Aus den Pariser Banlieues schwappt es über die ganze Welt, nun hat dieser famose Freizeitspaß endlich auch Bochum erreicht. Die bsz traf zwei dieser leichtsinnigen Jugendlichen bei der Ausübung ihres außergewöhnlichen Hobbys auf dem Campus der RUB. Hector (18) und Andy (19) erzählen von Paris, Holzkohlehaufen, Knochenbrüchen und Privatschulen.

bsz: Wie seit ihr zum Trassieren gekommen?

Andi: Ein Freund hat mir im Internet einen Link zugeschickt, die zu Videos von David Belle führten. Die Akrobatik und Körperbeherrschung haben mich direkt fasziniert. Ich wollte das gleich selber ausprobieren und bin im Garten über die Abgrabung gesprungen. Ich wollte mich am Terrassengeländer festklammern, hat aber nicht geklappt. Ich hatte dann eine Rippenprellung und eine dicke Beule am Hinterkopf. Tat ganz schön weh.

Hector (lacht): Mein Start ins Trassieren war da wesentlich schmerzfreier. Ich habe in meiner Kindheit viel Zeit im Jugendzentrum verbracht, wo regelmäßig eine Zirkusartistin Workshops für uns Kinder angeboten hat. Als mir beim Skaten mal das Deck gebrochen ist, hab ich dann einfach ohne weitergemacht. Also so skaten ohne Skateboard quasi.

Habt ihr für euer außergewöhnliches Hobby einen Lieblingsspot?

Andi: Parkhäuser und hier an der Uni. Aufgänge und Stahlträger sind ideal. Das ist ja auch das geile da dran, das man es überall machen kann. Man ist einfach frei dabei.

Hector (grinst): Ich laufe einfach drauf los, und wenn mir eine Location ins Auge springt, nehm‘ ich die Herausforderung an. Ohne Musik geht aber nix, die pusht mich zusätzlich.

Wie reagieren Passanten auf eure Aktionen?

Andi: Das ist ganz unterschiedlich. Einige schauen sich das an und finden’s cool, Andere, vor allem Ältere, sind erschreckt und finden das Ganze viel zu gefährlich…

Hector unterbricht: So ein Opa hat mich sogar mal voll aggro angemacht, weil durch Leute wie mich angeblich seine Krankenkassenbeiträge so hoch wären, dabei hatte er ne Kippe im Mund. Und das ist natürlich auch Quatsch, mir ist noch nie was passiert.

Andi: Mir aber schon. Ich hatte schon öfter krasse Verletzungen, was meine Eltern natürlich auch nicht so toll finden. Hab mir schon den Arm gebrochen und mal einen ziemlich komplizierten Mittelfußbruch, und Prellungen sind eh an der Tagesordnung. Mein kleiner Bruder fängt jetzt auch schon an, und meine Eltern machen voll Stress.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Andi: Ich hab Hector in Dortmund gesehen, als er mit einem astrein abgerollten Salto vom REWE-Dach gesprungen ist. Was für ne krasse Aktion das war! Heftig! Ich hab ihn natürlich sofort angesprochen, und seitdem treffen wir uns regelmäßig.

Hector: Bei dem REWE hab ich jetzt auch Hausverbot, weil ich mal in einem Stapel Grillkohle gelandet bin.

Gibt es eigentlich so was wie eine organisierte Szene?

Hektor: Nicht, dass ich wüsste.

Andi: Das läuft eigentlich mehr so übers Internet. Als ich in der zwölften Klasse einen Durchhänger hatte, brauche ich einfach mal eine Pause von dem ganzen Stress und bin im Internet auf Infos über eine krasse Trasseur-Crew in Paris gestoßen. Da bin ich dann einfach alleine los und habe vier Monate mit den Leuten abgehangen und trainiert. Dann ist der Scheiß mit dem Fuß passiert und ich musste zurück nach Deutschland transportiert werden.

Welche Rolle wird das Trassieren in eurer Zukunft spielen?

Andi: Ich glaube, für mich bleibt das eher ein Hobby. Ich mache gerade mein Abi auf einer katholischen Privatschule nach, das hat schon Priorität. Aber es wird natürlich immer wieder Locations geben, denen ich nicht widerstehen kann.

Hector: Ich mach zwar gerade eine Ausbildung zum Werkzeugmacher, aber Stuntman zu werden, ist natürlich immer noch eine Sache, die ansteht. Oder glaubst du, dass Arnold Schwarzenegger in den Filmen alles selbst macht?

Das Interview führten
Benz, sjn und pxb

0 comments

You must be logged in to post a comment.