Kolumne

Drauß’ vom Walde, da kam er her, der bärtige Mann mit seinem Buch, in dem geschrieben stand, welche Kinder artig und lieb waren. Er beschenkte sie reichlich, doch wohl nicht mit den richtigen Gaben. So meinte Martin, der auch auf Luther hörte, ein Christkind müsse her. Die engelsgleiche Gestalt sollte mit seiner Kraft, der Unsichtbarkeit, die Wünsche der braven Kinder erfahren. Doch das Christkind war nicht lange an der Spitze, denn die amerikanischen Hegemonialinteressen sorgten rasch für klare Verhältnisse. Ein Limonadenkonzern förderte aus der Retorte einen stämmigen Mann mit einer Vorliebe für rote Kleidung (und Limonade). Dieser sollte nun die Wünsche der Menschen erfüllen. Dabei hörte er auch die Gedanken der Erwachsenen, nicht nur die der Kinder.

Liebe NSA,

Entschuldigen Sie, dass ich mich erst jetzt persönlich an Sie wende, wo Sie doch schon so lange an meiner Korrespondenz teilhaben. Dieses rege Interesse schmeichelt mir natürlich. Ich hoffe sehr, dass Ihnen nicht zuviel Mehrarbeit entsteht durch die vielen Rechtschreibfehler und die mitunter ungelenke Handschrift in an mich gerichteten Briefen. Es sind eben Kinder, meistens jedenfalls. Die beigefügten Zeichnungen enthalten im Übrigen, zumindest nach meiner laienhaften Einschätzung, keine Hinweise auf Verstecke von Massenvernichtungswaffen oder Ähnlichem. Bild- und Schriftanalyse können sich Ihre Fachleute also getrost sparen, geschweige denn das Knacken irgendwelcher Codes. Knacken Sie lieber ein paar Nüsse! Hohoho, kleiner Scherz.

Aber Spaß beiseite, ich habe doch ein ernstes Anliegen.

Gespenstisch hallte das Hundegebell und das Gerassel der Baumaschinen über den Campus; sie kamen in den frühen Morgenstunden – Bautrupps, die den geheimen Auftrag hatten, das Unvermeidliche, jedoch niemals real für möglich Gehaltene zu vollziehen: die endgültige Trennung von Mensanien und Transmensanien.

Der Tag des Mauerbaus fiel auf einen Freitag, den dreizehnten – Mitten im Dezember. Egon Kranz gehörte zu den wenigen, die das Glück hatten, im Morgengrauen gerade noch rechtzeitig rüberzumachen, bevor gar nichts mehr ging: „Man hatte zu dieser Stunde noch in einer Nacht- und Nebel-Aktion an den Übergängen am Forum Nordost oder dem Hörsaalzentrum Ost in den Westen flüchten können. Doch bereits gegen 7 Uhr ging gar nichts mehr“, wird er drei Jahrzehnte später der :bsz verraten. Die Erinnerung an die Campusmauer würde für Egon K. noch lange ein kaum zu überwindendes Trauma bleiben: „Am Anfang hätte man nie erwartet, dass die Mauer überhaupt so lange steht. Aber als die Mauer später immer stabiler und fester wurde, wurden einem die Folgen schon so langsam bewusst. Die Hoffnung jedoch gab man nie auf!“

Winter is coming. Es wird wieder kalt und dunkel in Deutschland. Und hier in Remscheid, im Städtedreieck des Bergischen Landes, wird der Winter stets noch um einiges unbehaglicher als im Ruhrgebiet. Hätte ich in diesem Jahr also doch nach Bochum ziehen sollen, anstatt mir weiterhin das Bergische Mehr an Regen und Kälte, Eis und Schnee zu geben? Oder anstatt mir mehrmals wöchentlich einen über zwei Stunden langen Weg mit Bus und Bahn zuzumuten? Nein, ich wohne schon ziemlich gerne an diesem regnerischen dunklen Ort, der von Bergen und Wäldern umgeben ist. Das Bochumer Studierendenleben kommt durch die räumliche Entfernung zwar noch kürzer als es das bei mir ohnehin schon tun würde, doch bereits die im Vergleich zum Ruhrpott-Ballungsraum bessere Luft gleicht das wieder aus. Also bleibe ich in Bochum lokalistisch gesehen lieber ein Fremdarbeiter und Fremdstudierender, anstatt die Wohnungsknappheit weiter zu verschärfen.

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„Für jeden Euro, der an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geht, fließen 49 Cent an die Gesellschaft zurück. [...] Eine gute Alten- oder Suchtkrankenhilfe kann Krankenhauskosten reduzieren und die Volkswirtschaft dadurch entlasten, dass Angehörige weiter arbeitsfähig bleiben.“ Das haben ForscherInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg herausgefunden. Das Team um Prof. Klaus Schellberg hat dazu das SROI-Modell entwickelt. Das Kürzel steht für „Social Return On Investment“ und bildet den Wirtschaftsfaktor Wohlfahrt ab. Das Fazit der Gruppe: Soziale Einrichtungen unterstützen die lokale Wirtschaft und stärken durch ihre entlastende und berufsvorbereitende Wirkung die gesamte Volkswirtschaft.

