Premiere von Dostojewskis „Böse Geister“ bei TheaterTotal
„Eigentlich sind das verlorene Menschen“
Foto: bent
Vorbereitung auf die-Premiere: Die :bsz bei den Proben von TheaterTotal.
Vorbereitung auf die-Premiere: Die :bsz bei den Proben von TheaterTotal.
Nichts als Nihilismus? Der Dostojewski-Blick auf Terrorismus und Instrumentalisierung: Die :bsz war bei den Proben von TheaterTotal für das Dostojewski-Stück und sprach mit den jungen DarstellerInnen. 
 
Aus der Darbietung ist noch mehr herauszuholen, meint Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer: „Du bist noch nicht überzeugend genug“, ruft sie von der Tribüne. „Du musst ihn verfluchen.“ Eva Lammert, eine der vielen jungen Laien-DarstellerInnen versucht es noch mal – auch das ist aus Sicht der Regisseurin noch ausbaufähig: „Nein, das ist zu leise. Das ist mir noch zu sehr für‘s Wohnzimmer.“ Jetzt macht sie es laut vor: „Das ist das messer!“ Die Schauspielerin fährt auf der Bühne fort: „Dein Messer fürchte ich nicht.“ Da geht aber noch was: „Ja! Messer!“ Die Schülerin greift das auf der Bühne auf: „Ja, Du trägst ein Messer in der Tasche.“ Die Theaterpädagogin lehnt sich zufrieden in den Sitz. 
Die Proben für die Premiere und anschließende Tournee von „Böse Geister“ laufen bei TheaterTotal auf Hochtouren. Man entschied sich dort, Fjodor Dostojewskis 900 Seiten langen Antirevolutionsroman (auch unter dem Titel „Die Dämonen“ bekannt) zu adaptieren. Kein leichtes Unterfangen – schon wegen der epischen Breite des Werks. „Ich bin erst auf Seite 600“, muss Eva Lammert gestehen. Trotzdem sei es, wie sie betont, „spannend, in die Geschichte eines Landes einzutauchen.“ 
Gemeint ist natürlich Russland, vor allem die vorrevolutionäre Situation im Zarismus, mit der sich der konservative Schriftsteller auseinandersetzte: Soziale Not, Ungerechtigkeit, Moralverfall, letztendlich Terrorismus – all das stellt Dostojewski auch als Panorama  von Nihilismus dar. Spannend und aktuell finden auch die DarstellerInnen von TheaterTotal Dostojewskis Darstellung des Terrorismus, wie Paul Wiesmann betont: „Das ist Terror, der dazu dient, die Gesellschaft zu zerstören.“ Trotzdem versuche Dostojewski die Beweggründe zu hinterfragen, wie Wiesmann meint: „Er hat ein großes Verständnis für die Täter und stellt sie auch als Opfer dar. Eigentlich sind das verlorene Menschen.“ Lisa Petsch, die sich um die Tourneeorganisation kümmert, sieht auch wesentliche Parallelen zu heutigen Erscheinungsformen des Terrorismus: „Das sind Zeiten, in denen sich die Menschen unsicher fühlen und für andere Zwecke benutzen lassen. Das wird im Stück dargestellt.“

Nach der Premiere geht es auf Tournee

Die Vorbereitung auf die Premiere bedeutet für die jungen Laien-DarstellerInnen zwischen 17 und 26 Jahre aber auch viel Arbeit: „Hin und wieder gab es ein Wochenende, aber das ist nun Vergangenheit, jetzt wo das Stück ansteht“, so Wiesmann. Mitte April beginnt dann die Tournee von TheaterTotal, bei der die Dostojewski-Adaption in verschiedenen Städten der Republik zu sehen ist. Vorher steht aber noch am 27. März die Premiere in Bochum an. Es bleibt also nur noch wenig Zeit, um bis dahin nicht nur Regisseurin Wollrath-Kramer, sondern auch das Publikum restlos zu überzeugen. 
 
Premierenwochenende: 27./ 28.3. 
Weitere Termine findet ihr im Netz unter: 
 
:Benjamin Trilling