Um die FIFA-Auflagen zu erfüllen, muss Bochum kräftig investieren: Nach den Berechnungen der Stadtverwaltung fallen dafür rund drei Millionen Euro an – Umsatzsteuer und diverse Gastgeberverpflichtungen kommen noch dazu. Zwei Millionen sind für das Jahr 2009 angesetzt und fließen vor allem in Baumaßnahmen. Einige davon würden dauerhaft dem VfL zugute kommen, wie zum Beispiel der Ausbau der Sanitärenanlagen für Frauen im Stadion. Weiterhin müssten in den Jahren 2010 und 2011 jeweils eine halbe Million für die organisatorische Aufgaben als Host-City ausgegeben werden, so die Verwaltung.

Fragwürdige Kostenprognose

Die von der Stadtverwaltung aufgestellte Kalkulation ist jedoch nur eine erste Prognose und keinesfalls als fixer Kostenpunkt zu verstehen. Die Ausgaben der Stadt werden selbst nach Ansicht der SPD-Ratsfraktion, die sich offen für die WM aussprach, um Millionen höher liegen. Die Ratsfraktionen der Grünen und Die Linke kritisierten nicht nur die Kosten deutlich: Die FIFA habe einen „Knebelvertrag“ vorgelegt, der sich knapp an der Grenze zur Sittenwidrigkeit befinde, sagte Grünen-Sprecher Wolfgang Cordes. Beide Ratsfraktionen stimmten dennoch mit einem Verweis auf ihren „Respekt für den Frauenfußball“ nicht gegen die Unterzeichnung, sondern enthielten sich der Stimme.

Schweizer Konten

In der Tat: Mit dem so genannten „Host-City Vertrag“ hat sich Bochum einen Klotz ans Bein gebunden, dessen finanzielle Auswirkungen unüberschaubar sind. Die Vereinbarung, die Schweizer Recht unterliegt, wälzt jegliche Haftung von FIFA und DFB auf die Stadt ab, obwohl alle maßgeblichen organisatorischen Entscheidungen in den Händen der Verbände bleiben. Verhandlungsmöglickeiten: Keine. Letztendlich setzte die FIFA Bochum die Pistole auf die Brust: Sollte der Vertrag nicht schon sechs Wochen nach Übersendung unterschrieben zurückgeschickt sein, wäre die Stadt raus aus dem Verfahren. Diesem Druck gab der Rat willig nach und geht auf den finanzpolitischen Blindflug – während zum Beispiel ein lokales Nahverkehrs-Sozialticket wegen angeblicher Unfinanzierbarkeit bei CDU, SPD und Grünen nach wie vor keine Chance hat.

Kein Cent im Haushalt

Obwohl die Verwaltung selbst vorrechnete, dass mindestens drei Millionen Euro notwendig sind: Im Haushaltsentwurf, der ebenfalls am Donnerstag in den Rat eingebracht wurde, ist bisher kein einziger Cent für das Millionenspektakel vorgesehen – dafür aber ein Defizit von 134 Millionen Euro. Stadtkämmerer Manfred Busch erklärte im Lokalradio, die WM sei nur durch zusätzliche Schulden zu finanzieren. Der Stadt stehen als Einnahmequellen das so genannte WM-Ticketing und Werbeflächen zur Verfügung. Von Rentabilität kann aber keine Rede sein, denn die zu erwartenden Einnahmen sind um ein Vielfaches geringer als die von der Stadtverwaltung unvollständig kalkulierten Ausgaben.

Bochum als Spielstätte?

Von maximal vier Spielen in Bochum ist die Rede – eventuell auch nur von zweien, wenn man sich die vier Partien noch mit Bielefeld teilen muss. Die Kosten würden allerdings trotzdem gleich bleiben. Die endgültige Entscheidung darüber, ob die Frauen überhaupt in Bochum kicken werden, geben DFB und FIFA Ende September in Berlin bekannt. Die Prognose ist hier aber besser als bei den Kosten: Nur elf Bewerber gibt es für die üblichen acht Spielorte. Die Position Bochums wird dabei von Dortmund und Gelsenkirchen unterstützt, deren Stadien wohl zu groß wären. Andere Ruhrgebietsstädte wie die Frauenfußball-Hochburgen Duisburg und Essen haben sich überhaupt nicht beworben – vielleicht die weisere Entscheidung.

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