Kolumne

Es ist 1.30 Uhr und ich liege auf meinem Bett. Im Fernsehen läuft eine Dokumentation über das Leben von Nomadenvölkern. Es geht um Beduinen, Berber und die Hema. Ich nehme mein Smartphone zur Hand, welches gleichsam mein Wecker ist, und konsultiere Wikipedia. Ich gebe „Nomade“ ein. Der digitale Quell unendlichen Wissens teilt mir mit, dass jene Menschen und Gesellschaften als Nomaden bezeichnet werden, die aus „kulturellen, ökonomischen oder weltanschaulichen Gründen eine nicht sesshafte Lebensweise führen“.

Wie Du an der RUB überlebst:

1.  Sei offen und kontaktfreudig – besonders an den ersten Tagen.
In manchen Studiengängen quellen die Hörsäle einfach über und in jedem einzelnen Seminar trifft man auf andere KommilitonInnen. Folglich besteht die Atmosphäre zwischen den Studierenden aus Anonymität und Isolation. Wenn ein Jahrgang aus mehr als zweihundert Menschen besteht – was an der RUB nicht gerade selten vorkommt –  hat man leider nicht die Chance, wie damals in der Schulklasse, jeden Tag aufs Neue mit den gleichen beknackten Leuten rumzuhängen, mit denen man, wohl oder übel, letzten Endes die besten Freundschaften schließt. Ganz im Gegenteil: Man kann sich die ersten Tage, Wochen und Monate unbemerkt durch die Gänge schlängeln, neuen, netten Gleichgesinnten mit Leichtigkeit aus dem Weg gehen und für den Rest der Studienzeit „inkognito“ bleiben. Das Beste an der Uni sind aber doch die Leute, die potentiellen Freunde und Freundinnen.

Sie kreisen über Dir. Beobachten jeden Atemzug. Verfolgen jeden Deiner Schritte. Spionieren jeden Deiner Gedanken aus. Sie klemmen sich an Deine Fersen – und sie werden diese nie wieder loslassen. Helikoptereltern. Du überlegst, wie Deine Zukunft aussehen soll, was Du studieren möchtest und wer Du sein willst? Sie haben es bereits für dich entschieden.

(Jacq) Wir schreiben den 30. September 2013. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages noch einmal einen Kugelschreiber in den Händen halten würde! Ein geschriebener Tagebucheintrag! Ein geschriebener Tagebucheintrag auf Papier! Mit einem Stift! Mit meinem eigenen eingerosteten Schriftzug!

Heiliger Stuhl ist auch nur Scheiße. Diesen Satz liest man bisweilen, allein in diesem modernen Medium, das man Internet nennt, 92.500 Mal.

Für mich geht nichts über eine gut gemachte Serie oder einen spannenden, informativen und bestenfalls unterhaltsamen Film. Auch Dokumentationen können mitunter sehr fesselnd und sehenswert sein. Für einen Menschen wie mich, der sich in seiner Freizeit mit der Geschichte des Films, der Schauspielerei und den inhaltlichen Aspekten der visuellen Medien beschäftigt, ist eigentlich keine Sekunde bewegtes Bild eine verschenkte Sekunde. Alles hat irgendwo seinen Wert und seine Daseinsberechtigung. Wie und mit welchem Maß diese gemessen wird, ist fast immer ein höchst subjektives Unterfangen.

Ich bin jetzt gegen Papier. Ich hasse Papier. Papier ist das Grundübel der Postmoderne. Ich sitze an einem Artikel für die :bsz... Die :bsz ist die „älteste kontinuierlich erscheinende Studierendenzeitung der BRD“, heißt es in fast jedem Text, der diese Zeitung zum Gegenstand hat. Wahrscheinlich ist es dieses kleine, missverständliche Wort „erscheinende“, das den ganzen unnützen Wahnsinn ausgelöst hat. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher: „Erscheinen“ hat nichts mit „auf Papier gedruckt und verteilt werden“ zu tun!

Mit letzter Kraft schaffe ich es, die Tür zuzudrücken. Ich stehe noch eine Weile schnaufend, völlig außer Atem, mit dem Rücken zur Tür. Es klopft. Erst leise, dann lauter. „Du wirst mich nicht kriegen“, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Seitdem jedeR dahergelaufeneR BWL-StudentIn glaubt, den GriechInnen die Finanzkrise erklären zu können, ist eines etwas in Vergessenheit geraten: Athen ist nicht nur vom Smog umwaberter Sockel der Akropolis und nicht nur Mausoleum für Drachme und Euro. In der Hauptstadt der Hellen­Innen steht auch nach wie vor die vielzitierte Wiege der Demokratie (fragt nicht wo). Und da niemand ernsthaft behaupten kann, die Eurokrise in ihrer Gesamtheit geistig durchdrungen zu haben, kann man besser etwas von den Altvorderen lernen als deren Nachkommen mit erhobenem Finger zu maßregeln. Statt schulmeisterlicher Strenge ist Demut angesagt. Denn vor Jahrtausenden schafften die alten GriechInnen bereits, was an der RUB noch weitere Jahrtausende entfernt scheint: Ein aktiv genutztes System der demokratischen Teilhabe zu etablieren.

„Mich haben sie nicht bekommen“, säuselt Hans Leichtgläub grinsend vor sich hin und reibt sich dabei zufrieden seine altgrauen Hände. Enthusiastisch, mit der Kraft eines 17-jährigen Jungspundes, erhebt er sich von seinem monströsen, halbverwesten, grüngelblichen Ohrensessel und schlendert hinüber zum Konservenschrank, der eigentlich gar kein wahrer Konservenschrank ist, lediglich einer sein sollte. In dem nur halb und zum Teil abwegig aufgebauten Ikeaschrank stehen hunderte Energydrinkdosen. Stolz wie ein neugeborener Erfinder bei seiner ersten Heureka-Erfahrung bewundert er sein lebenssicherndes Werk.

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