Bild: Ob privat oder beruflich – Der Steampunk-Jahrmarkt ist vielen Fans immer wieder eine Reise wert., Steampunk-Jahrmarkt verzaubert Bochum Collage: Jan Turek

Historischer Jahrmarkt. Viktorianische Science-Fiction-Kostüme, historische Fahrgeschäfte und weitere ausgefallene Requisiten: Zum vierten Mal kamen in der Jahrhunderthalle Hutmacher, Star Wars-Abtrünnige und andere Fans der Subkultur zusammen.

Zwischen Karussells und Zuckerwatte stehen Oswald, Flo und Ulrike. Die junggebliebene Gruppe hat sich beim ersten Steampunk-Jahrmarkt kennengelernt. Seitdem treffen sie sich jedes Jahr in Bochum. Flo gefällt besonders „die Art der Outfits“. Oswald bevorzugt die Vielfalt: „In anderen Genres ist vieles vorgegeben, beim Steampunk hat man mehr Möglichkeiten.“ Neben dem Jahrmarkt fahren sie auch zu anderen Veranstaltungen, über die sie sich in einer Facebookgruppe informieren. Aber, so erklärt Ulrike: „200 Kilometer Entfernung sind die Schmerzgrenze“.

Sonja und ihr Mann Ralf aus Ratingen kommen seit drei Jahren zum Steampunk-Jahrmarkt. Ihre Kostüme bastelt Ralf im gemeinsamen Keller: „Es fing klein an, jetzt wird es immer mehr. Man schmeißt immer weniger weg und sammelt immer mehr.“ Er selbst bezeichnet sich als „Maker“ in dieser Szene. Das bedeutet für sie: „Nach Möglichkeit alles selber machen aus Sachen, die man findet oder nicht mehr gebraucht werden,“ so Ralf. Hobby-Fotografin Sonja bastelt selbst nicht, lieber fotografiert sie die anderen GästInnen und erfreut sich an deren fantasievollen Kostümen.

Anfänglich kam Ralf aus der Star-Wars-Cosplay-Szene und ist durch Zufall auf Steampunk gestoßen. Dieses Jahr präsentiert er seine Railgun, die seinen ganzen Arm umhüllt, ein futuristisches Gewehr, das mit einem Rädchen bedient wird. In der Szene heißt es, dass Zeitreisende vielen Gefahren ausgesetzt sind, daher müsse man immer bewaffnet sein.

Arbeit und Vergnügen unter einem Hut

Bianca Gleixer, die sich selbst der verrückte Hutmacher nennt, kreiert seit fast elf Jahren Hüte. Alles begann als sie auf ein Gothic-Konzert ging und unbedingt einen Hut tragen wollte, so wurden es nach und nach mehr. „Zum Anfang war ich nur in der Gothic-Szene unterwegs, bin aber dann schnell auf den Steampunk gestoßen, weil Kunden angefragt haben. Dann haben wir irgendwann den Steampunk entdeckt, weil er so facettenreich ist.“ Im Gegensatz zum Gothic sei beim Steampunk alles erlaubt.

Claudia Schleifer kommt aus einer SchaustellerInnenfamilie. Zusammen mit ihrem Mann stellt sie zum elften Mal zwei ihrer historischen Fahrgeschäfte in der Jahrhunderthalle aus. Ein Karussell ist von 1939, wie Claudia erzählt: „Dieses Kraussell ist ein Zufall. Eine Freundin von uns schreibt ein Buch über die Karussellindustrie und bei ihren Recherchen ist sie auf dieses Karussell gestoßen.“ Davon bekam Schleifer Fotos zu sehen und war direkt begeistert. Das Fahrgeschäft war 50 Jahre in einem Schuppen eingelagert, daher hat es bisher immer noch die originale Aufmachung. Auf einem Holzschild steht „eine Fahrt ins Paradies“. Die Schleifers strahlen sehr viel Lebensfreude aus, während sie die GästInnen auf ihrer Karussellfahrt fragen, ob nun „Tempo“ gefahren werden soll.

Nicht nur Steampunk 

Es zog auch einige aus Neugier zum Jahrmarkt, so wie zum Beispiel Kai, der Psychologie an der Ruhr-Uni studiert. Er selbst hat nichts mit Steampunk zu tun, wurde aber von FreundInnen eingeladen, mitzukommen. Er kann sich vorstellen, nächstes Jahr wiederzukommen und sich dann auch zu verkleiden: „Ich fand es sehr interessant, die ganzen Kostüme zu sehen.“

Interesse an weiteren Veranstaltungen des Historischen Jahrmarkts? Mehr auf Seite 7!        

:Katharina Cygan

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