch finden die beiden Autorinnen es wichtig, dass die Erinnerung präsent bleibt, denn auch im heutigen Indonesien, so Chudori, herrscht keine hundertprozentige Meinungsfreiheit. „Suharto ist 1998 zurückgetreten, aber man wird nicht einfach demokratisch über Nacht. Es gibt immer noch viele Missstände und mit meinem Verlag will ich daran arbeiten, diese zu thematisieren.“
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