Der Einfluss von Maos Lehren an der RUB: Abstieg und Auflösung
„Fortschrittliche Studenten halten nicht einen Namen als Schild aufrecht“
Quelle: :bsz-Archiv, :bsz101 vom 23. November 1972
Mao gescheitert: Die MaoistInnen werden in der :bsz veräppelt. Quelle: :bsz-Archiv, :bsz101 vom 23. November 1972
Mao gescheitert: Die MaoistInnen werden in der :bsz veräppelt.

Die AnhängerInnen Maos hatten hehre Ziele: Nicht nur die Universität wollten sie aus dem AStA heraus verändern, sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse und Normen. Dabei stellten sich ihnen jedoch Streitigkeiten mit den KoalitionspartnerInnen und Konflikte mit den eigenen Mitarbeitenden innerhalb der ihnen unterstehenden Wirtschaftsbetriebe in den Weg. All dies führte zu personellen und organisatorischen Abspaltungen. Als Folge löste sich der SHB auf und damit endete die Zeit des Maoismus an der Ruhr-Uni.

Das Jahr 1971 begann nicht gut für den SHB-geführten AStA. Im Januar verkündete er den Ausschluss der trotzkistischen Jungen Garde aus der Koalition. Als Begründung hieß es, die Junge Garde habe keine Gelegenheit verpasst, „mit völlig praxislosen Parolen und abstrakten unvermittelbaren Forderungen die Studentenschaft zu desorientieren“. Übrig blieben dem SHB als Partner noch Spartakus-AMS und FHV. Die beiden letztgenannten Parteien schieden jedoch im Mai 1971 ebenfalls aus. Grund dafür waren Differenzen über die Unterstützung für das Studierendenparlament.  Der SHB war damit auf einen neuen Koalitionspartner angewiesen, den er in den neugegründeten Sozialistischen  Abteilungsgruppen (SAG) fand.

Veruntreuungsvorwürfe und Zoff mit Mitarbeitenden 

Die MaoistInnen hatten nicht nur in der Hochschulpolitik schwer zu kämpfen, auch ihre Wirtschafts- und Mitarbeitendenführung stand zunehmend in der Kritik. Die oppositionelle BSU warf der SAG zu Beginn des Jahres 1972 vor, dass diese 20.000 D-Mark veruntreut haben sollte. Das Geld soll dabei in einen privaten Buchladen geflossen sein. Der AStA erklärte die Vorwürfe für haltlos.

Ebenfalls zu Beginn des Jahres veröffentlichten die Mitarbeitenden des Studierendenwerkes und des AStA eine Erklärung in der :bsz, dass sie ab dem 25. Januar 1972 in einen unbefristeten Streik getreten seien. Als Gründe gaben sie an, „daß wir auf unsere Fragen an einige Vorstandsmitglieder des AStA keine Antwort bekommen“ und „daß es uns quasi verboten wird bei der Arbeit zu denken und wir zu reinen Handlangern degradiert werden“. 

Auflösung und das Ende des Maoismus

Der Streik und die finanzpolitischen Schwierigkeiten der SHB führten schließlich dazu, dass zwei führende SHB-Mitglieder aus dem Vorstand zurückgezogen wurden, was interne Querelen mit sich brachte. Die SHB war in jeglicher Hinsicht gelähmt und handlungsunfähig. Als logische Konsequenz löste sich die SHB/SF – wie sich die Gruppierung nach den Zwistigkeiten nannte – im Dezember 1972 auf. Der Koalitionspartner SAG nannte diesen Schritt „konsequent und politisch“ und stellte zudem fest: „Fortschrittliche Studenten halten nicht einen Namen als Schild aufrecht.“

Alleine konnte der SAG weder den AStA stellen noch die kommenden Wahlen zum Studierendenparlament gewinnen. Diese gewann der RCDS und stellte eine Koalition mit dem LHV. Das maoistische Experiment an der Ruhr-Uni war gescheitert und wurde zu Grabe getragen.

Gastautor :Jan Freytag 

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