Jetzt dicke Prozente absahnen
Die Böller krachten, die Korken knallten, das Löschwasser kam von oben, und der Jubel hielt sich in Grenzen… Und warum? Ganz einfach. Schließlich hält das neue Jahr so einige Veränderungen bereit. Allen voran: die Mehrwertsteuererhöhung. Pünktlich zum 1. Januar 2007 stieg der Prozentsatz von 16% auf 19%. Lediglich Lebensmittel, als Produkte des täglichen Gebrauchs, sind von dieser Regelung ausgenommen und werden weiterhin mit 7% besteuert.

Doch was ist mit dem Rest? Sind diese Produkte jetzt qualitativ hochwertiger oder in jeglicher Hinsicht wesentlich mehr wert? Wohl kaum. Doch um den großen Aufschrei zu vermeiden, täuscht der Januar als Ausverkaufsmonat über die Preiserhöhung hinweg. Rabatte von bis zu 70% sind derzeit nichts Ungewöhnliches, alles muss raus. Platz schaffen für die Sommerkollektion, lautet die Devise. „Fünf für drei“ oder „wir schenken euch die Mehrwertsteuer“, werben andere Modeketten.
Auch ein renommiertes schwedisches Einrichtungsunternehmen fährt mit seiner Marketingstrategie auf Erfolgskurs: Mehrwertssteuererhöhung erst ab Februar. Den ganzen Januar gibt es unsere Produkte noch für die traditionellen 16%. Ganz ähnlich ist auch die Strategie des deutschen Einzelhandels konzipiert, die den Januar als Übergang nutzt. Nur etwa ein Drittel der Unternehmen gibt die Steigerung jetzt direkt an die KonsumentInnen weiter. Zwei Drittel hingegen müssen Einzelhandel und Industrie selbst tragen, aufgrund des extrem großen Preiswettbewerbsdrucks.

Preisgiganten

Doch noch lange nicht lauert aus diesem Grund automatisch überall das Einkaufsparadies. Bereits der Weg dorthin gestaltet sich zumindest für den (noch!-) mobilen Teil der Bevölkerung als deutlich kostspieliger. Denn die Mineralöl-Giganten sind ganz vorne mit dabei: Benzin und Diesel nämlich sind zum Jahreswechsel deutlich teurer geworden. Schuld ist allerdings nicht allein die Mehrwertsteuer; auch neu verabschiedete Gesetze spielen in das Preis-Leistungsverhältnis mit hinein. Während Biokomponenten, welche dem Sprit beigemischt werden, bisher steuerfrei gehandhabt wurden, fiel nach den neuen Bestimmungen pünktlich zum 1. Januar deren Besteuerung mit der Mehrwertsteuererhöhung zusammen. Auf den Verbraucher bezogen bedeutet das eine anfängliche Erhöhung des Literpreises von fünf bis sechs Cent. Aber wie uns die Lebenserfahrung lehrt, kennen diese Preise letztendlich doch nur einen Weg, genau, nach ganz oben. Super kostet nach Angaben von Aral, Esso und Total im Durchschnitt etwa 1,25 Euro. Für Diesel werden etwa 1,10 Euro fällig. Der harte Wettbewerb an den deutschen Tankstellen entscheidet bald, wie sich die Preise in den kommenden Tagen entwickeln.
Glücklicherweise liegt der Spritpreis damit allerdings trotzdem noch unterhalb der Preise des Rekordsommers 2005. Damals mussten AutofahrerInnen für den Liter Superbenzin schon einmal über 1,40 Euro zahlen. Diesel kostete zu dieser Zeit fast 1,20 Euro. In der Folge beruhigten sich die Ölmärkte jedoch wieder und die Spritpreise sanken.

Mehr wert, weniger Jobs

Doch zu dem allgemeinen Unmut über die Preissteigerungen gesellt sich eine dunkle Zukunftsprognose: Die Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozent kostet einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zufolge in den kommenden drei Jahren rund 190.000 Arbeitsplätze. Die Anhebung der Steuer führe zu einem Ausfall der privaten Nachfrage, weil die Kaufkraft der verfügbaren Einkommen sinke. Dadurch würden Wachstum und Beschäftigungsentwicklung deutlich gebremst.
Zum Vergleich: Ohne Mehrwertsteuererhöhung entstünden nach einem Jahr beinahe 130.000 und nach drei Jahren fast 190.000 neue Jobs. Würde die Regierung stattdessen die Zusatzeinnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung ausschließlich zur Senkung der Sozialabgaben nutzen, könnten innerhalb von drei Jahren rund 180.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zwar werde ein Prozentpunkt der Anhebung dazu verwendet, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zu senken. Da aber gleichzeitig die steuerfinanzierten Zuschüsse für die Renten- und Krankenversicherung in gleicher Höhe gekürzt würden, erhielten die Sozialversicherungen insgesamt nicht mehr Geld. Es wird lediglich anders verteilt.

jbö

0 comments

You must be logged in to post a comment.