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Ärztemangel oder Ärzteschwämme: Flache Lösungsvorschläge von Ulrike. - Foto: pixelio.de / Henrik G. Vogel„Es wird Zeit, dass wir offen über den Numerus Clausus für das Medizinstudium sprechen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Ulrike Flach in einem Interview mit der Welt. „Das Auswahlverfahren für das Studium wirkt wie eine Barriere bei der Versorgung mit Ärzten.“ Flach schlug vor, mit Bundesländern und Universitäten über gelockerte Zugangsmöglichkeiten zu verhandeln.

In den Tagen zuvor hatte der Marburger Bund, die Ständegewerkschaft für angestellte und verbeamtete Ärztinnen und Ärzte, vor einem Personalmangel gewarnt. Der Interessenverband begründete dies allerdings nicht mit den Zugangsbeschränkungen für das Studium, sondern mit den aus seiner Sicht unattraktiven Arbeitsbedingungen.

Viermal mehr Bewerbungen als Studienplätze

Das prestigeträchtige Studium der Humanmedizin lockt jedes Jahr weitaus mehr BewerberInnen, als Studienplätze vorhanden sind. Im Wintersemester 2009/10 kamen insgesamt über 37.000 Bewerbungen auf bundesweit 8.512 Plätze. 1,7 als Durchschnittsnote oder zehn Wartesemester waren im Nachrückverfahren die unteren Grenzen für die Zulassung.

Die Zuweisung der Studienplätze wird jedes Semester von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) organisiert. 20 Prozent der Studienplätze gehen an die Abiturbesten, weitere 20 Prozent werden nach Wartesemestern vergeben. Im sogenannten Auswahlverfahren der Hochschulen werden die übrigen 60 Prozent organisiert. Dabei dürfen die Universitäten in einem gewissen Rahmen ihre BewerberInnen selbst aussuchen. Grundlegendes Auswahlkriterium muss aber weiterhin die Abiturnote sein. An der Ruhr-Universität und fünf anderen Universitäten zum Beispiel können die BewerberInnen mittels eines fünfstündigen fachspezifischen Tests ihre Durchschnittsnote verbessern.

Mehr Verteilungs- denn Personalproblematik

2002 wurde in Deutschland erstmals von einem Ärztemangel gesprochen, als die Bundesärztekammer vor absehbaren personellen Engpässen warnte. Das Problem ist allerdings komplex: Vor allem in ländlichen Gebieten in Ostdeutschland finden ÄrztInnen, die in Ruhestand gehen, keine NachfolgerInnen. In Ballungsräumen hingegen ist eher ein Überfluss zu konstatieren. Neben der größeren Attraktivität als Wohnort liegen die Ursachen hierfür im Aufkommen von PrivatpatientInnen sowie in der unflexiblen Honorarpolitik der Kassenärztlichen Vereinigung. Bundesweit ist die Zahl der MedizinerInnen in den letzten Jahren und Jahrzehnten beständig gestiegen und liegt über dem OECD-Durchschnitt.

Lasst mich Arzt, ich wähl‘ FDP?

Wenn Frau Flach den Numerus clausus (NC) eine Barriere nennt, liegt sie damit vollkommen richtig. Das soll er nämlich auch sein, um die begrenzte Anzahl an Studienplätzen zu verteilen. Der NC steht als entscheidendes Kriterium für den Bildungsweg schon lange in der Kritik. Aber würde man die Zulassungsbedingungen nun künstlich senken, um die Zahl der Studierenden zu erhöhen, hieße dies, die Universitäten im Angesicht von doppelten Abiturjahrgängen über alle Maßen zu strapazieren. Und der Vorschlag der FDP ist nicht neu: Erst im September 2009 stellte die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt von der SPD den NC für Medizin infrage. Erneut zeigt sich, dass die Politik im Bildungssektor, wo nur eine Erhöhung der staatlichen Ausgaben wirkliche Besserung versprechen könnte, lediglich Flickschusterei präsentiert. Statt eine angemessene Anzahl an Studienplätzen zu finanzieren, wird die Qualität der Lehre immer weiter verwässert.

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