Kolumne

Winter is coming. Es wird wieder kalt und dunkel in Deutschland. Und hier in Remscheid, im Städtedreieck des Bergischen Landes, wird der Winter stets noch um einiges unbehaglicher als im Ruhrgebiet. Hätte ich in diesem Jahr also doch nach Bochum ziehen sollen, anstatt mir weiterhin das Bergische Mehr an Regen und Kälte, Eis und Schnee zu geben? Oder anstatt mir mehrmals wöchentlich einen über zwei Stunden langen Weg mit Bus und Bahn zuzumuten? Nein, ich wohne schon ziemlich gerne an diesem regnerischen dunklen Ort, der von Bergen und Wäldern umgeben ist. Das Bochumer Studierendenleben kommt durch die räumliche Entfernung zwar noch kürzer als es das bei mir ohnehin schon tun würde, doch bereits die im Vergleich zum Ruhrpott-Ballungsraum bessere Luft gleicht das wieder aus. Also bleibe ich in Bochum lokalistisch gesehen lieber ein Fremdarbeiter und Fremdstudierender, anstatt die Wohnungsknappheit weiter zu verschärfen.

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„Für jeden Euro, der an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geht, fließen 49 Cent an die Gesellschaft zurück. [...] Eine gute Alten- oder Suchtkrankenhilfe kann Krankenhauskosten reduzieren und die Volkswirtschaft dadurch entlasten, dass Angehörige weiter arbeitsfähig bleiben.“ Das haben ForscherInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg herausgefunden. Das Team um Prof. Klaus Schellberg hat dazu das SROI-Modell entwickelt. Das Kürzel steht für „Social Return On Investment“ und bildet den Wirtschaftsfaktor Wohlfahrt ab. Das Fazit der Gruppe: Soziale Einrichtungen unterstützen die lokale Wirtschaft und stärken durch ihre entlastende und berufsvorbereitende Wirkung die gesamte Volkswirtschaft.

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Ins Netz gegangen. Sie konnte es nicht fassen. Das war es dann wohl gewesen. Da sie nichts anderes tun konnte, beschloss sie zu warten. Und sie dachte nach über ihre Vergangenheit.

Einst war sie eine Königin gewesen. Der Souverän eines ganzen Staates, genau wie alle anderen. Trotzdem hatte sie ihr Leben für das Kollektiv gegeben. Für eine bessere Welt, ein besseres Leben, für alle hatte sie Stunde für Stunde, Tag für Tag geopfert. Ihr Opfer war nicht umsonst, denn es würde ja am Ende belohnt werden. Nicht für sich, für alle anderen tat sie, was sie glaubte tun zu müssen. Die anderen taten ja das gleiche für sie. Ihr Leben für das Kollektiv, das Kollektiv ihr Leben. Das hatte sie geglaubt.

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Es war einmal ein Bauer. Er lebte einsam in einer windschiefen Bretterhütte auf einem grasigen Berghang. Der Bauer war nicht sehr reich. Man könnte sogar behaupten, der Bauer sei arm gewesen. Seine einzige Gefährtin war eine rotgefleckte Kuh. Das Tier mit den treuen Augen war der einzige Reichtum des Landwirts – und das nicht nur, weil sie Milch gab. Jeden Morgen stand der Bauer auf, wusch sich und rasierte sein Kinn. Dann ging er hinüber zum Stall und öffnete die Tür, um seine Kuh zu melken. Danach ließ er das Tier vor der Hütte grasen. Nachdem seine Arbeit im Gemüsegarten getan war, saß der Bauer gerne bei einem Glas Milch im warmen Schein der hinter dem schneezipfligen Bergpanorama versinkenden Sonne im Schaukelstuhl auf der Veranda.

Er schaute seiner Kuh beim Grasen zu und dachte nach. Warum waren die Flecken seiner Kuh rot und nicht schwarz? Warum aß die Kuh grünes Gras, um weiße Milch zu produzieren? War vielleicht das Tier der wahre Souverän dieser Zweierbeziehung, das sich den Druck aus dem Euter nehmen und frisches Stroh in den Stall bringen ließ?

Ich sitze vor einem Monitor. Genau genommen sitze ich vor einer Wand aus Monitoren. Unter anderem eben aber auch vor diesem einen Bildschirm, der für Uneingeweihte aber unter den übrigen nicht zu unterscheiden wäre. Uneingeweihte kommen ohnehin nie in diesen Raum. Und wenn doch, kommen sie meist nicht wieder heraus.

