Neue Lesebühne „Wir müssen rEDEN“
„Bierschiss stoppen!“
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Sanfte Sturmgewehre als Ausdruck der Zärtlichkeit: Das trifft sogar harte Metal-Afficionados wie Marock ins Herz. Foto: bent
Sanfte Sturmgewehre als Ausdruck der Zärtlichkeit: Das trifft sogar harte Metal-Afficionados wie Marock ins Herz.

Literatur. Unterhaltsamer Mix aus Slam, Lesung und Musik: Das neue Bühnenformat „Wir müssen rEDEN“ im Café Eden. 

„Am Anfang war das Wort“, heißt es bekanntlich in der Bibel. Die MacherInnen der neuen Bochumer Lesebühne (die beiden Treibgut-Literatur-Aktivisten Marock Bierlej und Tim Szlafmyca sowie die Poetry Slammerin Felicitas Friedrich) haben genau das beim Wort genommen: „Wir müssen rEDEN“, so der Titel der nun bereits dritten Ausgabe des Lesebühnen-Formats im gemütlichen Café Eden, das lose Motive aus der Bibel aufgreift. An diesem Abend etwa die Vertreibung aus dem Paradies.

„Wir müssen reden“, das kann auch heißen, einfach loszulabern. So wie im sinnbefreiten Wortwechselschwall zwischen  Tim Szlafmyca und Miedya Mahmod. Das Prinzip: Dem Gegenüber Fragen stellen und bei den Antworten möglichst pointiert die Begriffe unterbringen, die gezogen wurden. Das kann auch philosophische Dimensionen annehmen. Etwa, wenn Szlafmyca wissen möchte, was  Miedya Mahmod so anstellen würde, hätte sie die Macht eines Jedi-Ritters. Die moralische Antwort der Poetry Slammerin: „Jeglichen Bierschiss auf dieser Welt stoppen!“

Hermeneutische Funde: Marocks „LyRock-Analyse“ 

Neben diesem gepflegten Schabernack gab es natürlich auch Slam und Literatur: Mutige Verse über unerfüllte Liebe in den Beiträgen von  Miedya Mahmod und Felicitas Friedrich. Auch eine Begegnung der dritten Art auf ein kühles Bier im Bermuda3Eck in der Kurzgeschichte von „Die Relativität der Gleichzeitigkeit“-Schöpfer Tim Szlafmyca oder Marocks „LyRock-Analyse“, in welcher der Reich-Ranicki des Metal-Krachs ungeahnte hermeneutische Funde in den Songs der Band Eisregen auffindet. Etwa Verbindungen zu Heinrich von Kleist oder die Dekonstruktion eines „sanften Sturmgewehrs“ im Song „1000 tote Nutten“ als verborgenen „Ausdruck der Zärtlichkeit“. Biblisch klang das dann aber nicht mehr. 

Und es bleiben nicht die letzten Worte: Die Lesebühne „Wir müssen rEDEN“ mit Gästen aus Literatur und Poetry Slam gibt es  jeden dritten Mittwoch um 19:30 Uhr im Café Eden.

:Benjamin Trilling