Kolumne

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaften und ihre Finanzierung durch Rundfunkbeiträge blicken auf eine lange Tradition zurück. Ein altes Regime, sozusagen. 1923 nahm die Funk-Stunde Berlin als erster Hörfunksender in Deutschland den Betrieb auf. Die 1924 festgelegte Jahresgebühr von 60 Mark entsprach etwa einem Drittel eines durchschnittlichen Monatseinkommens. Das Telegraphengesetz sah nicht nur Geldstrafen, sondern im schlimmsten Fall auch eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten für Schwarzhören vor. Schöne alte Welt. Doch die gute alte Zeit der absoluten Macht währte nicht lang genug. Die Privatsender und mit ihnen die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins flimmerten über die bundesdeutschen Matschscheiben.

Petitionen sind was Tolles. Um UnterstützerInnen für ein gesellschaftliches Anliegen zu sammeln, oder GegnerInnen wider ein politisches Projekt, egal; ein Gesuch ist online rasch erstellt und verbreitet. Man wird nicht leugnen können, dass solche Petitionen zum öffentlichen Diskurs einen wichtigen Beitrag leisten, zumal die überwiegende Mehrzahl der UnterzeichnerInnen in den Talkshow- Debatten wohl nie zu Wort käme.

Der Freistaat Thüringen ist zwar das Land ohne Prominente, dafür aber mit den vielen schönen Ecken. Wartburg und Weimar wollen besucht werden und das Kyffhäuser-Denkmal zieht auch Leute in seinen Bann, die nichts mit Drogen zu tun haben. Erfurt hat eine malerische Altstadt, zwei dicke Kirchen direkt nebeneinander, eine Festung und all das, was Menschen sagen lässt: „Erfurt, jaja, das ist eine schöne Stadt.“ Als Hoffnung des Landes und geistige Elite in Ausbildung sind es natürlich vor allem die Studierenden, die an Kunst und Geschichte, Natur und Kultur des Landes interessiert sind. In Thüringen wie in NRW sind die Bahnen vollgestopft mit wissbegierigen und tatendurstigen AkademikerInnen, die ihr Semesterticket in vollen Zügen genießen und von einer Burgruine zum nächsten Naturpark pilgern.

Es war keine gewöhnliche Nacht in Querenburg. Im Wald hinterm BioMedizinPark spielte sich ein seltenes Ereignis ab, ermöglicht durch das Zusammenfallen von StuPa-Wahlen und Vollmond. In der Klause mit den grünen Läden brannte Licht und über der Tür prangte um Schlag Mitternacht der Schriftzug „Zur zerbrochenen Urne“. Aus Dutzenden Gräbern, in denen man jahrzehntelang Wahlurnen samt Stimmzettel verbuddelt hatte, erhoben sich die Geister der vergessenen Listen und strebten ihrer Stammkneipe zu.

Drauß’ vom Walde, da kam er her, der bärtige Mann mit seinem Buch, in dem geschrieben stand, welche Kinder artig und lieb waren. Er beschenkte sie reichlich, doch wohl nicht mit den richtigen Gaben. So meinte Martin, der auch auf Luther hörte, ein Christkind müsse her. Die engelsgleiche Gestalt sollte mit seiner Kraft, der Unsichtbarkeit, die Wünsche der braven Kinder erfahren. Doch das Christkind war nicht lange an der Spitze, denn die amerikanischen Hegemonialinteressen sorgten rasch für klare Verhältnisse. Ein Limonadenkonzern förderte aus der Retorte einen stämmigen Mann mit einer Vorliebe für rote Kleidung (und Limonade). Dieser sollte nun die Wünsche der Menschen erfüllen. Dabei hörte er auch die Gedanken der Erwachsenen, nicht nur die der Kinder.

Liebe NSA,

Entschuldigen Sie, dass ich mich erst jetzt persönlich an Sie wende, wo Sie doch schon so lange an meiner Korrespondenz teilhaben. Dieses rege Interesse schmeichelt mir natürlich. Ich hoffe sehr, dass Ihnen nicht zuviel Mehrarbeit entsteht durch die vielen Rechtschreibfehler und die mitunter ungelenke Handschrift in an mich gerichteten Briefen. Es sind eben Kinder, meistens jedenfalls. Die beigefügten Zeichnungen enthalten im Übrigen, zumindest nach meiner laienhaften Einschätzung, keine Hinweise auf Verstecke von Massenvernichtungswaffen oder Ähnlichem. Bild- und Schriftanalyse können sich Ihre Fachleute also getrost sparen, geschweige denn das Knacken irgendwelcher Codes. Knacken Sie lieber ein paar Nüsse! Hohoho, kleiner Scherz.

