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Nachdem die Studierenden im letzten Jahr vorgeschlagen hatten, wenigstens die tatsächliche Verwendung bei der Gebührenhöhe zu berücksichtigen und entsprechend nur noch 250 Euro pro Semester zu erheben, sind Projekte für „innovative Lehre“ und ähnliche als Verbesserung getarnte Elitemaßnahmen an allen Ecken der Uni pilzartig aus dem Boden geschossen – finanziert aus Studiengebühren. Auch von uni-internen Wettbewerben, in denen die Fakultäten um größere Anteile vom Gebührenkuchen streiten können, war bereits die Rede. Und um schließlich sowohl die Erhebung allgemeiner Studiengebühren als auch ihre Höhe vollends zu legitimieren, hat das Rektorat den diesjährigen Bericht über die Gebührenverwendung mit Stellungnahmen der Fachschaftsräte verziert, in denen selbige versichern sollten, dass alle aus Gebühren finanzierten Projekte in ihrem Sinne seien. Doch eines hat Elmar Weiler, der von der Hochschulrektorenkonferenz seiner „klaren Linie“ wegen jüngst zum „Rektor des Jahres“ gekürt wurde, bei seiner Werbekampagne vergessen: Egal wie viele Kleinprojekte für „exzellente Lehre“ er ins Leben ruft, die Studienbedingungen für die Masse werden sich dabei nicht verbessern. Und eine Massenuni ist die RUB nun einmal. Außerdem scheint es an einer Hochschule, an der Studierende nicht einmal ungehindert ihre Plakate für die nächste Fachschaftsparty aufhängen können, geradezu lächerlich, von studentischer Mitbestimmung zu sprechen.

Gründliche Evaluation

Im letzten Jahr hat der Senat eine gründliche Evaluation des Bochumer Gebührensystems für Donnerstag, den 30. April, fest zugesagt. Damals wurde für diesen Tag allen GebührenkritikerInnen die Gelegenheit versprochen, mit dem Senat über die Sinnhaftigkeit der letzten drei Jahre zu diskutieren.

Senkung jetzt – Abschaffung bald

Die studentische Senatsfraktion hat deshalb für die Sitzung am kommenden Donnerstag eine Reihe von Anträgen vorbereitet, in denen es sowohl um die Gebührenhöhe als auch um weitreichendere Möglichkeiten gehen soll, sich befreien zu lassen – beispielsweise für schwangere Frauen. So wichtig es jedoch ist, die Auswirkungen der Studiengebühren in sozialer Hinsicht abzufedern, so wenig löst es das grundsätzliche Problem. Die meisten Senatsmitglieder sind der Ansicht, dass die Entscheidung pro oder contra Studiengebühren längst gefallen sei. Sie lehnen es ab, sich mit den Folgen dieser Entscheidung sowohl an als auch außerhalb der Universität auseinanderzusetzen. Gleichzeitig behaupten sie, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Dass diese „Verantwortung“ nicht mehr ist als Angst vor einer Landesregierung, die von Jahr zu Jahr systematisch die Mittel für das Bildungswesen kürzt und mit der man sich nicht anlegen möchte, hören die Damen und Herren Senatoren freilich gar nicht gern – und gehen deshalb jeglicher Reflexion ihrer Entscheidung immer wieder aus dem Weg – offenbar in der Erwartung, dass der von ihnen vollzogene Schritt in Richtung eines sozial selektiven, privatisierten Bildungssystems weniger schlimm sei, solange sie sich nicht mit den Folgen auseinandersetzen müssen. Es ist deshalb wichtig, dass die Betroffenen des Systems, in diesem Fall die StudentInnen der Ruhr-Uni, am Donnerstag den Senat aufsuchen und dafür sorgen, dass wieder über das gesprochen wird, was entscheidend ist: die Abschaffung der Studiengebühren.

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