Kommentar: Müll produziert jedeR – das ist aber keine Entschuldigung
ÖkofetischistInnen auf dem Plastikfrei-Vormarsch?
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Vier Leute, ein Grillabend: 150 Gramm Plastik in weniger als drei Stunden. Verrotten wird das Zeug nie. Foto: ken
Vier Leute, ein Grillabend: 150 Gramm Plastik in weniger als drei Stunden. Verrotten wird das Zeug nie.

Kommentar.  Eingeschweißte Gurken, eingewickelter Eisbergsalat, Paprika, Tomate und Zucchini jeweils in einen Beutel gesteckt. Muss das wirklich sein? 150 Gramm Plastik bei einmal Grillen mit vier Personen. Redakteurin Kendra ist geschockt.

Einmal spontan Grillen mit FreundInnen. Kurz ’ne WhatsApp: „Hi, habt ihr Bock kurz rumzukommen?“ Fix ins Auto, ab zum Discounter. „Denk an Lisa, die ist Vegetarierin“, sagt mein Kollege, als wir durch die Gemüseabteilung gehen. Pilze werden eingepackt, ein Päckchen Tomaten landet im Einkaufswagen, eine Paprika wird in einen Beutel gesteckt und abgewogen. Eisbergsalat fehlt noch, es kommen Brot und Fleisch dazu. An der Kasse dann die Erkenntnis: Wir haben keine Tasche mit! Praktisch: man kann  eine für 20 Cent erwerben. Und ab nach Hause. Spaß und Party winken. Und in meinem Kopf dreht sich (nachdem ich gerade den Unverpackt-Artikel auf  Seite 8 geschrieben hatte) ein Gedanke im Kreis: Brauchen wir den ganzen Plastikscheiß wirklich? 

Der Verpackungs-Irrsinn

Muss man den Eisbergsalat wirklich einschweißen? Ist es notwendig, die Salatgurke in ein Plastik-Kondom zu zwängen, wo sowieso jedeR Zweite die Schale wegwirft – entgegen guter Reden, dort befänden sich die meisten Vitamine? Die Tomaten in handlichen 600 Gramm Schalen, die mir mengenmäßig womöglich gar nicht reichen oder zu viel sind, aber sie sind ja so praktisch und so stapelbar und überhaupt vor allem so sauber, weil ja nicht jedeR mit seinen/ihren Wichsgriffeln schon daran rumgegrabbelt hat. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, wasche ich sie lieber nochmal ab. Und selbst, wenn nicht alles schon verpackt ist: Ein Säckchen für die Tomate, eins für die Zucchini, fünf Pilze in die dritte Tüte und die Paprika kriegt auch ’nen eigenen Sack. Völlig normal? Ja. Deshalb richtig? Nein. 

Was glaube ich denn, was passiert, wenn ich die Tomate mit der Paprika, den Pilzen und der Zucchini in eine Tüte stecke und einfach alle Sticker vom Wiegen auf den Sack klebe? Krieg der Kürbisgewächse, weil Zucchini, Gurke und Aubergine sich nicht mögen? Oder weil sie sich doch mögen und die Tomate mobben?

Fakt ist, es passiert gar nichts. An der Kasse dauert es nicht länger (das war meine Erfahrung beim Einkauf), es ist nicht schwerer/sperriger/unkomfortabler/unhöflicher oder sonst irgendwas. Tatsache ist, es kümmert niemanden.

Zeit, was zu ändern

Nicht jedeR, der sich mal darüber informiert, nachdenkt und Rücksicht nimmt, ist direkt einE ÖkofetischistIn. Niemand wird wegen einer Plastiktüte weniger direkt zum/zur übereifrigen UmweltschützerIn. Es ist nicht der Beginn einer schleichenden Erkrankung, an deren Ende der vegane Lebensstil mit skurril gemusterten Leinenhemden und Korksandalen steht. Es ist ein kleiner Schritt in eine Richtung, die die Hoffnung birgt, dass Deine Nachkommen noch Schildkröten sehen, in die keine Getränkehalter eingewachsen sind und nicht in einer Flut aus Müll Deiner, unserer, Generation ersaufen. 

Nachdem Mitredakteurin Kasia in Ausgabe 1116 schon über die Kaffeebecher an der Uni schrieb, hier auch von mir ein kleiner Appell: Keine Angst vor dem Vegetable War in der Plastiktüte. Wenn nicht im großen Stil, leiste einen kleinen Beitrag für die Umwelt und denk einfach drüber nach, ob die Tomate nicht doch zu der Paprika kann. Sie landen am Ende sowieso beide im Chili con/sin Carne.

           :Kendra Smielowski