Uraufführung des Theaterstückes „Regenschauer – Wie ich starb“
„Das Schicksal ist ein Arschloch!“
Screenshot: Theater ohne MIttel
Nicht nur im Musischen Zentrum: „Regenschauer“ verbindet filmische Außenszenen mit Live-Schauspiel auf der Bühne. Screenshot: Theater ohne MIttel
Nicht nur im Musischen Zentrum: „Regenschauer“ verbindet filmische Außenszenen mit Live-Schauspiel auf der Bühne.

Das Theater ohne Mittel brachte am 12. Januar die Uraufführung von „Regenschauer – Wie ich starb“ auf die Bühne des Musischen Zentrums. Autor und Regisseur ist der 20-jährige Nathanael Ullmann (Schauspiel­idol: Johnny Depp), der an der Ruhr-Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. Bei „Regenschauer – Wie ich starb“ handelt es sich um eine Science-Fiction-Biografie, basierend auf der von Ullmann begründeten „Gossenphilosophie“, einer Art Alltagsphilosophie. Kern dieser Weltanschauung ist es, zu beobachten und dadurch aktiv zu werden. „Deswegen kann man die Gossenphilosophie auch als Schattenphilosophie bezeichnen“, erklärt der Autor. Die Inszenierung wird durch das Medium Film unterstützt, indem das Bühnenbild durch getragene und bewegte Kameraaufnahmen ergänzt wird – gespielt wird nicht nur auf der Bühne, sondern in ganz Bochum.

„Ich sage es Ihnen gleich: Ich werde sterben. Nicht, dass Sie am Ende sagen, Sie hätten es nicht gewusst“, verkündet die Hauptfigur Ephraim (Fabian May) zu Beginn, bevor sie uns mit auf ihre Reise nimmt. Doch bevor Ephraim sterben darf, muss er noch so einiges über das Leben lernen: zum Beispiel, dass man auf das Schicksal hören muss. Dass man vom Unglück ins Glück gehen kann. Dass man immer die Möglichkeit hat, seinen Weg zu verändern. Und dass jeder seinen eigenen Sinn des Lebens hat.
Die mysteriöse und weise Gestalt Gent (Marvin Buchkamp) führt Ephraim zu vier Schicksalen, die seiner Lenkung bedürfen. Ephraim begegnet der introvertierten Myri (Enya Benthaus), dem an sich selbst zweifelnden Tom (Alena Johanna Jorko), der gehetzten Helene (Alexandra Aubry) und dem träumenden John (Rico Großer) – Ephraim „streift ihre Leben wie ein Schatten, der Spuren hinterlässt“.
Es geht um Abhängigkeit und Freiheit, um Verzweiflung und Hoffnung, um Leben und Tod und – um Liebe. „Liebe spielt eine viel zu große Rolle in dem Stück“, stellt Ullmann selbstironisch fest. „Sie erfüllt das Ende und den Anfang – sie ist allumfassend“.          

Theater ohne Mittel       

Neun Monate hat die Crew um Nathanael Ullmann an dem Stück gearbeitet, „und nun haben wir unsere Geburt vollbracht“, scherzt Enya Benthaus (Schauspielidol: Ellen Page), Darstellerin der unnahbaren Myri, nach der Aufführung.
Jedoch wird die Crew an ihrem Wunderkind unglücklicherweise keine Einnahmen haben, folglich wieder bei Null anfangen müssen. Mit einem Budget von nur zweihundert Euro musste die zehnköpfige Theatergruppe ihr Projekt auf die Beine stellen, selbsterklärend ist dann der außergewöhnliche Name „Theater ohne Mittel“. Aber der Gruppenname spielt nicht nur auf das niedrige Budget, sondern auch auf die unbeschränkte und elementare Präsenz der Truppe an: „Entweder ganz oder gar nicht“ lautet ihr Motto.
Die Frage ist nun, ob „Regenschauer“ noch ein weiteres Mal aufgeführt wird. „Das kommt ganz auf die Reaktion des Publikums an“, sagt der Regisseur.

Hut ab!

„Regenschauer – Wie ich starb“ ist ein sehr ernstes, berührendes Stück mit traurigem Beigeschmack. Besonders hervorzuheben ist neben dem Autor und Regisseur auch die Sängerin und Songwriterin Alena Gaux, die ebenfalls Germanistik und Theaterwissenschaft an der RUB studiert. Sie begleitet das Theaterstück sowohl mit ihrer zarten Seidenstimme als auch mit ihren ergreifenden Texten. Wenn man nicht nur ins Theater gehen möchte, um amüsiert zu werden, sondern eine Weile vom bitteren Ernst des Lebens zum Nachdenken gebracht werden möchte, sollte man sich „Regenschauer“ auf jeden Fall ansehen, sofern noch einmal die Möglichkeit dazu besteht. Dadurch, dass man von Anfang an weiß, dass Ephraim am Ende sterben wird, zieht die Geschichte die Zuschauer in ihren Bann und fesselt das Publikum mit Neugierde. „Es werden ganz einzigartige Momente geschaffen und jeder findet etwas an dem Stück, was ihm gefällt“, so Nathanael Ullmann.
Das Fazit einer Zuschauerin: „Melancholisch und erschreckend ehrlich“.

Trailer und weitereInformationen unter:
www.ohnemittel.de.tl