Nicht nur die Technische Universität Dortmund (TU) scheint – wie im Aufmacher der :bsz 974 nachzulesen – ein Security-Problem zu haben: Wie die Liste B.I.E.R. auf der Sitzung des Studierendenparlaments (SP) am 22.10. berichtete, hatte die Satire­liste bei der Erstsemesterbegrüßung auf dem Forumsplatz am 21. Oktober einen Freibier- und Infostand unweit der Veranstaltung aufgebaut. So weit, so selbstverständlich – denn „eigentlich finden wir alle, dass die Listen eigene Stände haben sollen dürfen bei der Erstibegrüßung“, wie die B.I.E.R.-Liste kurz darauf twitterte. Dies sahen Mitarbeitende der Zentralen Studienberatung jedoch offensichtlich anders – sie forderten die Liste mit wechselnden Begründungen auf zu gehen. Als dies folgenlos blieb, wurde –  mutmaßlich externe und nur an diesem Tag auf den Campus beorderte – Security aufgefahren und laut einer Listenvertreterin im SP mehrere Studis „durch physische Gewalt davon abgehalten, sich ein Freibier zu nehmen.“ Doch es wurde noch grotesker...

Als sie 16 wurde, hörte C. schlagartig mit dem Rauchen auf. Sie durfte ja jetzt, ganz offiziell, rauchen. Und sie war schließlich eine Rebellin. Gegen das faschistoide, ausbeuterische System. Gegen Unterdrückung allgemein und die von Frauen im Speziellen. Gegen die Bundeswehr und gegen Tierversuche. Gegen Atomstrom und Walfang. Gegen Kapitalismus und Diskriminierung. Für ihr Alter ganz schön vorlaut.
Ihre Eltern verstanden nicht viel von den Aktionen ihrer Tochter. Wie sollten sie auch? Sie verstand sich ja selbst nicht richtig. Trotzdem halfen sie ihr, wo immer sie konnten. Sie kochten ab und zu mal vegetarisch, auch wenn es dann nur verkochten Blumenkohl zu essen gab.

Der blasse Junge löffelt sein Schälchen bis zum letzten Fitzelchen aus, aber die dünne Pampe hat ihn nicht satt gemacht. Ebenso wenig seine Schicksalsgenossen: Oliver traf das Los um einen Nachschlag zu bitten. Er geht mit seinem leeren Schälchen und dem Löffel nach vorne zur Essensausgabe und sagt mit zitternder Stimme: „Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr.“ Aber der kleine Junge wird statt der zweiten Schüssel Haferschleim eine Tracht Prügel bekommen und aus dem Armenhaus geworfen werden. Der arme, kleine Oliver! Falsch – die arme Gemeinde! Da unterhält sie schon so nächstenlieb ein Armenhaus, und die nutzen das gierig aus. 

In den USA wird dichtgemacht. Grund ist ein Streit zwischen Republikanern und Demokraten. Am 17. Oktober stoßen die Vereinigten Staaten an ihre gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze – derzeit 16,7 Billionen US-Dollar. Bis zu diesem Datum müssen die beiden Regierungsparteien diese neu festlegen; sonst droht die Zahlungsunfähigkeit des Landes.

Als einzigen „Lichtblick“ in einem „stinklangweiligen Wahlkampf“ apostrophierte der Stern am vorletzten Vorwahlmittwoch DIE PARTEI: Immerhin „die 100 reichsten Deutschen umnieten“ lassen wollte die „Satiretruppe“, deren Spitzenkandidaten Martin Sonneborn das Polit-Hochglanzmagazin als „Wahlkampfgott“ in den Himmel hob. Den großkoalitionären Stinkefinger-Schweineplural ersetzte der Titanic-Macher programmatisch durch nonchalanten Getränkepopulismus, der gar aus dem Listenwahlkampf an der Ruhr-Uni entlehnt sein könnte: „Das BIER entscheidet!“ Schade, dass die rund 30 Prozent NichtwählerInnen ihr Kreuzchen nicht bei der renitenten Spaßpartei gemacht haben – dann wäre Martin Sonneborn nicht nur „Kanzler der Herzen“…

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