Tierversuche
Tierversuche an der RWTH Aachen
Das künstlich herbeigeführte Aushungern von Ratten: Ein geeignetes Modell um zum Thema „Magersucht“ zu forschen? Symbolbild: CC0

Forschung. „Ärzte gegen Tierversuche“ kritisiert Experimente mit Ratten an der RWTH Aachen. Diese seien aus „wissenschaftlich unsinnigen“ Gründen ausgehungert worden.

Aktion für Tierschutz an der Uni Bielefeld
Wie Mäuse in ihren Käfigen: Tierschützer*innen protestierten in Bielefeld gegen Tierversuche. An der 24-stündigen Mahnwache beteiligten sich lokale und überregionale Tierschützer*innen.	 Bild: Animal Rights Watch e.V.

Protest. Tierschützer*innen hielten an der Uni Bielefeld eine 24-stündige Mahnwache: Aufgerufen hat ARIWA (Animal Rights Watch) und gefolgt sind VENGA, Bielefeld Animal Save und Ärzte gegen Tierversuche.

Bielefeld hat eine neue medizinische Fakultät bekommen – Anlass für Tierrechtler*innen, gegen Tierversuche zu protestieren. Denn für Dr. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche e. V. steht fest, dass an der neuen Fakultät geforscht wird und dann eben auch an Tieren. Tierversuche gibt es auch an der Ruhr-Universität: Tierschutzbeauftragter Dr. Matthias Schmidt behält dabei die Formalia zur Anmeldung der Tierversuche im Auge. Dennoch lassen mehrere tausend Wirbeltiere jährlich an der RUB ihr Leben. Ob es Alternativen zu den vertrauten Laborraten gibt, lest Ihr im Artikel.

:Die Redaktion

Sind Tierversuche noch zeitgerecht?
20.000 Lebewesen im Jahr: Sind Versuche an Tieren noch zeitgemäß?          				           Symbolbild

Bielefeld. Mit einer 24-stündgen Mahnwache protestierten Tierschützer*innen auf dem Unigelände gegen Tierversuche im Allgemeinen, aber vor allem an der Uni Bielefeld. Zum Protestmarathon vom 23. auf den 24. Oktober wurde von mehreren Tierrechtsgruppen aufgerufen.

Tierversuche sind nicht mehr zeitgemäß

Kommentar. An der RUB müssen jährlich etwa 20.000 Tiere im Namen der Wissenschaft sterben. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Diës und das: 24. April

Der Internationale Tag des Versuchstiers wurde von der britischen Tierrechtlerin Muriel Dowding 1962 ins Leben gerufen. Der Tag soll uns darauf hinweisen, wie grausam Tierversuche sind. Jährlich werden schätzungsweise 100 Millionen Wirbeltiere, wie zum Beispiel Hausmäuse oder Primaten, für Experimente verwendet. Viele der Tiere sterben an den Folgen der Versuche oder werden anschließend getötet. Die Lebewesen werden nicht nur in der Kosmetik-, Tabak- und Pharmaindustrie eingesetzt, sondern auch in der Medizin. Sie dienen dort der Erkenntnisgewinnung zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten.

Knapp 13.000 Wirbeltiere werden jährlich allein an der RUB für Forschungszwecke verwendet. Die RUB bietet sogar im Optionalbereich jedes Semester einen Kurs über die Grundlagen tierexperimenteller Arbeit an. Drei Credit Points bekommt Ihr für diese praktische Übung mit Versuchstieren. Seit dem 1. Januar 2014 besteht an der RUB eine Meldepflicht für alle genetisch veränderten Tiere. Bei sogenannten „überschüssigen“ Tieren (die nicht mehr für Versuche geeignet sind) muss ein triftiger Grund angegeben werden, um das Tier „entsorgen“ zu können, sprich zu töten. Laut dem Tierschutzbeauftragten Matthias Schmidt können diese Tiere jedoch für in-vitro-Versuche (Experimente, die in einer kontrollierten künstlichen Umgebung außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden, wie zum Beispiel in einem Reagenzglas) verwendet werden.

Von zweiköpfigen Tieren und kopflosen Experimenten
Nicht den Kopf verlieren: Die Wissenschaft treibt manchmal seltsame Blüten. - Karikatur: Michael Holtschulte

(Philipp Pauli, koi) „Frankenstein“ ist in unserem Bewusstsein eine Geschichte fern jeglicher wissenschaftlicher Realität. Mary Shelley ließ 1818 ihren fiktiven gleichnamigen Wissenschaftler ein menschliches Wesen aus verschiedenen Körpern erschaffen. Aber ist die Geschichte des außer Kontrolle geratenen Monsters wirklich nur bizarre Science-Fiction?

Die Vorstellung, einen nach dem Bau­kastenprinzip zusammengehefteten Klumpen Fleisch mithilfe von Blitzableitern zum Leben zu erwecken, wurde tatsächlich nie in die Tat umgesetzt. Gefährlich weit fortgeschritten allerdings ist eine Reihe von Experimenten, die zwischen den 1930er und 1970er Jahren durchgeführt wurde. Während der Weltkriege von der Notwendigkeit inspiriert, Organe wie die Lunge und das Herz zu transplantieren, ging ein Russe noch weiter und meisterte die Königsdisziplin: Wladimir Demichow transplantierte komplette Köpfe.