Willkommen und setz Dich erstmal
„Besser als Jesus“
Bild: kiki
Symbolbild

5-MeO-DMT. Auch bekannt als das sogenannte Gottes-Molekül ist DMT kein uns unbekannter Stoff. An ihm lässt sich aber zeigen, was die Probleme von Prohibition und mangelnder Transparenz sind, wenn wir von Drogenpolitik reden.

Vorab muss ich eine Sache klarstellen: Dimethyltryptamin (DMT) zählt Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln. Es ist die höchste Klassifizierung, die ein Betäubungsmittel in Deutschland bekommen kann. Im Vergleich zählt Methamphetamin zur Anlage II und Oxycodon – eine Substanz, die in die Kategorie der Opiate fällt – zur Anlage III, was diesen Stoff verkehrsfähig und verschreibungsfähig in Deutschland macht. Wie kommt es aber, dass auf der einen Seite DMT zu einem der am meisten gefeierten Stoffe in der psychedelischen Gemeinschaft zählt und auf der anderen Seite als einer der gefährlichsten Stoffe klassifiziert wird, die es auf dem Markt geben kann – zumindest, wenn man nach der Gesetzgebung geht? Wie kommt es zu diesen zwei Extremen, die weiter voneinander nicht entfernt sein könnten?

Zuerst aber ein wenig über die Geschichte von DMT. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass diese geprägt ist von europäischem Kolonialismus, was dieser Substanz einige Vorurteile entgegenbrachte. Verschiedene ethnische Gruppen, vor allem in Südamerika, brauen schon seit mehreren tausend Jahren unterschiedliche Tränke, die alle aus einer Kombination aus Pflanzen besteht, wovon mindestens eine dieser Pflanzen die Substanz DMT enthält. Diese Tränke werden dann in ritualisierter Form konsumiert, bis heute. Die westliche Wissenschaft tat sich circa hundert Jahre lang sehr schwer damit, herauszufinden, was DMT jetzt eigentlich ist und forschte bis Mitte des 20. Jahrhunderts an dem Ursprung des Moleküls. Mittlerweile lässt sich ziemlich sicher sagen, dass sich DMT in fünfzig Pflanzen finden lässt, angeblich noch in einem Schwamm und in einer Kröte – zu dieser werdet ihr gleich noch mehr erfahren. Durch kuriose Selbstversuche – man denke hier an Terence McKenna oder Albert Most – wurde immer mehr Aufklärung möglich und das Mysterium DMT erlangte durch verschiedene psychedelische Subkulturen im Laufe des 20. Jahrhunderts Eintritt in Europa. Hier beginnt auch das Verbot von DMT. 