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Ins Netz gegangen. Sie konnte es nicht fassen. Das war es dann wohl gewesen. Da sie nichts anderes tun konnte, beschloss sie zu warten. Und sie dachte nach über ihre Vergangenheit.

Einst war sie eine Königin gewesen. Der Souverän eines ganzen Staates, genau wie alle anderen. Trotzdem hatte sie ihr Leben für das Kollektiv gegeben. Für eine bessere Welt, ein besseres Leben, für alle hatte sie Stunde für Stunde, Tag für Tag geopfert. Ihr Opfer war nicht umsonst, denn es würde ja am Ende belohnt werden. Nicht für sich, für alle anderen tat sie, was sie glaubte tun zu müssen. Die anderen taten ja das gleiche für sie. Ihr Leben für das Kollektiv, das Kollektiv ihr Leben. Das hatte sie geglaubt.

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Es war einmal ein Bauer. Er lebte einsam in einer windschiefen Bretterhütte auf einem grasigen Berghang. Der Bauer war nicht sehr reich. Man könnte sogar behaupten, der Bauer sei arm gewesen. Seine einzige Gefährtin war eine rotgefleckte Kuh. Das Tier mit den treuen Augen war der einzige Reichtum des Landwirts – und das nicht nur, weil sie Milch gab. Jeden Morgen stand der Bauer auf, wusch sich und rasierte sein Kinn. Dann ging er hinüber zum Stall und öffnete die Tür, um seine Kuh zu melken. Danach ließ er das Tier vor der Hütte grasen. Nachdem seine Arbeit im Gemüsegarten getan war, saß der Bauer gerne bei einem Glas Milch im warmen Schein der hinter dem schneezipfligen Bergpanorama versinkenden Sonne im Schaukelstuhl auf der Veranda.

Er schaute seiner Kuh beim Grasen zu und dachte nach. Warum waren die Flecken seiner Kuh rot und nicht schwarz? Warum aß die Kuh grünes Gras, um weiße Milch zu produzieren? War vielleicht das Tier der wahre Souverän dieser Zweierbeziehung, das sich den Druck aus dem Euter nehmen und frisches Stroh in den Stall bringen ließ?

Ich sitze vor einem Monitor. Genau genommen sitze ich vor einer Wand aus Monitoren. Unter anderem eben aber auch vor diesem einen Bildschirm, der für Uneingeweihte aber unter den übrigen nicht zu unterscheiden wäre. Uneingeweihte kommen ohnehin nie in diesen Raum. Und wenn doch, kommen sie meist nicht wieder heraus.

Nicht nur die Technische Universität Dortmund (TU) scheint – wie im Aufmacher der :bsz 974 nachzulesen – ein Security-Problem zu haben: Wie die Liste B.I.E.R. auf der Sitzung des Studierendenparlaments (SP) am 22.10. berichtete, hatte die Satire­liste bei der Erstsemesterbegrüßung auf dem Forumsplatz am 21. Oktober einen Freibier- und Infostand unweit der Veranstaltung aufgebaut. So weit, so selbstverständlich – denn „eigentlich finden wir alle, dass die Listen eigene Stände haben sollen dürfen bei der Erstibegrüßung“, wie die B.I.E.R.-Liste kurz darauf twitterte. Dies sahen Mitarbeitende der Zentralen Studienberatung jedoch offensichtlich anders – sie forderten die Liste mit wechselnden Begründungen auf zu gehen. Als dies folgenlos blieb, wurde –  mutmaßlich externe und nur an diesem Tag auf den Campus beorderte – Security aufgefahren und laut einer Listenvertreterin im SP mehrere Studis „durch physische Gewalt davon abgehalten, sich ein Freibier zu nehmen.“ Doch es wurde noch grotesker...

Als sie 16 wurde, hörte C. schlagartig mit dem Rauchen auf. Sie durfte ja jetzt, ganz offiziell, rauchen. Und sie war schließlich eine Rebellin. Gegen das faschistoide, ausbeuterische System. Gegen Unterdrückung allgemein und die von Frauen im Speziellen. Gegen die Bundeswehr und gegen Tierversuche. Gegen Atomstrom und Walfang. Gegen Kapitalismus und Diskriminierung. Für ihr Alter ganz schön vorlaut.
Ihre Eltern verstanden nicht viel von den Aktionen ihrer Tochter. Wie sollten sie auch? Sie verstand sich ja selbst nicht richtig. Trotzdem halfen sie ihr, wo immer sie konnten. Sie kochten ab und zu mal vegetarisch, auch wenn es dann nur verkochten Blumenkohl zu essen gab.

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