Kolumne

Nicht nur die Technische Universität Dortmund (TU) scheint – wie im Aufmacher der :bsz 974 nachzulesen – ein Security-Problem zu haben: Wie die Liste B.I.E.R. auf der Sitzung des Studierendenparlaments (SP) am 22.10. berichtete, hatte die Satire­liste bei der Erstsemesterbegrüßung auf dem Forumsplatz am 21. Oktober einen Freibier- und Infostand unweit der Veranstaltung aufgebaut. So weit, so selbstverständlich – denn „eigentlich finden wir alle, dass die Listen eigene Stände haben sollen dürfen bei der Erstibegrüßung“, wie die B.I.E.R.-Liste kurz darauf twitterte. Dies sahen Mitarbeitende der Zentralen Studienberatung jedoch offensichtlich anders – sie forderten die Liste mit wechselnden Begründungen auf zu gehen. Als dies folgenlos blieb, wurde –  mutmaßlich externe und nur an diesem Tag auf den Campus beorderte – Security aufgefahren und laut einer Listenvertreterin im SP mehrere Studis „durch physische Gewalt davon abgehalten, sich ein Freibier zu nehmen.“ Doch es wurde noch grotesker...

Als sie 16 wurde, hörte C. schlagartig mit dem Rauchen auf. Sie durfte ja jetzt, ganz offiziell, rauchen. Und sie war schließlich eine Rebellin. Gegen das faschistoide, ausbeuterische System. Gegen Unterdrückung allgemein und die von Frauen im Speziellen. Gegen die Bundeswehr und gegen Tierversuche. Gegen Atomstrom und Walfang. Gegen Kapitalismus und Diskriminierung. Für ihr Alter ganz schön vorlaut.
Ihre Eltern verstanden nicht viel von den Aktionen ihrer Tochter. Wie sollten sie auch? Sie verstand sich ja selbst nicht richtig. Trotzdem halfen sie ihr, wo immer sie konnten. Sie kochten ab und zu mal vegetarisch, auch wenn es dann nur verkochten Blumenkohl zu essen gab.

Der blasse Junge löffelt sein Schälchen bis zum letzten Fitzelchen aus, aber die dünne Pampe hat ihn nicht satt gemacht. Ebenso wenig seine Schicksalsgenossen: Oliver traf das Los um einen Nachschlag zu bitten. Er geht mit seinem leeren Schälchen und dem Löffel nach vorne zur Essensausgabe und sagt mit zitternder Stimme: „Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr.“ Aber der kleine Junge wird statt der zweiten Schüssel Haferschleim eine Tracht Prügel bekommen und aus dem Armenhaus geworfen werden. Der arme, kleine Oliver! Falsch – die arme Gemeinde! Da unterhält sie schon so nächstenlieb ein Armenhaus, und die nutzen das gierig aus. 

In den USA wird dichtgemacht. Grund ist ein Streit zwischen Republikanern und Demokraten. Am 17. Oktober stoßen die Vereinigten Staaten an ihre gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze – derzeit 16,7 Billionen US-Dollar. Bis zu diesem Datum müssen die beiden Regierungsparteien diese neu festlegen; sonst droht die Zahlungsunfähigkeit des Landes.

Als einzigen „Lichtblick“ in einem „stinklangweiligen Wahlkampf“ apostrophierte der Stern am vorletzten Vorwahlmittwoch DIE PARTEI: Immerhin „die 100 reichsten Deutschen umnieten“ lassen wollte die „Satiretruppe“, deren Spitzenkandidaten Martin Sonneborn das Polit-Hochglanzmagazin als „Wahlkampfgott“ in den Himmel hob. Den großkoalitionären Stinkefinger-Schweineplural ersetzte der Titanic-Macher programmatisch durch nonchalanten Getränkepopulismus, der gar aus dem Listenwahlkampf an der Ruhr-Uni entlehnt sein könnte: „Das BIER entscheidet!“ Schade, dass die rund 30 Prozent NichtwählerInnen ihr Kreuzchen nicht bei der renitenten Spaßpartei gemacht haben – dann wäre Martin Sonneborn nicht nur „Kanzler der Herzen“…

Unterschiedlicher könnten die Quellen der mahnenden Stimmen kaum sein: Nicht allein die literarisch-politische Ikone der 68er, Hans-Magnus Enzensberger, sondern selbst der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frank Schirrmacher, warnen derzeit vor einer sukzessiven Abschaffung von Bürgerrechten. So verwundert es nicht, dass sich am Samstag bei der bundesweiten Demo unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ etwa 20.000 Menschen unterschiedlichster politischer Couleur am Potsdamer Platz zusammenfanden, um in der Hauptstadt gelbe, orange, rote und grüne Flaggen gegen Überwachung und Datenmissbrauch zu zeigen. Derweil verkündet die Kanzlerin kaltschnäuzig, noch nie wissentlich überwacht worden zu sein. Vielleicht meidet die Dame ja grundsätzlich Bahnhöfe,...

Wir schreiben das Jahr 2113. Es ist 20:15 Uhr. Auf allen Kanälen läuft GV-History. Wieder wird das Format von Guido K. moderiert. 2080 kaufte der Medienmagnat, der sich mit Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg und Hitler zum Multimilliardär mauserte, dem Bund die angeschlagenen öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten ab. Alle anderen Fernsehsender mussten 2065, aufgrund von NEW-EU-Richtlinien, ihren Sendebetrieb einstellen. Heute gibt es nur noch Guido-Vision, kurz GV.

(USch) Wir schreiben Freitag, den 13. Dezember 2013. In der Mensa müsste Fischtag sein – und das wäre gut so, denn als eingefleischter Pescetarier hätte ich nach sechs Tagen Grünzeugverzehr mal wieder richtig Bock auf Lachs. Trotz einer gefühlten halben Stunde Atemnot in der Dank doppeltem Abi-Jahrgang neuerdings auch freitagmittags sardinenbüchsengleich gefüllten U35 taumle ich halbwegs gut gelaunt über den Campus und freue mich auf meinen Fisch, den ich in der neueröffneten Biomensa im ehemaligen Tutorienzentrum einzunehmen gedenke. 

(USch) New York 1960: Die renitenten 60er Jahre hatten gerade erst begonnen, als der für seine ‚autodestruktiven Skulpturen‘ im Zuge des Nouveau Réalisme berühmte und berüchtigte schweizer Künstler Jean Tinguely im Museum of Modern Art die Feuerwehr auf den Plan rief: Vor inzwischen 53 Jahren errichtete er dort ein gigantisches Maschinenkunstwerk, das sich bei der Vernissage planmäßig selbst in Brand setzte und damit unter anderem die industrielle Produktion ‚unnützer Dinge‘ spektakulär in den kritischen künstlerischen Fokus rücken sollte. Wenig später kulminierten Tinguelys bissige Kunstattacken auf die Industriegesellschaft in ‚Kunstsprengungen‘ in der Wüste von Nevada, die weltweites Aufsehen erregten.

Im Jahr 1993 sprang der Orca-Wal Willy majestätisch, seine gesamte Kraft gegen die Gefangenschaft aufbäumend, auf die andere Seite der Mauer – dorthin, wo er schon immer hingehörte: in die Freiheit. Sein Menschenjungenfreund Jesse stand ihm zur Seite oder vielmehr zur Unterseite, die er, tropfnass, aber mit wacker hochgestrecktem Arm, zum Abschied ein letztes Mal streifte. Episch.
So oder so ähnlich hat man sich anscheinend auch die Befreiung des guten alten Handels vorzustellen. Was wäre auch epischer als die größte Freihandelszone der Welt?

Seiten