Ohne wirkliche Begründung steht nun DMT neben Substanzen wie Heroin, aber sind diese beiden Substanzen auch wirklich gleich gefährlich? Ist nicht vielleicht doch irgendetwas an der Klassifizierung von Substanzen grundlegend falsch? Vielleicht sollte ich hier mal ungefähr die Wirkung von DMT beschreiben, bevor ich diese Fragen beantworte. Dabei habe ich ein paar Menschen gefragt, die entweder regelmäßig oder zumindest einmal in ihrem Leben DMT konsumiert haben – natürlich werde ich hier keine Namen nennen. Generell wird der Rausch von DMT so beschrieben, dass man sehr starke halluzinogene Erfahrungen macht, die so weit gehen, dass man sich wie in einer anderen Dimension fühlen soll. Die Dauer eines solchen „Trips“ kann variieren, aber ist meistens spätestens nach circa einer halben Stunde vorbei. Um die gewünschte Wirkung eines Rauschzustandes zu erzielen raucht man DMT meistens. Hierfür reichen 2-15mg des Stoffes aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die Wirkung von DMT tritt sehr schnell ein und man sollte es in einem angemessenen Umfeld konsumieren – zu anderen Gefahren aber später noch mehr. Die Personen, die ich befragte, gaben mir alle sehr unterschiedliche Antworten. Einer meinte scherzhaft „das ist besser als Jesus“ und oft wird mir gesagt, dass man es meistens nicht in Worte fassen kann, wie es ist, weil man sich auch nicht mehr wirklich erinnern kann, wie es war. Immer wieder wird mir von neuen Dimensionen erzählt und ich merke in den unterschiedlichen Erfahrungsberichten dann doch die ein oder andere Konstante: Die außerkörperliche Erfahrung verbunden mit einer spirituellen Erleuchtung, die sich zwar nicht beschreiben lässt, aber zumindest im Gedächtnis bleibt. Wirklich weiter bringt mich das nicht, aber es macht weniger den Eindruck, dass wir hier von einer Substanz reden, die körperliche Schäden hinterlässt oder süchtig macht – bis auf Übelkeit und das Inhalieren von Rauch halten sich körperliche Beschwerden beim Konsum von DMT in Grenzen, ein erhöhtes Suchtverhalten wurde bei DMT noch nicht entdeckt. Trotz allem darf man DMT nicht allzu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Eine Nebenwirkung von DMT kann ein schlechter Trip sein, der im schlimmsten Fall langanhaltende psychische Folgen haben kann. Nach Angaben des Global Drug Surveys hatten rund sechs Prozent der befragten Personen einen „Horrortrip“ auf DMT. Bei Menschen mit der Veranlagung zu psychischen Störungen können psychoaktive Substanzen diese begünstigen. Eine besondere Gefahr besteht für Menschen, die serotoninhaltige Mittel einnehmen. Hier kann DMT das sogenannte Serotoninsyndrom auslösen, was zum Tod führen kann. Ist das also die Begründung, warum DMT in Deutschland als so gefährlich eingestuft wird?

Das Problem der deutschen Drogenpolitik ist mangelnde Transparenz. Zwar kann man einsehen, welche Stoffe illegal sind, aber ein wirklicher Diskurs über die Effektivität solcher Kategorisierungen gibt es nicht. Wir leben in Zeiten strikter Prohibition und in Sachen Drogenpolitik werden wir mehr von Ängsten und nicht von wissenschaftlicher Erkenntnis geleitet, was aber fatale Auswirkungen in verschiedenen Bereichen haben kann. 

Am absurdesten ist wohl die Geschichte eines Frosches. Die Coloradokröte produziert zur Selbstverteidigung ein Gift, das 5-MeO-DMT enthält und als der heilige Gral psychoaktiver Substanzen gilt. Fängt man einen dieser Frösche, kann man das Gift extrahieren und verdunsten lassen, was übrig bleibt ist dann 5-MeO-DMT. Immer wieder wird die Coloradokröte aus genau diesem Grund von Menschen gejagt. Dadurch, dass DMT an immer größerer Beliebtheit gewinnt, muss man sich die Frage stellen, wie viel mehr diese Kröte wegen ihres Giftes gejagt wird und schon jetzt werden Stimmen aus Forscherkreisen lauter, dies zu unterbinden. DMT ist in seiner Reinform problemlos synthetisierbar. Das Ausweichen auf Lebensräume wilder Tiere zur Erlangung dieser Substanz ist fast nur darauf zurückzuführen, dass sowohl Konsument:innen wie Politiker:innen kein wirkliches Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnis haben, wenn es um Drogen geht. Hier wird einem nochmal deutlich, wie trugschlüssig mangelnde Information zur Bekämpfung von Drogenmissbrauch wirklich ist. Um den Ethnopharmakologen Christian Rätsch aus einem Spiegel-Interview zu zitieren: „Im Übrigen produziert der Mensch auch seine eigenen Drogen, etwa Dimethyltriptamin, kurz DMT, einen Stoff, der im Körper natürlich vorkommt […]. Im Grunde sind wir alle illegal.“ Es ist dieses absurde Nichtwissen, was problematisch ist an der deutschen Drogenpolitik. Wir kriminalisieren Substanzen, ohne dabei ein Spektrum wissenschaftlicher Erkenntnis zu diesen Themen in Bezug zu nehmen und treffen willkürliche Entscheidungen, die mehr einem Bauchgefühl entsprechen anstelle verantwortungsvoller Überlegung. Natürlich ist Cannabis kein Broccoli, aber eine Kartoffel enthält Diazepam, verbieten wir sie deswegen jetzt auch?

:Gerit Höller