Kommentar: Killerspiele als Ursache für Amokläufe und Gewalt?
„Counter Strike“ & Co. wieder in Verruf
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So wird man zum Killer: Mit der Waffe rumrennen und Arznei einsammeln. Foto: euli
So wird man zum Killer: Mit der Waffe rumrennen und Arznei einsammeln.

Die durch den Amoklauf von München wieder hochgekommene Debatte um das Verbot von „Killerspielen“ ist eine grauenhafte Angelegenheit. Dass der Amokläufer aus München „Counter Strike“ gespielt hat, mag ja sein, doch machen es sich sogenannte ExpertInnen und PolitikerInnen sehr einfach, wenn sie an ihrer monokausalen Erklärung festhalten und die Verantwortung im Sündenbock Killerspiele sehen.

Diese Spiele zu verbieten, scheint ein viel leichterer Schritt zu sein, als sich mit der Gesamtthematik etwas näher und ehrlicher zu beschäftigen.

Aus wissenschaftlicher Perspektive ist nicht erwiesen, dass Killerspiele zu mehr Gewaltbereitschaft führen. Dennoch wird die Wissenschaft ständig herangezogen, wenn es darum geht, die Argumente der SpielegegnerInnen zu untermauern. So wird schon seit Beginn des letzten Jahrzehnts damit argumentiert, dass Killerspiele bei Kindern und Jugendlichen für ein höheres Gewaltpotenzial sorgen. Diese wären hauptverantwortlich für Amokläufe an Schulen wie etwa in Erfurt, Emsdetten oder Winnenden. 

Zweifelhafte Logik

Würde man auf der Logik der SpielegegnerInnen aufbauen, dann müssten auch alle Fifa-SpielerInnen irgendwann in der Bundesliga landen. Schach, Mühle, Dame und sogar „Mensch ärgere dich nicht“ müssten genauso verboten werden. Schließlich wird dort auch geschlagen und ohne Gewalt kommen diese Spiele ja auch nicht aus. Dass für manch eineN irgendwann die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt, sehen wir an den AmokläuferInnen, doch ist die Annahme, dass aus diesen Einzelfällen auf alle KonsumentInnen zu schließen ist, ein Fehlschluss.

Ursachen statt Symptome bekämpfen

Viel wichtiger ist, nach dem Umfeld der TäterInnen zu fragen und inwieweit die Gesellschaft zur Verantwortung gezogen werden kann. Wie konnten die TäterInnen so einfach an Waffen und Munition kommen, obwohl sie noch so jung waren? Wieso hat die Vorratsdatenspeicherung den Amokläufer von München nicht aufgehalten? Fragen, bei denen eine monokausale Erklärung nicht funktionieren würde.

:Eugen Libkin