Kolumne

:bszkolumne

Es war einmal ein Bauer. Er lebte einsam in einer windschiefen Bretterhütte auf einem grasigen Berghang. Der Bauer war nicht sehr reich. Man könnte sogar behaupten, der Bauer sei arm gewesen. Seine einzige Gefährtin war eine rotgefleckte Kuh. Das Tier mit den treuen Augen war der einzige Reichtum des Landwirts – und das nicht nur, weil sie Milch gab. Jeden Morgen stand der Bauer auf, wusch sich und rasierte sein Kinn. Dann ging er hinüber zum Stall und öffnete die Tür, um seine Kuh zu melken. Danach ließ er das Tier vor der Hütte grasen. Nachdem seine Arbeit im Gemüsegarten getan war, saß der Bauer gerne bei einem Glas Milch im warmen Schein der hinter dem schneezipfligen Bergpanorama versinkenden Sonne im Schaukelstuhl auf der Veranda.

Er schaute seiner Kuh beim Grasen zu und dachte nach. Warum waren die Flecken seiner Kuh rot und nicht schwarz? Warum aß die Kuh grünes Gras, um weiße Milch zu produzieren? War vielleicht das Tier der wahre Souverän dieser Zweierbeziehung, das sich den Druck aus dem Euter nehmen und frisches Stroh in den Stall bringen ließ?

Ich sitze vor einem Monitor. Genau genommen sitze ich vor einer Wand aus Monitoren. Unter anderem eben aber auch vor diesem einen Bildschirm, der für Uneingeweihte aber unter den übrigen nicht zu unterscheiden wäre. Uneingeweihte kommen ohnehin nie in diesen Raum. Und wenn doch, kommen sie meist nicht wieder heraus.

Nicht nur die Technische Universität Dortmund (TU) scheint – wie im Aufmacher der :bsz 974 nachzulesen – ein Security-Problem zu haben: Wie die Liste B.I.E.R. auf der Sitzung des Studierendenparlaments (SP) am 22.10. berichtete, hatte die Satire­liste bei der Erstsemesterbegrüßung auf dem Forumsplatz am 21. Oktober einen Freibier- und Infostand unweit der Veranstaltung aufgebaut. So weit, so selbstverständlich – denn „eigentlich finden wir alle, dass die Listen eigene Stände haben sollen dürfen bei der Erstibegrüßung“, wie die B.I.E.R.-Liste kurz darauf twitterte. Dies sahen Mitarbeitende der Zentralen Studienberatung jedoch offensichtlich anders – sie forderten die Liste mit wechselnden Begründungen auf zu gehen. Als dies folgenlos blieb, wurde –  mutmaßlich externe und nur an diesem Tag auf den Campus beorderte – Security aufgefahren und laut einer Listenvertreterin im SP mehrere Studis „durch physische Gewalt davon abgehalten, sich ein Freibier zu nehmen.“ Doch es wurde noch grotesker...

Als sie 16 wurde, hörte C. schlagartig mit dem Rauchen auf. Sie durfte ja jetzt, ganz offiziell, rauchen. Und sie war schließlich eine Rebellin. Gegen das faschistoide, ausbeuterische System. Gegen Unterdrückung allgemein und die von Frauen im Speziellen. Gegen die Bundeswehr und gegen Tierversuche. Gegen Atomstrom und Walfang. Gegen Kapitalismus und Diskriminierung. Für ihr Alter ganz schön vorlaut.
Ihre Eltern verstanden nicht viel von den Aktionen ihrer Tochter. Wie sollten sie auch? Sie verstand sich ja selbst nicht richtig. Trotzdem halfen sie ihr, wo immer sie konnten. Sie kochten ab und zu mal vegetarisch, auch wenn es dann nur verkochten Blumenkohl zu essen gab.

