;bsz Geschichte: In den 70ern politisierte und positionierte sich die Zeitung
„Ein Massenkampfblatt und kein Schulbuch“
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Ausdruck der Politisierung der :bsz – eine Karikatur zum damaligen Hochschulrahmengesetz.Foto: bsz Archiv
Ausdruck der Politisierung der :bsz – eine Karikatur zum damaligen Hochschulrahmengesetz.

:bsz-Geschichte zum Jubiläum (Teil 2). In die Kinderjahre der Zeitung fielen die wilden 70er. Die Themen dieser Zeit: Revolution und Politik. Die Massen sollten erreicht werden – auch wenn es zeitweilig nur zwei Redakteure und eine Schreibmaschine gab.

Anfang der 70er sind die Studierendenproteste längst auch in der Querenburger Provinz angekommen. Bernd Holzrichter war damals :bsz-Redakteur und erinnert sich an diese wilde Zeit zurück: „Schon durch die fraktionspolitische Delegierung war die Redaktion natürlich politisch.“ Denn das vom AStA herausgegebene Blatt war damals ausschließlich koalitionspolitisch besetzt von den drei Mehrheitslisten. Und diese waren allesamt links.

„Bei der Organisation der Redaktionsarbeit wurde uns freie Hand gelassen“, so der 74-Jährige. „Die Mehrheitsgruppen – aber auch einzelne Studenten – lieferten uns Beiträge, die wir redigierten.“ Fotos, Illustrationen oder Karikaturen wurden freihändig organisiert – ohne viel Fingergefühl für Urheberrechte: „Ich glaube, das Wort ‚Copyright‘ kannte keiner von uns.“

Nachdem einer der Delegierten  absprang, bestand die Redaktion nur noch aus zwei Mitgliedern. Die Räumlichkeiten: ein paar Stühle, Schreibtische und genau eine Schreibmaschine. Doch die Ziele blieben revolutionär: „Inhaltlich lebten wir von der Hand in den Mund und von aktuellen Themen: Hochschulpolitik, versteht sich, Studentenbewegung, der Kampf gegen die Autoritäten – aber auch der Kampf gegen die Revisionisten.“ 

Lektüre auch ohne Marx-Kenntnisse

Dieser Kurs blieb auch im Laufe der 70er bestehen: Die Redaktionsmitglieder wollten in klarer und deutlicher Sprache über das Stadt- und Weltgeschehen berichten, ohne tiefgehende Kenntnisse des Marxismus zu erwarten. „Die BSZ soll nicht wie die meisten anderen Studentenzeitungen ein Organ werden, das zu lesen die Lektüre von Marx’ und Engels Werken bis mindestens Band 26 voraussetzt.“ Die :bsz hatte daher das Selbstverständnis, „ein Massenkampfblatt und kein Schulbuch“ zu sein.  Mit diesem Anspruch im Hinterkopf bemühten sich Redaktionsmitglieder nicht nur, ihre eigenen Themen und Interessen in der Zeitung unterzubringen. Stattdessen forderten sie die LeserInnenschaft auf, eng mit der Redaktion zusammenzuarbeiten und ihr die „Bude einzurennen.“ Massentaugliche Themen waren in dieser Zeit vor allem die großen weltpolitischen Ereignisse wie der Vietnamkrieg oder die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt. So druckte die Zeitung etwa eine Presseerklärung der demokratischen Volksfront zur Befreiung Palästinas ab, die Israel als „reaktionär“ und die Vereinigten Staaten als „imperialistisch“ brandmarkte. Doch auch das Persönliche, besonders das Sexuelle wurde in diesem Jahrzehnt zu einem politischen Thema. 

Ein Beispiel: Die Homosexuelle Aktionsgruppe an der RUB schrieb in einem Gastbeitrag: „Um zu einer Emanzipation Homosexueller zu gelangen, muss der ‚Sonderfall‘ homosexuelles Verhalten aus dem Bewusstsein der Gesellschaft gestrichen werden. Dies wird nur durch eine ‚sexuelle Revolution‘ möglich.“

Lest in der nächsten Folge, wie die :bsz auf die Umbrüche der 1980er und 1990er Jahre reagierte. 

 Gastautor:Jan Freytag & Benjamin Trilling

 
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