Aber Spaß beiseite, ich habe doch ein ernstes Anliegen.

Gespenstisch hallte das Hundegebell und das Gerassel der Baumaschinen über den Campus; sie kamen in den frühen Morgenstunden – Bautrupps, die den geheimen Auftrag hatten, das Unvermeidliche, jedoch niemals real für möglich Gehaltene zu vollziehen: die endgültige Trennung von Mensanien und Transmensanien.

Der Tag des Mauerbaus fiel auf einen Freitag, den dreizehnten – Mitten im Dezember. Egon Kranz gehörte zu den wenigen, die das Glück hatten, im Morgengrauen gerade noch rechtzeitig rüberzumachen, bevor gar nichts mehr ging: „Man hatte zu dieser Stunde noch in einer Nacht- und Nebel-Aktion an den Übergängen am Forum Nordost oder dem Hörsaalzentrum Ost in den Westen flüchten können. Doch bereits gegen 7 Uhr ging gar nichts mehr“, wird er drei Jahrzehnte später der :bsz verraten. Die Erinnerung an die Campusmauer würde für Egon K. noch lange ein kaum zu überwindendes Trauma bleiben: „Am Anfang hätte man nie erwartet, dass die Mauer überhaupt so lange steht. Aber als die Mauer später immer stabiler und fester wurde, wurden einem die Folgen schon so langsam bewusst. Die Hoffnung jedoch gab man nie auf!“

Winter is coming. Es wird wieder kalt und dunkel in Deutschland. Und hier in Remscheid, im Städtedreieck des Bergischen Landes, wird der Winter stets noch um einiges unbehaglicher als im Ruhrgebiet. Hätte ich in diesem Jahr also doch nach Bochum ziehen sollen, anstatt mir weiterhin das Bergische Mehr an Regen und Kälte, Eis und Schnee zu geben? Oder anstatt mir mehrmals wöchentlich einen über zwei Stunden langen Weg mit Bus und Bahn zuzumuten? Nein, ich wohne schon ziemlich gerne an diesem regnerischen dunklen Ort, der von Bergen und Wäldern umgeben ist. Das Bochumer Studierendenleben kommt durch die räumliche Entfernung zwar noch kürzer als es das bei mir ohnehin schon tun würde, doch bereits die im Vergleich zum Ruhrpott-Ballungsraum bessere Luft gleicht das wieder aus. Also bleibe ich in Bochum lokalistisch gesehen lieber ein Fremdarbeiter und Fremdstudierender, anstatt die Wohnungsknappheit weiter zu verschärfen.

:bszkolumne

„Für jeden Euro, der an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geht, fließen 49 Cent an die Gesellschaft zurück. [...] Eine gute Alten- oder Suchtkrankenhilfe kann Krankenhauskosten reduzieren und die Volkswirtschaft dadurch entlasten, dass Angehörige weiter arbeitsfähig bleiben.“ Das haben ForscherInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg herausgefunden. Das Team um Prof. Klaus Schellberg hat dazu das SROI-Modell entwickelt. Das Kürzel steht für „Social Return On Investment“ und bildet den Wirtschaftsfaktor Wohlfahrt ab. Das Fazit der Gruppe: Soziale Einrichtungen unterstützen die lokale Wirtschaft und stärken durch ihre entlastende und berufsvorbereitende Wirkung die gesamte Volkswirtschaft.

:bszkolumne

Ins Netz gegangen. Sie konnte es nicht fassen. Das war es dann wohl gewesen. Da sie nichts anderes tun konnte, beschloss sie zu warten. Und sie dachte nach über ihre Vergangenheit.

Einst war sie eine Königin gewesen. Der Souverän eines ganzen Staates, genau wie alle anderen. Trotzdem hatte sie ihr Leben für das Kollektiv gegeben. Für eine bessere Welt, ein besseres Leben, für alle hatte sie Stunde für Stunde, Tag für Tag geopfert. Ihr Opfer war nicht umsonst, denn es würde ja am Ende belohnt werden. Nicht für sich, für alle anderen tat sie, was sie glaubte tun zu müssen. Die anderen taten ja das gleiche für sie. Ihr Leben für das Kollektiv, das Kollektiv ihr Leben. Das hatte sie geglaubt.

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