Der blasse Junge löffelt sein Schälchen bis zum letzten Fitzelchen aus, aber die dünne Pampe hat ihn nicht satt gemacht. Ebenso wenig seine Schicksalsgenossen: Oliver traf das Los um einen Nachschlag zu bitten. Er geht mit seinem leeren Schälchen und dem Löffel nach vorne zur Essensausgabe und sagt mit zitternder Stimme: „Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr.“ Aber der kleine Junge wird statt der zweiten Schüssel Haferschleim eine Tracht Prügel bekommen und aus dem Armenhaus geworfen werden. Der arme, kleine Oliver! Falsch – die arme Gemeinde! Da unterhält sie schon so nächstenlieb ein Armenhaus, und die nutzen das gierig aus. 

In den USA wird dichtgemacht. Grund ist ein Streit zwischen Republikanern und Demokraten. Am 17. Oktober stoßen die Vereinigten Staaten an ihre gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze – derzeit 16,7 Billionen US-Dollar. Bis zu diesem Datum müssen die beiden Regierungsparteien diese neu festlegen; sonst droht die Zahlungsunfähigkeit des Landes.

Als einzigen „Lichtblick“ in einem „stinklangweiligen Wahlkampf“ apostrophierte der Stern am vorletzten Vorwahlmittwoch DIE PARTEI: Immerhin „die 100 reichsten Deutschen umnieten“ lassen wollte die „Satiretruppe“, deren Spitzenkandidaten Martin Sonneborn das Polit-Hochglanzmagazin als „Wahlkampfgott“ in den Himmel hob. Den großkoalitionären Stinkefinger-Schweineplural ersetzte der Titanic-Macher programmatisch durch nonchalanten Getränkepopulismus, der gar aus dem Listenwahlkampf an der Ruhr-Uni entlehnt sein könnte: „Das BIER entscheidet!“ Schade, dass die rund 30 Prozent NichtwählerInnen ihr Kreuzchen nicht bei der renitenten Spaßpartei gemacht haben – dann wäre Martin Sonneborn nicht nur „Kanzler der Herzen“…

Unterschiedlicher könnten die Quellen der mahnenden Stimmen kaum sein: Nicht allein die literarisch-politische Ikone der 68er, Hans-Magnus Enzensberger, sondern selbst der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frank Schirrmacher, warnen derzeit vor einer sukzessiven Abschaffung von Bürgerrechten. So verwundert es nicht, dass sich am Samstag bei der bundesweiten Demo unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ etwa 20.000 Menschen unterschiedlichster politischer Couleur am Potsdamer Platz zusammenfanden, um in der Hauptstadt gelbe, orange, rote und grüne Flaggen gegen Überwachung und Datenmissbrauch zu zeigen. Derweil verkündet die Kanzlerin kaltschnäuzig, noch nie wissentlich überwacht worden zu sein. Vielleicht meidet die Dame ja grundsätzlich Bahnhöfe,...

Wir schreiben das Jahr 2113. Es ist 20:15 Uhr. Auf allen Kanälen läuft GV-History. Wieder wird das Format von Guido K. moderiert. 2080 kaufte der Medienmagnat, der sich mit Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg und Hitler zum Multimilliardär mauserte, dem Bund die angeschlagenen öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten ab. Alle anderen Fernsehsender mussten 2065, aufgrund von NEW-EU-Richtlinien, ihren Sendebetrieb einstellen. Heute gibt es nur noch Guido-Vision, kurz GV.

(USch) Wir schreiben Freitag, den 13. Dezember 2013. In der Mensa müsste Fischtag sein – und das wäre gut so, denn als eingefleischter Pescetarier hätte ich nach sechs Tagen Grünzeugverzehr mal wieder richtig Bock auf Lachs. Trotz einer gefühlten halben Stunde Atemnot in der Dank doppeltem Abi-Jahrgang neuerdings auch freitagmittags sardinenbüchsengleich gefüllten U35 taumle ich halbwegs gut gelaunt über den Campus und freue mich auf meinen Fisch, den ich in der neueröffneten Biomensa im ehemaligen Tutorienzentrum einzunehmen gedenke. 

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