Die Auseinandersetzung der :bsz mit der Baader-Meinhof-Gruppe und der RAF
„Die RAF muss weg von der politischen Bühne“
Quelle: :bsz-Archiv
Rote Fahnen in der Innenstadt: Die Revolutionäre waren in Bochum in der Minderheit. Quelle: :bsz-Archiv
Rote Fahnen in der Innenstadt: Die Revolutionäre waren in Bochum in der Minderheit.
18. Oktober 1977: Wärter des Hochsicherheitsgefängnisses Stuttgart-Stammheim finden die Körper der führenden Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) beziehungsweise der Baader-Meinhof-Gruppe leblos in ihren Zellen. Mit ihrem Tod geht eine blutige Episode deutscher Zeitgeschichte zu Ende. Mit Bomben, Attentaten und Banküberfällen hatte die RAF Gesellschaft und Medien sieben Jahre lang in Atem gehalten und beschäftigt. Auch die :bsz setzte sich in mehreren Artikeln kritisch mit der Organisation und dem Terrorismus auseinander. 
 
In zwei theoretisch fundierten Texten, die 1970 und 1972 erschienen, hinterfragte die :bsz zwei zentrale Grundlagen der Strategien der Baader-Meinhof-Gruppe. Dem individuellen Terror erteilte sie eine klare Absage: „Die ‚heldenhaften‘ Berliner Bombenleger sind lächerliche Pechvögel, die niemand braucht, weil sie es nicht vermögen die Entwicklungsbedingungen der Gesellschaft zu verstehen.“ Der Versuch der Organisation, die Militarisierung offen zu legen hatte für die :bsz den gegenteiligen Effekt: „Während die RAF das Ziel hatte, die Militarisierung der Gesellschaft gegen das Proletariat offen zu legen, führte ihre Praxis im Gegenteil dazu, diese Militarisierung als Militarisierung gegen das Proletariat zu verschleiern, sie viel mehr zu rechtfertigen und ihr die politisierende Kraft zu nehmen.“

Der Fall Holger Meins

Die :bsz hinterfragte jedoch nicht nur die Strategie der RAF, sondern kommentierte auch einzelne Ereignisse, die sich im Umfeld der Gruppe ereigneten und die prägend für die damalige westdeutsche Gesellschaft waren. Über eine Demonstration der kommunistischen Hochschulgruppe zum Tod des RAF-Mitglieds Holger Meins in der Bochumer Innenstadt berichtete sie schon fast hämisch: „Statt der erhofften Solidarisierung der Bevölkerung mit ihren Forderungen schlug den Demonstranten ein bisher kaum gekannter Widerstand der Bürger entgegen.“ 
Trottel von der Bombenfront: Bomben helfen dem Sozialismus nicht. Quelle: :bsz-Archiv
 
Zudem sprach sich die Zeitung gegen die Instrumentalisierung von Meins und seinem Tod im Hungerstreik aus, da dies nicht nur eine „Geringschätzung menschlichen Lebens“ darstelle, sondern auch „die Zweifel und Ablehnung“ an solchen „politischen Avantgarden“ schüre. 

Die RAF und die :bsz

Die Forderung der :bsz: „Die RAF muss weg von der politischen Bühne“ war kein Ausweis ihrer reaktionären Gesinnung oder der bedingungslosen Akzeptanz der bundesrepublikanischen Gesellschaft und ihrer vorherrschenden Meinung. Sie war Ausdruck von Frust, Verzweiflung und Missbilligung darüber, dass diese Gruppe die proletarische Massenrevolution behinderte. 
 
Nach ihrem damaligen marxistisch-leninistischen Credo vertrat unsere Campuszeitung die Ansicht, dass das Volk und nicht Einzelne die Geschichte vorantreiben. Sie teilte, mit kleineren Unterbrechungen; die Ansicht mit der RAF, dass die Repression in der Bundesrepublik bekämpft werden müsse, ohne hierfür jedoch einen bewaffneten Kampf Einzelner oder den Einsatz von Gewalt zu befürworten. Die Ziele mochten sich also gleichen, die Wege zu diesem Ziel waren aber fundamental verschieden. 
 
Gastautor :Jan Freytag
ist Archivar bei der :bsz
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