Vom Verbundensein
„Denk nicht, ich will nicht denken.“
Bild: Birgit Hupfeld
Symbolbild

Der Folkwang Jahrgang F23 hat am Samstag, den 22. Januar, die Premiere von Verbundensein gegeben. Ein Stück, das sein Thema in vielen Facetten beleuchtet.

Das Stück basiert auf dem Essay Verbundensein von Kae Tempest, welches im Sommerurlaub gelesen wurde von Robert Lehniger, dem Regisseur. Er hat daraufhin das dazugehörige Buch gelesen und dachte, dies scheint wichtig für die Ausbildung in der Coronazeit. Es handelt von Kreativität und dem Verbundensein. Es geht um „unser Leben, unsere Schmerzen, unsere Hoffnungen. Um den Glauben, dass uns mehr verbindet als uns trennt.“ 

Das Stück wurde live vor 16 Menschen aufgeführt und für alle anderen gab es einen Live-Stream. Dieser wird auch für das Publikum sichtbar sein, durch clever platzierte Bildschirme vor der Bühne. Man merkt schnell, dass es um Facettenreichheit geht in verschiedenen Themenspektren wie der Kreativität. Die Kameraperspektive ist keineswegs still, so wie die Schauspielenden auf der Bühne, welche aus mehreren schrägen und geraden Plateaus besteht. Es wird sich aktiv vor die Kamera gestellt und mit geschickt eingesetzten Sätzen die vierte Wand ab und zu durchbrochen. 

Es werden Dinge hinterfragt wie die soziale Angepasstheit und unser Leben in so vielen Hinsichten und das auf spannende Art und Weise. Man wird regelrecht zum nachdenken gezwungen. „Denk nicht, ich will nicht denken“ ist die Antwort gewesen auf die ganze Hinterfragung. Es geht um das Abstumpfen, Konkurrenz, Kapitalismus und Konsum. Abstumpfung sei notwendig in dieser Zeit. 

Die Kostüme haben einen blau, rot, gelben Flair mit schwarzen und weißen Elementen. Die Schauspieler:innen haben teilweise nass wirkende, gegelte Haare und sind ebenso teilweise geschminkt. Es gibt atmosphärische Gesangseinlagen, die passend sind zu den Themen, die angesprochen werden. Zum Beispiel gibt es einen Geist der Zeit und einen der Tiefe. Der Geist der Zeit ist darstellbar im Internet, der Geist der Tiefe jedoch, des Unbewussten, den kann man nicht darstellen. 

Gegen Ende wird sogar das auf der Bühne stehen hinterfragt, was eine ganz eigene Komponente in das Werk trägt. Es wird ein Beispiel genannt, indem ein schauspielender Mensch seine Stimmbänder verletzt und daraufhin die Stimme verliert. Es geht auch um das Verbundensein in dem Zuge mit einem Publikum und mit sich selbst. 

Insgesamt wirft das Stück viele Fragen auf und lässt einen mit einem mulmigen und gleichzeitig dankbaren Gefühl zurück. Die Schauspielleistung ist gut und ebenso gut eingesetzt, wer welche Rolle übernimmt. Es ist wirklich abgestimmt und lässt einen wahrlich präsent sein beim Zugucken.                
 

:Lukas Quentin Simon