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Besonders viel Applaus erhielt dort die Rede des Köner DGB-Vorsitzenden Uellenberg van Dawen, der davon berichtete, wie in seiner Stadt erfolgreiche Massenblockaden den rechtsextremen „Anti-Islamisierungs-Kongress“ verhindert hatten. Er machte deutlich, dass er Blockaden unterstützt, so lange sie friedlich bleiben. Scharf kritisierte er den Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner, der anders als sein Kölner Kollege den NPD-Aufmarsch mit massivem Polizeiaufgebot durchsetzen wollte. Der stellvertretenden DGB-Landesvorsitzenden Birgit Beier (CDU) war das offensichtlich zu viel: Unabgesprochen mit dem Vorbereitungsbündnis organisierte sie sich das Mikrofon und forderte das Publikum auf, in der Innenstadt zu bleiben und sich den Nazis nicht entgegenzustellen – was sich über 1.000 der TeilnehmerInnen aber nicht zu Herzen nahmen, als sie sich trotzdem nach dem Ende der Kundgebung auf den Weg Richtung Schauspielhaus machten. Dort unterbrachen die FaschistInnen ihren Aufmarsch vom Hauptbahnhof durch die südliche Innenstadt indessen, um über zwei Stunden lang ihren hetzerischen braunen Spuk zu zelebrieren. Die Polizei hat den Platz weiträumig abgeriegelt und verbreitet eine gespenstische Bürgerkriegsatmosphäre. Derweil erinnert die U-Bahn-Haltestelle Oskar-Hoffmann-Straße an die Ostberliner Geisterbahnhöfe vor der Wende: Die U35 hält hier nicht mehr.

Mit weiträumigen Absperrungen versuchte die Polizei, die GegendemonstrantInnen davon abzuhalten, zumindest in Hörweite des Kundgebungsplatz der Nazis zu gelangen, um ihre ausländerfeindlichen Reden von unabhängiger Seite auf den Straftatbestand der „Volksverhetzung“ abzuklopfen. Trotzdem gelang es vielen hundert GegendemonstrantInnen, direkt an der Strecke und vor dem Schauspielhaus lautstark zu protestieren. So dürften die wenigen Neonazis, welche die NPD zu ihrer angeblich landesweiten Demonstration nach Bochum mobilisieren konnte, trotz der Polizei-Unterstützung wenig Spaß an ihrem Aufmarsch gehabt haben. Schließlich waren sie selbst an der eigentlich abgeschirmten Marschroute deutlich in der Unterzahl, und ihre zentrale Kundgebung wurde von der Lautsprecheranlage auf dem Balkon des Schauspielhauses übertönt. „Nazis, verschwindet aus unserer Stadt“, donnerte die Stimme von Manfred Böll hinüber zur NPD-Versammlung und sorgte für großen Unmut bei den neofaschistischen Rednern.

Obwohl sich der antifaschistische Protest an der Neonazi-Route durchweg laut, aber friedlich zeigte, kam es zu offensichtlichen Provokationen durch die „OrdnungshüterInnen“: Nachdem kleinere friedliche Blockaden antifaschistischer AktivistInnen nach Zeugenaussagen ohne die vorgeschriebene dreimalige vorherige Aufforderung, die Straße zu räumen, sehr ruppig aufgelöst worden sind, kommt es immer wieder zu erneuten Provokationen seitens der Staatsmacht. Wiederholt durchfahren Motorradpolizisten mit riskanten Manövern die Reihen der AntifaschistInnen – offensichtlich um ein bedrohliches Szenario zu suggerieren, diese jederzeit einkesseln zu können. Zudem werden die gesamten Gegenaktivitäten zum Naziaufmarsch permanent ausgespäht – abgesehen von einer Frittenbude an der Oskar-Hoffmann-Straße bleibt kaum ein Fleck vom Fokus der Polizeikameras ausgespart.

Peinlich wie immer: Polizeipräsident Wenner

Thomas Wenner hat sich durch den massiven Polizeieinsatz zum Schutz der Faschisten dauerhaft diskreditiert. Rhetorisch setzte er dem Ganzen bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Naziaufmarsches durch eine absurde Gleichsetzung, mit der er die antifaschistischen Aktivitäten zu delegitimieren suchte, die Krone auf: „Die Rechtsextremen stehen für KZs, die Linksextremen fürs Gulag“, wird er im Internet-Portal www.bo-alternativ.de zitiert. Dies könnte man wie schon bei früheren Anlässen als weiteren peinlichen Ausfall eines frustrierten, gealterten Mannes abtun – wenn nicht die gesamte Stadt unter der daraus resultierenden Polizeistrategie zu leiden hätte.

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